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Weltbevölkerungsbericht: Jugend bewegt

Viele junge Menschen stehen auf einer Weltkarte
Bild: © Rawpixel - Fotolia.com

Der Weltbevölkerungsbericht der Vereinten Nationen widmet sich der wachsenden Zahl junger Menschen und damit einer der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat mit demografischen Analysen zum Bericht beigetragen.

Mit 1,8 Milliarden zählt die Welt heute so viele Menschen zwischen 10 und 24 Jahren wie nie zuvor. Beinahe 90 Prozent von ihnen leben in Entwicklungsländern. Das bedeutet für diese Länder eine große Chance. "Gerade junge Leute finden häufig kreative Lösungen für brennende Probleme. Sie verfolgen neue Ideen oft mit mehr Mut als Ältere und gehen auf ihrem Weg schon mal Risiken ein. Das kann eine Gesellschaft vorwärts bringen", sagt Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Gleichzeitig, so Klingholz weiter, berge die große Schar junger Leute ein erhebliches Risiko. Denn wenn junge Leute ihr Potenzial nicht entfalten können und stattdessen ins wirtschaftliche und soziale Abseits gestellt werden, seien sie bereit, ihr Recht auf ein ausreichendes Einkommen notfalls auch mit Gewalt einzuklagen. Das sehe man etwa in Ägypten oder Syrien.

Demografische Dividende zeigt Chancen auf

Doch nicht nur die reine Anzahl der Jugendlichen nimmt erheblichen Einfluss auf das Entwicklungspotenzial der Länder des globalen Südens, sondern auch die Bevölkerungsstruktur. Gemeinsam mit der älteren Bevölkerung im Rentenalter werden junge Leute als Abhängige bezeichnet, weil ihre Ausbildung die Gesellschaft zunächst über Jahre hinweg Geld kostet. Die altersmäßig dazwischen liegende Erwerbsbevölkerung sorgt mit ihren Einkommen für sie mit. Je weniger Abhängige auf einen Arbeitnehmer kommen, desto mehr Geld bleibt für Konsum und Investitionen übrig. Mit einer günstigen Altersstruktur wächst damit auch die Chance auf einen wirtschaftlichen Entwicklungsschub, den Klingholz als demografische Dividende bezeichnet.

Von diesem demografisch bedingten Aufschwung sind einige Entwicklungsländer jedoch noch weit entfernt, weil Frauen dort – teils ungewollt – nach wie vor sehr viele Kinder bekommen. "Damit eine demografische Dividende überhaupt greifbar wird, sollten diese Länder alles daran setzen, die Kindersterblichkeit zu senken, in Bildung zu investieren und Familienplanung anzubieten", empfiehlt Klingholz. Dies verhelfe Frauen zu mehr Selbstbestimmung, was schließlich auch zu niedrigeren Kinderzahlen führe.

Entwicklungsländer stehen vor unterschiedlichen Herausforderungen

Andere Entwicklungsländer wiederum haben einen Fertilitätsrückgang bereits erreicht. Die Zahl der Abhängigen befindet sich dort im Sinkflug. Groß ist allerdings die Schar der jungen Arbeitnehmer. Für sie braucht es schnellstmöglich bezahlte Arbeitsplätze, damit aus der günstigen Altersstruktur auch tatsächlich eine demografische Dividende wird. Die Herausforderungen, vor denen die Entwicklungsländer stehen, sind also sehr unterschiedlich.

"Bei der Arbeit am Weltbevölkerungsbericht war es uns wichtig, genau das zu zeigen", sagt Klingholz. "Anhand von Bevölkerungsdaten haben wir analysiert, welche demografischen Herausforderungen jedes Land in den kommenden Jahrzehnten meistern muss und welche Handlungsempfehlungen sich daraus ergeben", so der Institutsdirektor. Mit dem Beitrag zum jährlich erscheinenden Weltbevölkerungsbericht der Vereinten Nationen setzt das Berlin-Institut seine Arbeit zu den Zusammenhängen zwischen Demografie und sozioökonomischen Entwicklung fort. Der Berliner Thinktank gilt auf dem Themengebiet als führend in Deutschland.

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Quelle: Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung vom 18.11.2014