Kinder- und Jugendarbeit

Eurodesk-Netzwerktagung: Vielfalt ist eine Stärke

Eurodesk Jahrestagung 2012
Bild: Christian Herrmann   Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung – nicht kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen CC BY-NC-SA 3.0

Eurodesk Deutschland zeigt Jugendlichen die vielfältigen Wege ins Ausland auf. Nicht weniger vielfältig sind die lokalen Partner dieses Beratungsnetzwerkes. Auf der Jahrestagung in Bonn stand ein bunter Querschnitt von Themen, von der europäischen Jugendpolitik bis zu eindrucksvollen lokalen Projekten, auf der Tagesordnung.

Jugendliche zu den Möglichkeiten eines Auslandsaufenthaltes zu beraten, ist die Aufgabe des europäischen Netzwerkes Eurodesk. In Deutschland geschieht dies zentral durch das Eurodesk-Team bei IJAB in Bonn, aber auch durch die über 40 vorwiegend lokalen Partnereinrichtungen, an die sich Jugendliche vor Ort wenden können, wenn sie sich für einen Freiwilligendienst, einen Au-pair-Aufenthalt oder die Teilnahme an einem Workcamp außerhalb Deutschlands interessieren. Eurodesk-Partner können zum Beispiel Jugendinformationszentren, Jugendringe, Jugendbildungsstätten oder Träger, die selbst internationale Maßnahmen durchführen, sein. Diese lokalen Beratungsangebote verankern Eurodesk in der Jugendarbeit und sorgen dafür, dass Informationen zu Auslandsaufenthalten auch bei den Jugendlichen ankommen, die nicht selbstständig den Weg zur Eurodesk-Webseite oder dem telefonischen Service der Bonner Zentrale finden. Vom 27. bis 29. Februar kamen etwa 50 Teilnehmer/-innen aus dem Spektrum der Netzwerkpartner zur jährlichen Konferenz in Bonn zusammen.

Die bunte Vielfalt der Partner zeigt sich auf der Eurodesk-Jahrestagung besonders deutlich. Für die lokalen Beratungsangebote ist sie Möglichkeit zur Fortbildung, Informationsquelle für aktuelle jugendpolitische Entwicklungen in der internationalen Arbeit, Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch und Chance zur Darstellung ihrer eigenen Arbeit. Die Zukunft der europäischen Mobilitätsprogramme und der Strukturierte Dialog, der Beteiligungsprojekten Gehör bei der deutschen und europäischen Politik verschaffen soll, standen auf der Tagesordnung. „Uns ist es aber auch wichtig, dass unsere Partner Raum für die Darstellung ihrer Projekte bekommen“ sagte Robert Helm-Pleuger von Eurodesk Deutschland, „denn es gibt bei den Partnern so unglaublich tolle internationale Initiativen, die inspirierend für alle sind“. So stellte Michael Telkmann eine Oldenburger Jugendinitiative vor, die 2010 zu einer Roma-Siedlung in der Nähe von Ankara gereist war. „Unsere Freunde haben sich damals ziemliche Sorgen um uns gemacht“ erinnert sich Telkmann, „aber wir sind offen auf die Menschen zugegangen und sind genauso offen von ihnen aufgenommen worden“. Die Bilder vom gemeinsamen Spielen und Musizieren, die dabei entstanden sind, gehen unter die Haut. Sie zeigen fröhliche Kinder, die sich über das neue Freizeitangebot freuen, aber auch ernste Gesichter, denen man die schwierige Wirklichkeit am Rande der Gesellschaft ansieht. Das Thema Sinti und Roma in Europa lässt Michael Telkmann seither nicht los: 2011 ist die Oldenburger Gruppe zu Roma-Dörfern nach Rumänien gereist.

Von einer ganz anderen Reise berichteten Marlies Denter von der Stadt Frankfurt und Anastasia Paschalidou vom Internationalen Bund. Im Herbst 2011 organisierten sie einen ersten Fachkräfteaustausch zwischen Frankfurt und Kairo – zu diesem Zeitpunkt war Ägypten noch längst nicht zur Ruhe gekommen. Dieser Austausch fußt auf der Städtepartnerschaft zwischen Frankfurt und Kairo. Im Jugendbereich war es jedoch jahrelang ziemlich ruhig gewesen. Nun ergeben sich plötzlich wieder Berührungspunkte. Im September 2011 war eine Delegation aus Kairo in Frankfurt zu Besuch, im November erfolgte der Rückbesuch in der riesigen Stadt am Nil. Die Bilder, die beide mitgebracht haben, vermitteln einen lebhaften Eindruck von der Dichte und Lebhaftigkeit dieses urbanen Ballungsraums, aber auch dessen Problemen. Man ahnt, was ägyptische Fachkräfte an der Kinder- und Jugendhilfe interessieren könnte.

Teil des Tagungsprogramms waren auch technische Fragen, die mit den inzwischen unverzichtbaren Online-Angeboten zur Jugendmobilität verbunden sind. So lassen sich beispielsweise die Inhalte von rausvonzuhaus.de, dem zentralen Beratungsportal von Eurodesk Deutschland, in die Online-Angebote der Partner integrieren. Wie das geht, war in einem Workshop zu erfahren. In Sachen Mediennutzung entwickelt sich das Eurodesk-Netzwerk ständig weiter und erschließt sich neue Formate. Nadine Karbach vom IJAB-Projekt youthpart gab einen Einblick in BarCamps als online-begleitete partizipative Alternative zu konventionellen Tagungen und Konferenzen. Sie unterstrich dabei vor allem die Chancen zur stärkeren Beteiligung von Jugendlichen und verwies auf erste Erfahrungen des Deutsch-Französischen Jugendwerks zur Nutzung des neuen Formats in der internationalen Jugendarbeit. Die Eurodesk-Partner schätzen es, über solche Innovationen etwas erfahren und sich darüber austauschen zu können. Neues für alle Partner zu erschließen, auch das gehört zu den Stärken des Netzwerks.

INT 3.0 – Namensnennung – nicht kommerziell – keine Bearbeitung CC BY-NC-ND 3.0

Info-Pool