Kinder- und Jugendarbeit / Kinder- und Jugendpolitik

BKJ fordert eine inklusive und jugendgerechte Perspektive auf Bildung

Jugendliche, die meisten mit Baseballcaps, stehen in einer Gruppe an eine Wand gelehnt
Bild: rawpixel.com

Bildung ist ein Wert an sich – diese allgemeine Überzeugung wird durch die vertiefenden Analysen im Schwerpunktthema „Wirkungen und Erträge von Bildung“ des 7. Nationalen Bildungsberichts, vorgestellt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der Kultusministerkonferenz (KMK), erneut bestätigt. Der Vorsitzende der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V. (BKJ) fordert eine weite, inklusive und jugendgerechte Perspektive auf Bildung.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek und der Präsident der Kultusministerkonferenz, Helmut Holter, hoben gemeinsam hervor: „Bildung befähigt zur Entfaltung der Persönlichkeit eines Menschen. Sie steigert die Chancen auf berufliche und gesellschaftliche Teilhabe und ein höheres Einkommen, wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus, hebt das politische Engagement und führt zu einer höheren Lebenszufriedenheit.“

Der Bericht stellt eine steigende Bildungsbeteiligung und einen deutlichen Trend zu höheren Bildungsabschlüssen fest. Doch nicht alle Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen können mit diesem Trend mithalten.

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, sagt: „Auch der siebte Bildungsbericht zeigt wieder, dass immer mehr Menschen nach guter Bildung streben. Die soziale Herkunft hat jedoch nach wie vor einen zu starken Einfluss auf den Bildungserfolg. Unser zentrales bildungspolitisches Ziel ist und bleibt mehr Chancengerechtigkeit. Mit dem Ausbau des Angebotes der Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder, der Initiative für Brennpunktschulen und der BAföG-Reform haben wir verschiedene Instrumente dafür schon im Koalitionsvertrag verankert. Die Umsetzung gehen wir jetzt an.“

Bildung ist mehr als Aus-Bildung oder Qualifizierung!

Zur Entstehung von Disparitäten tragen auch unterschiedliche regionale Entwicklungen bei. In einem Teil der ländlichen Regionen gibt es bereits jetzt nicht mehr ausreichend wohnortnahe Bildungsangebote, so der Bildungsbericht.

Gerd Taube, Vorsitzender der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V. (BKJ), sagt: „Der Nationale Bildungsbericht zeigt erneut, wie wichtig das Engagement für gerechte Bildungschancen und Teilhabe ist. Bildung ist mehr als Aus-Bildung oder Qualifizierung! Schulische und außerschulische Bildungseinrichtungen sollten anregende Lebensorte sein, an denen sich Kinder und Jugendliche ihren Rechten, individuellen Interessen und Entwicklungsaufgaben entsprechend entfalten können. Wo sie aber auch gesellschaftliche Anforderungen bewältigen lernen und wo Bildung nicht ausschließlich auf ihre ökonomische Verwertbarkeit fokussiert wird. Wir brauchen eine jugendgerechte Bildung in Deutschland, die jungen Menschen Selbstbestimmung und Freiräume ermöglicht!“

Jugendgerechte Bildung tut not!

In Hinsicht auf den angekündigten Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter fordern die Mitglieder der BKJ eine jugendgerechte Perspektive beim Ausbau der Angebote: Ganztagsbildung muss mehr sein als Schule und Betreuung. Wichtig sind anregende Bildungsangebote ebenso wie offene Settings, Zeiten und Freiräume. Jetzt ist der Zeitpunkt, im Rahmen der geplanten neuen gesetzlichen Regelung ein entsprechend weites Verständnis von Bildung rechtlich zu verankern und die Strukturen der Kinder- und Jugendarbeit an diesem Prozess zu beteiligen. Dies muss auch eine entsprechende Abbildung in der Gesetzgebung finden.

Kinder und Jugendliche verbringen immer mehr Zeit in pädagogischen Institutionen. Insbesondere die Kinder- und Jugendarbeit ist daher gefordert, einen auf Bildungsprozesse orientierten Ansatz zu entwickeln, der auf Persönlichkeitsentwicklung und soziale wie kulturelle Teilhabe gleichermaßen zielt.

Kulturelle Bildung bietet Orientierungs- und Austauschmöglichkeiten

In einer Zeit, in der sich verstärkt antidemokratische Stimmen zu Wort melden, gilt es erst recht inklusive Bildungspraxis, den transkulturellen und internationalen Austausch sowie demokratische Lernprozesse zu stärken. Kulturelle Bildung bietet Gelegenheiten der Orientierung und des Austauschs über zentrale und geteilte Werte – es sind Orte, an denen Diskursfähigkeit eingeübt werden kann.

Die Mitglieder der BKJ sind überzeugt: Jugendgerechte Bildung braucht das Zusammenspiel aller Bildungsorte mit ihren unterschiedlichen Potenzialen. Denn Kooperationen können unterschiedliche Interessen von Kindern und Jugendlichen berücksichtigen, Bildungskonzepte im Sozialraum verankern, Qualität sichern und nachhaltige Teilhabe ermöglichen.

Die Praxisformen Kultureller Bildung verbinden Künste, Kultur, Medien und Spiel mit den Lebenswelten junger Menschen. Sie bieten Lern- und Erfahrungsräume, in denen sich Kinder und Jugendliche positionieren und individuell gestärkt werden können. Schulische Angebote der Kulturellen Bildung sind deshalb verlässlich durch künstlerischen Fachunterricht zu sichern und zusätzlich in Projekten und Arbeitsgemeinschaften sowie in der Schulkultur zu verankern. Kulturelle Schulentwicklung kann diese Potenziale auf allen Ebenen des Schullebens zur Wirkung bringen.

„Bildung in Deutschland 2018”

Der Nationale Bildungsbericht erscheint alle zwei Jahre. Er wird von einer unabhängigen Gruppe von Wissenschaftler/-innen unter Leitung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) erarbeitet. Beteiligt sind das Deutsche Jugendinstitut (DJI), das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), das Soziologische Forschungsinstitut an der Universität Göttingen (SOFI), das Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LifBi) sowie das Statistische Bundesamt und die Statistischen Ämter der Länder.

Weitere Informationen sind in der Meldung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung nachzulesen.

Quelle: Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V. (BKJ) vom 22.06.2018

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