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Sozialpolitik / Flucht und Migration

Vielfalt bietet Chancen - gerade auch in der beruflichen Bildung

Fünf junge Erwachsene stehen als Gruppe zusammen
Bild: © Michaela Rofeld - Fotolia.com

"Gerade auch in der beruflichen Bildung ist Vielfalt von entscheidender Bedeutung für die Fachkräftesicherung," betont der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), Friedrich Hubert Esser. Analysen des BIBB im Datenreport 2015 liefern Fakten zum betrieblichen Alltag von Auszubildenden mit Migrationshintergrund.

Am 9. Juni hat bundesweit unter dem Motto "Vielfalt unternehmen" der 3. Deutsche Diversity-Tag stattgefunden, ein bundesweiter Aktionstag, an dem Unternehmen und Institutionen den Vielfaltsgedanken in den Mittelpunkt stellen. "Gerade auch in der beruflichen Bildung ist Vielfalt von entscheidender Bedeutung für die Fachkräftesicherung," betont der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), Friedrich Hubert Esser. "Die Nutzung aller Potenziale, die Integration und Förderung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund und die Inklusion Benachteiligter sind unentbehrlich für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und unseren gesellschaftlichen Wohlstand."

Analysen des BIBB im Datenreport 2015 liefern Fakten zum betrieblichen Alltag von Auszubildenden mit Migrationshintergrund. So fühlen sich Auszubildende in der betrieblichen Ausbildung voll und ganz als Teil einer sozialen Gemeinschaft und erhalten in hohem Maße Unterstützung durch ihr betriebliches Umfeld - ohne Unterschiede nach dem Migrationshintergrund.

Ähnlich zufrieden wie Auszubildende ohne Migrationshintergrund

Die große Mehrheit der Auszubildenden (78%) sieht sich - unabhängig von einem Migrationshintergrund - den fachlichen Anforderungen gewachsen. Wenngleich Auszubildende mit Migrationshintergrund seltener im Wunschberuf eine Ausbildung erhalten, sind sie dennoch mit ihrem betrieblichen Alltag insgesamt sowie mit den meisten Aspekten ähnlich zufrieden wie Auszubildende ohne Migrationshintergrund. Arbeitsanforderungen empfinden sie ähnlich häufig als belastend - wie beispielsweise starken Termin- und Arbeitsdruck.

In der Einschätzung der betrieblichen Ausbildungsrealität zeigen sich jedoch auch Unterschiede zwischen beiden Gruppen, so die BIBB-Analyse auf Grundlage der BIBB/BAuA-Jugenderwerbstätigenbefragung. Auszubildende mit Migrationshintergrund sehen sich beispielsweise seltener neuen Aufgaben gegenüber. Häufiger hingegen sind sie bei den Arbeitsaufgaben von Monotonie betroffen und fühlen sich davon auch stärker belastet. Hier plädieren die BIBB-Fachleute dafür, den Jugendlichen regelmäßig lernförderliche, abwechslungsreiche Tätigkeiten zu übertragen, da sich diese, so die BIBB-Forschungsergebnisse, am stärksten auf die Motivation von Auszubildenden auswirken.

Mehr Schwierigkeiten bei der Suche nach Ausbildungsplätzen

Nach wie vor haben junge Menschen mit Migrationshintergrund jedoch mehr Schwierigkeiten, eine Ausbildungsstelle zu finden. Wie eine Analyse anhand der Daten der BA/BIBB-Bewerberbefragung zeigt, befanden sich nur 29% der bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) für das Ausbildungsjahr 2013/2014 gemeldeten Bewerber/-innen bis Jahresende 2014 in einer betrieblichen Ausbildung, im Vergleich zu 44% bei den Bewerbern/-innen ohne Migrationshintergrund. Auch wenn vielen von ihnen in der Folgezeit noch der Einstieg in Ausbildung gelingt, zeigen die Ergebnisse der BIBB-Übergangsstudien, dass sich der Übergang in Ausbildung für junge Menschen mit Migrationshintergrund insgesamt schwieriger gestaltet. "Hier ist noch Vieles zur Verbesserung der Rahmenbedingungen im Sinne der Nutzung und Anerkennung der Potenziale aller jungen Menschen und von Diversität zu tun", so BIBB-Präsident Esser.

"Charta der Vielfalt"

Das BIBB hat bereits 2007 die "Charta der Vielfalt" unterzeichnet, ihre Ziele im eigenen Leitbild verankert und lebt diese Vielfalt auch in der eigenen Institution. So liegt der Anteil der Mitarbeiter/-innen im BIBB mit Migrationshintergrund bei über 13 Prozent; sie haben nach einer internen Umfrage eigene oder familiäre Wurzeln in 17 verschiedenen Nationen oder Kulturen. "Wir machen mit der Vielfalt unserer Auszubildenden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im BIBB beste Erfahrungen", so das Fazit des BIBB-Präsidenten.

Die "Charta der Vielfalt" ist eine Initiative zur Förderung von Vielfalt in Unternehmen und Institutionen unter Schirmherrschaft der Bundeskanzlerin, unterstützt von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration. Träger der Initiative und Initiator des deutschen Diversity-Tages ist der gemeinnützige Verein Charta der Vielfalt e.V.

Weitere Informationen zu den Untersuchungsergebnissen des BIBB im BIBB-Datenreport 2015, insbesondere Kapitel A.3.1.1 und A 4.9 unter www.bibb.de/datenreport, sowie im BIBB REPORT, Heft 5/2014 unter www.bibb.de/veroeffentlichungen/de/publication/show/id/7462

Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) vom 08.06.2015

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