Jugendsozialarbeit / Flucht und Migration

Philologenverband warnt vor Verharmlosung ethnischer Konflikte an deutschen Schulen

Vor einer Verharmlosung der Konflikte zwischen deutschen und türkischen bzw. arabischen Jugendlichen an zahlreichen Brennpunktschulen in Deutschland hat der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, gewarnt. Versuche, diese Konflikte wie z. B. das systematische Mobbing der verbliebenen deutschen Schülerinnen und Schüler an diesen Bildungseinrichtungen als normale Auseinandersetzungen darzustellen, wie sie unter Jugendlichen vorkommen, seien falsch und gefährlich, so der Verbandsvorsitzende. Diese Konflikte haben nicht persönliche, sondern in erster Linie ethnische und soziale Ursachen.

Meidinger betonte: "Wir wissen doch genau, dass es an diesen Schulen nicht damit getan ist, den einen oder anderen Mediator hinzuschicken bzw. den Lehrkräften diese Aufgabe allein aufzulasten. Wir stehen in Deutschland vor dem zunehmenden Problem einer sozialen Segregation von einzelnen Migrationsgruppen, einer Ghettoisierung bestimmter Stadtteile und in der Folge einer Ghettobildung im Schulbereich. Das Problem ist letztlich nicht in den Schulen zu lösen, sondern stellt eine generelle Herausforderung für die gesamte Integrationspolitik dar!"

Er warnte vor einer Entwicklung wie in Frankreich, wo die Terrorisierung von Mitschülern an vielen Schulen in den sogenannten Banlieues inzwischen zur Tagesordnung gehöre.

Gefordert seien alle, der Staat, die Schulen, aber auch die Migrantenverbände. Eine Negierung oder Verharmlosung dieses Problems helfe hier nicht weiter.

Damit die betroffenen Schulen ihre diesbezügliche Integrationsaufgabe erfüllen können, forderte der Verbandschef eine bessere personelle Ausstattung von Brennpunktschulen, mehr sozialpädagogisches Personal, aber insbesondere auch die konsequente Ahndung von Verstößen und die stärkere "Inverantwortungnahme" der Eltern betroffener Schüler. "Auch wenn Vorschriften und organisatorische Maßnahmen dieses Integrationsproblem nicht grundsätzlich lösen können, muss man auch über solche Vorschläge nachdenken, wie z. B. die Quote von Kindern mit Migrationshintergrund in einer Klasse zu begrenzen bzw. im Schul- und Pausenhofbereich eine Pflicht, Deutsch zu sprechen, einzuführen", sagte Meidinger.

Quelle: Deutscher Philologenverband