Hilfen zur Erziehung / Inobhutnahme

Insgesamt rund 13.800 Verfahren zur Einschätzung des Kindeswohls in Baden-Württemberg im Jahr 2018

Füller trägt positiven Trend in Diagramm ein
Bild: © Foto-Ruhrgebiet - Fotolia.com

Nach Feststellung des Statistischen Landesamtes wurden im Jahr 2018 in Baden-Württemberg für 13.781 Kinder und Jugendliche Verfahren zur Gefährdungseinschätzung nach §8aAbs. 1 SGB VIII vorgenommen. Das sind 12 Prozent mehr als im Vorjahr.

Bei Verfahren zur Gefährdungseinschätzung werden dem Jugendamt gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung eines Kindes bekannt. Das Jugendamt verschafft sich daraufhin einen unmittelbaren Eindruck von betroffenen Kindern oder Jugendlichen und deren persönlichen Umgebung.

Mehr Fälle akuter Gefährdung als im Vorjahr

Im Vergleich zum Vorjahr ist vor allem die Anzahl der Fälle akuter Kindeswohlgefährdung gestiegen (+25%). In diesen 2.196 Fällen ist eine erhebliche Schädigung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohls des Kindes oder Jugendlichen bereits eingetreten oder mit ziemlicher Sicherheit zu erwarten. 49% der betroffenen Kinder und Jugendlichen waren Jungen, 51% Mädchen. In 1.248 Fällen wurden als Art der Kindeswohlgefährdung Anzeichen für Vernachlässigung festgestellt. Bei 718 Fällen gab es Anzeichen für körperliche und bei 761 für psychische Misshandlung. Hinweise auf sexuelle Gewalt wurden in 139 Fällen festgestellt, mehr als drei Viertel davon waren Mädchen. Bei der Art der Kindeswohlgefährdung sind Mehrfachnennungen möglich.

Latente und keine Kindeswohlgefährdung

Eine sogenannte latente Kindeswohlgefährdung lag in 2.339 Fällen vor. Dabei konnte die Frage nach der tatsächlich bestehenden Gefahr nicht eindeutig beantwortet werden, es bestand jedoch weiterhin der Verdacht einer Kindeswohlgefährdung bzw. eine solche konnte nicht ausgeschlossen werden.

Keine Kindeswohlgefährdung, wohl aber ein anderweitiger Unterstützungsbedarf ergab sich bei 4.906 Gefährdungseinschätzungen. Bei 4.340 Verfahren wurden keine Gefährdung und kein weiterer Hilfebedarf ermittelt.

Hinweise kommen selten von den Minderjährigen selbst

Hinweise auf mögliche Gefährdungen kommen von verschiedensten Personen und Institutionen. Am häufigsten wurde durch die Polizei, Gerichte oder die Staatsanwaltschaft (24%) über die mögliche Gefährdung informiert. Bei 12% der Fälle kamen die Hinweise von Nachbarn oder Bekannten des betroffenen Kindes oder Jugendlichen, bei 9% von Schulen und in jeweils 8% der Fälle von Sozialen Diensten, den Personensorgeberechtigten oder anonymen Meldern. Lediglich in 2% der Fälle kamen die Hinweise von den Minderjährigen selbst.

Rund 22% der Verfahren zur Gefährdungseinschätzung betrafen Kinder unter 3 Jahren. 19% waren im klassischen Kindergartenalter von 3 bis unter 6 Jahren. Bei weiteren 23% waren Kinder im Alter von 6 bis unter 10 Jahren betroffen. Jedes fünfte betroffene Kind war zwischen 10 und unter 14 Jahren (20%) und 15% waren Jugendliche zwischen 14 und unter 18 Jahren.

Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg vom 13.08.2019

Info-Pool