Freiwilliges Engagement / Kinder- und Jugendarbeit

Freiwillige verlegen ihr deutsch-polnisches Musikprojekt ins Netz

Fünf Jugendliche in ihrer Freizeit mit einem Kassettenrecorder, über das Foto ist die Illustration einer Tonamplitude gelegt
Bild: rawpixel.com

Ilse Kuschel, Marcin Wierzbowski und Łukasz Warzitz leisten ihren Freiwilligendienst beim Deutsch-Polnischen Jugendwerk ab. Im Frühsommer sollte ihr erstes gemeinsames deutsch-polnisches Projekt „Beats_per_Minute“ starten, doch die Corona-Pandemie zwang sie zum Umdenken. Hier schildern sie, wie sie die Chance genutzt haben.

Elektronische Musik beim Deutsch-Polnischen Jugendwerk? Das konnte sich zuerst niemand so richtig vorstellen. Aber genau das wollten wir ändern. Als die drei DPJW-Freiwilligen dieses Jahrgangs wollten wir mit unserem Projekt junge Produzent(inn)en und Vokalist(inn)en zusammenbringen und gemeinsam Spaß bei und mit der Musik haben. Im Bereich elektronische Musik gab es bisher kaum deutsch-polnische Projekte, aber wir waren der Meinung, dass es gerade hier eine Menge Potenzial für grenzüberschreitende Zusammenarbeit gibt. Nachdem wir unsere Vorgesetzten im DPJW überzeugt hatten und einige Leute uns Mut gemacht und ihre Unterstützung angeboten hatten, begannen wir, unser eigenes deutsch-polnisches Projekt zu planen. Wir haben überlegt, wie wir es aufziehen sollen und haben uns nach Partnern und Sponsoren umgesehen. Wir haben das Programm geplant, Unterkünfte und Seminarräume gesucht, Referenten engagiert. Es lief alles wie geplant.

Das Leben stand still

Und dann kam die Corona-Pandemie. Das Leben stand still – in Polen noch mehr als in Deutschland. Corona zwang uns, das Konzept zu überdenken. Es gab zwei Optionen: entweder wir geben auf und hoffen, dass jemand in der Zukunft so ein Projekt organisieren wird, oder wir passen uns der Situation an und organisieren das Projekt online. Zu dritt waren wir uns einig – es muss stattfinden!

Bei der Entscheidung, das Projekt trotz der Einschränkungen durch die Pandemie durchzuführen, haben uns unsere Partner sofort unterstützt. Gemeinsam haben wir schnell ein neues Konzept entwickelt und unser Vorhaben praktisch komplett digitalisiert. Ursprünglich sollten unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Warschau reisen, sich dort kennenlernen und an Workshops teilnehmen, die unsere Partner vor Ort organisiert hätten.

Kennenlernspiele per Videokonferenz

Die Akademia Dźwięku (zu dt. Klangakademie) in Warschau sollte den Produzenten unter unseren Teilnehmerinnen und Teilnehmern neue Anreize sowie Tipps und Tricks in Sachen Produktion elektronischer Musik geben und war sofort bereit, die Workshops online zu machen. Auch die Singersongwriterin und Universitätsdozentin für Gesang, Natascha Roth, die in Warschau der anderen Hälfte unserer Teilnehmer, den Sängerinnen und Sängern, einen aufregenden Workshop ganz nach ihren Bedürfnissen anbieten wollte, erklärte sich einverstanden, ihr Wissen in einer Online-Konferenz an die Teilnehmenden weiterzugeben. Den Teil des Projekts, während dessen die Teilnehmenden einander kennenlernen sollten, mussten wir ebenfalls entsprechend anders gestalten und Methoden und Kennenlernspiele raussuchen, die auch per Videokonferenz funktionieren.

Wir mussten keinen überzeugen

Natürlich war diese Umgestaltung mit einigen Sorgen verbunden, doch im Laufe des Projekts stellte sich schnell heraus, dass es die richtige Entscheidung gewesen ist, das Projekt trotz der Pandemie durchzuführen. Wir mussten von diesem neuen Format des Projekts tatsächlich keinen der Teilnehmenden überzeugen. Alle haben sich sofort darauf eingelassen, als wäre es das Normalste auf der Welt, dass ein solches Projekt in dieser Form stattfindet. Wir haben mit „Beats_Per_Minute“ genau das erreicht, was wir erreichen wollten. Wir haben junge Menschen aus Deutschland und Polen zusammengebracht und ihnen gezeigt, dass sie weitaus mehr gemeinsam haben, als nur ihre Leidenschaft für Musik. Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern war deutlich anzumerken, dass sie es kaum erwarten konnten ihre/-n Partner/-in für die nächsten vier Wochen kennenzulernen, um gemeinsam mit ihr oder ihm an einem Musikstück zu arbeiten und so eine einzigartige Erfahrung machen zu können.

Live wäre noch schöner gewesen

Dass sich im Rahmen eines Online-Workshops eine so gute Gruppendynamik entwickelt, hätten wir nicht gedacht. Wir waren sehr überrascht, dass die Stimmung so gut war und man hat am Ende der Workshops schon gemerkt, dass sich die Teilnehmenden tatsächlich näher gekommen sind. Auch wenn uns einige von ihnen am Schluss gesagt haben, dass sie es noch schöner gefunden hätten, wenn der Workshop live gewesen wäre. Das Gefühl hatten wir selbst auch. Es fehlte einfach das lockere Zusammensitzen am Abend, bei dem man sich noch persönlicher kennenlernt. Im Moment warten wir sehr gespannt auf die Tracks, die im Rahmen des Projekts entstehen werden. Wir haben das große Glück, dass die Musik ja bleibt und wir uns somit noch sehr lange an das Projekt und beim Anhören der einzelnen Tracks an die Sänger/-innen und Produzent/-innen zurückerinnern können.

Das Deutsch-Polnische Jugendwerk (DPJW) ermöglicht die Begegnung und Zusammenarbeit junger Deutscher und Polen. Es finanziert und initiiert deutsch-polnische Jugendbegegnungen und unterstützt sie inhaltlich und hilft so seit fast 30 Jahren friedliche nachbarschaftliche Beziehungen aufzubauen. Seit Bestehen des Jugendwerks wurden mehr als 80.000 Projekte realisiert, an denen drei Millionen junge Menschen teilgenommen haben. In jedem Jahr absolvieren drei junge Menschen aus Deutschland und Polen ihren Freiwilligendienst in den DPJW-Büros in Warschau und Potsdam. Während dieser Zeit haben sie Gelegenheit, ein eigenes deutsch-polnisches Projekt zu planen und umzusetzen.

Der Beitrag von Ilse Kuschel, Marcin Wierzbowski und Lukasz Warzitz wurde vom Pressenetzwerk für Jugendthemen in der Reihe „Jugend im Shutdown“ veröffentlicht.

Quelle: Pressenetzwerk für Jugendthemen e.V.

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