EU-Jugendstrategie / Kinder- und Jugendpolitik

„JuPiD 2018“: Jugendliche im Dialog über Europa

Ein junges Mädchen schreibt das Wort Europa mit bunten Buchstaben auf ein Plakat
Bild: © Yana Wernicke

Umwelt, Vielfalt, Mobilität: Viele wichtige EU-Themen betreffen junge Menschen ganz besonders. Doch wie können ihre Ideen in Europa umgesetzt werden? Das haben Jugendliche und Politiker/-innen bei der Veranstaltung „JuPiD 2018 – Jugend und Politik im Dialog“ in Berlin diskutiert.

Eine so bunte Veranstaltung wie den Auftaktabend der „JuPiD 2018 – Jugend und Politik im Dialog“ hat die Berliner Stadtmission schon lange nicht mehr gesehen. Knapp 60 Jugendliche haben sich in sechs Kreativlaboren über den gesamten Festsaal verteilt. Ihre Aufgabe ist es, die Frage „Europa – eine Lovestory?“ künstlerisch zu interpretieren. Während einige mit Glitzerfarbe Liebesbotschaften auf Plakate malen, bauen andere mit Legosteinen ihre Vision für Europa nach. Auf der Bühne spielt eine kleine Gruppe das derzeitige Dilemma der EU nach. Ein Jugendlicher wirft mit roten Sitzsäcken um sich: „Wie soll das überhaupt weitergehen? England – weg! Ungarn – weg!“ Seine Mitspieler/-innen versuchen ihn mit Blumensträußen von der Einheit zu überzeugen. Doch er gibt sich unbeirrt: „Deutschland – weg!“ Der Poetry-Slammer Bas Böttcher, der zum Abschluss des ersten Abends gemeinsam mit zwei anderen Künstler/-innen seinen Auftritt hat, geht das Ganze etwas philosophischer an: „Wie kommt es, dass Grenzen, die uns trennen, uns vereinen?“

Jugendliche diskutieren wie sich Europa weiterentwickeln soll

Dass die EU vor vielen Baustellen steht, ist allen jungen Teilnehmenden bei „JuPiD 2018“ bewusst. Umso motivierter gehen sie in die Diskussion darüber, wie sich Europa aus ihrer Sicht entwickeln soll und was die Jugendpolitik dazu beitragen kann. Einige von ihnen machen gerade einen Bundesfreiwilligendienst, andere ein Freiwilliges Soziales Jahr. Wieder andere engagieren sich ehrenamtlich in Initiativen und Vereinen, darunter East West East Germany e.V., „Europa ist hier!“, das Kinder- und Jugendparlament Charlottenburg-Wilmersdorf und die Jugendfeuerwehr. Gemeinsam machen sie sich daran, Positionspapiere der EU-Jugendpolitik auf ihre Tauglichkeit zu prüfen und neue Vorschläge zu entwickeln.

Umwelt und Nachhaltigkeit, Mobilität in Europa, Vielfalt leben und Leistungsdruck

Inhaltlich gibt es vier Schwerpunkte: Umwelt und Nachhaltigkeit, Mobilität in Europa, Vielfalt leben und Leistungsdruck in der Schule. Besonders im Umwelt-Workshop wird heftig diskutiert: Warum gehen Politiker/-innen immer davon aus, dass Umweltschutz kein Jugendthema sei? Tjark van Ophuysen kann das gar nicht verstehen: „Uns betrifft das Thema doch am meisten, weil wir noch am längsten leben!“ Tjark absolviert momentan einen Bundesfreiwilligendienst und würde später gern Nachhaltige Entwicklung studieren. Für ihn ist Umweltschutz eng mit naturwissenschaftlichem Wissen verbunden: „In der Schule sollten Talente in diesem Bereich stärker gefördert werden, das Interesse an den Naturwissenschaften muss steigen.“ Mit drei anderen Teilnehmenden diskutiert Tjark, wie Wissen aus der Forschung verbreitet werden kann. Könnte man nicht eine Datenbank oder ein Netzwerk einrichten?

Jugendbeteiligungsprozess „du »Europa« wir“

Vorschläge wie diese werden bei „JuPiD 2018“ akribisch gesammelt und auf bunten Plakaten festgehalten. Die Veranstaltung ist Teil des Jugendbeteiligungsprozesses „du »Europa« wir“, der im Sommer 2017 begonnen hat. Letzte Station war die EU-Jugendkonferenz im April 2018 in Sofia, bei der elf EU-Jugendziele entwickelt wurden, die an diesem Wochenende als Arbeitsgrundlage dienen. Einige von ihnen sind in Deutschland bereits umgesetzt worden, bei anderen besteht noch Handlungsbedarf.

Welche Themen von Politik und Verwaltung schon aufgegriffen wurden, diskutieren die Jugendlichen anschließend mit sieben Dialogpartner/-innen, die ganz nah am Thema sind. Mit dabei sind Gökay Akbulut (Mitglied des Bundestages | DIE LINKE), Dr. Andreas Lenz (Mitglied des Bundestages | CDU/CSU) und Caren Marks (Mitglied des Bundestages | SPD und Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) sowie die vier Mitglieder der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Umsetzung der EU-Jugendstrategie Moritz Haupt (Schleswig-Holstein), Sandra Hildebrandt (Berlin), Matthias Hoffmann (Brandenburg) und Ute Karger (Thüringen).

Leistungsdruck in Schule, Ausbildung und Studium wird immer stärker

Neben den großen Themen wie Umweltschutz und gelebte Vielfalt beschäftigt viele Jugendliche ein ganz persönliches Problem: Der Leistungsdruck in Schule, Ausbildung und Studium wird immer stärker. Psychische Probleme kennen die meisten, zumindest aus den Erzählungen gleichaltriger Freundinnen und Freunde. „Durch die Digitalisierung und Globalisierung stehen viele Jugendliche unter Druck“, meint Tanja He, die im Bund für Umwelt und Naturschutz e.V. aktiv ist, sich bei „JuPiD 2018“ aber mit einem anderen Thema beschäftigen wollte. „Über Toleranz und Umwelt wird schon genug geredet“, findet Tanja. „Aber psychische Gesundheit ist weiterhin ein Tabuthema.“ Studien und Strategien in dem Bereich gebe es doch eigentlich schon viele. „Das muss endlich mal umgesetzt werden!“

Umsetzung der EU-Jugendziele

Genau deshalb sind viele der Jugendlichen bei „JuPiD 2018“ in Berlin dabei. Nachdem sie ihre Forderungen mit den Dialogpartner/-innen diskutiert haben, übergeben sie ihre endgültigen Vorschläge an Theresa Streib, Marius Schlageter und Martin Drossos, die als Vertreter/-innen Deutschlands zur nächsten EU-Jugendkonferenz nach Wien reisen. Dort geht das Nachdenken über die Umsetzung der EU-Jugendziele weiter.

Am Ende der drei Tage in Berlin sind die meisten Teilnehmenden nicht nur wegen der Sommerhitze matt und glücklich. Schnell werden noch ein paar Handynummern ausgetauscht, bevor es zurück in die Heimat geht. Dort wollen sich die Jugendlichen weiter für Europa engagieren. Damit es der EU nicht irgendwann so geht wie den roten Sitzsäcken im Festsaal der Berliner Stadtmission.

Quelle: Werkstatt MitWirkung, Text: Lilian Pithan

Info-Pool

EU-Jugendstrategie: Umsetzung in Deutschland

  • Grundlagen zur EU-Jugendstrategie

    Die Staaten der Europäischen Union haben sich auf das jugendpolitische Ziel verständigt, bis 2018 die Lebenslagen junger Menschen zu verbessern. Dafür sollen mehr Möglichkeiten und mehr Chancengleichheit für alle jungen Menschen in Bildung und Arbeit geschaffen werden. Auch das freiwillige Engagement junger Menschen und ihre soziale Eingliederung junger Menschen soll gestärkt werden.

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  • Die Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland
    Wehende Deutschlandfahne vor blauem Himmel
    mwillms - flickr.com

    Der Bund und die Länder setzen die EU-Jugendstrategie in Deutschland gemeinsam um. Sowohl der Bund als auch die Länder haben ihre Positionen zur Ausrichtung der jugendpolitischen Zusammenarbeit der EU im Vorfeld eingebracht. Impulse aus der EU-Jugendstrategie sollen als Motor für die Weiterentwicklung und Qualifizierung von Praxis und Politik der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland nutzbar gemacht werden.

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  • Arbeitsprogramm von Bund und Ländern
    Team
    © Woodapple - Fotolia.com

    Es gibt vielfältige Aktivitäten zur Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland. Bund und Länder setzen eine Reihe von Maßnahmen individuell um, haben sich aber auch eine gemeinsame Agenda gesetzt. Das Arbeitsprogramm der Bund-Länder Arbeitsgruppe zur Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland für den Zeitraum 2014 – 2018 beschreibt konkrete fachliche Vorhaben. Im Fokus steht dabei, Entscheidungsträger und Fachkräfte der Kinder und Jugendhilfe, insbesondere auf der kommunalen Ebene, zu erreichen.

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  • Mehr Europa in die Kinder- und Jugendhilfe
    fünf Hände formen einen Stern
    © tbel - Fotolia.com

    Eine der vorrangigen Zielsetzungen der Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland ist es, mehr Europa in die Kinder- und Jugendhilfe zu bringen. Mehr Europa bedeutet, die alltägliche Arbeit in den Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe europäisch zu denken, zu verstehen und auszugestalten. In der Praxis gibt es bereits vielfältige europäische und internationale Projekte sowie transnationale Arbeitsansätze. Die Erfahrungen zeigen, dass dies eine Bereicherung für die  Jugendhilfe darstellt. Der fachliche Mehrwert einer stärkeren europäischen Ausrichtung soll daher kommuniziert und beispielhaft vermittelt werden.

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  • Strukturierter Dialog
    Logo des Stukturierten Dialogs in hellgrün
    © DBJR

    Der Strukturierte Dialog zwischen Jugend und Politik ist das „Jugendbeteiligungsinstrument“ der EU-Jugendstrategie. Er trägt dazu bei, dass die Vorstellungen und Anliegen junger Menschen in der Umsetzung der EU-Jugendstrategie und bei europäischer Politikgestaltung in Brüssel berücksichtigt werden.

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  • Jugendpolitische Zusammenarbeit der EU ab 2019
    Europaflagge vor blauen Himmel
    © moonrun - fotolia.com

    Die Weiterentwicklung der jugendpolitischen Zusammenarbeit steht derzeit auf der jugendpolitischen Agenda der EU und Deutschlands, denn die EU-Jugendstrategie endet mit Ablauf des Jahres 2018. Für die Vorbereitung einer neuen Strategie hatte die EU-Kommission 2017 zum Jahr des „Zuhörens“ erklärt, um breit zu konsultieren. 2018 wird das Jahr der Abstimmung eines neuen Rahmens der jugendpolitischen Zusammenarbeit für die Zeit ab 2019 sein.

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Videos zur EU-Jugendstrategie

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