EU-Jugendstrategie / Kinder- und Jugendpolitik

Strukturierter Dialog: Youth Goals – elf europäische Jugendziele

Zwei Jugendliche stehen in einer bergigen Landschaft mit hochgestreckten Armen und eine davon macht ein Victory-Zeichen
Bild: rawpixel.com

Auf der EU-Jugendkonferenz in Sofia kamen im April 2018 Vertreter/-innen der Jugend und der Ministerien aus den 28 Mitgliedsländern der EU zusammen. Im Gepäck hatten die Jugendvertreter/-innen die Meinungen, Vorschläge und Forderungen junger Menschen zum Thema „Jugend und Europa“. Diese waren in den Monaten zuvor in Beteiligungs- und Diskussionsrunden in allen Ländern erarbeitet worden. Daraus entstanden bei der EU-Jugendkonferenz nun elf europäische Jugendziele.

Sie fassen zusammen, welche Themen junge Menschen aus der ganzen Europäischen Union bewegen und was von Jugendpolitik bzw. von Politik für junge Menschen erwarten. Mit dabei sind nicht nur klassische Jugendthemen wie zum Beispiel Bildung, Jugendorganisationen und EU-Jugendprogramme oder die Stärkung von Jugendbeteiligung. Auch Nachhaltigkeit, psychische Gesundheit und Wohlbefinden und Gleichberechtigung der Geschlechter spielen aus Sicht junger Menschen in der EU eine wichtige Rolle.

Die elf Ziele im Überblick

  1. Die EU mit der Jugend zusammenbringen: Das Gefühl fördern, dass die Jugend Teil des europäischen Projekts ist, sowie Brücken zwischen der EU und jungen Menschen schlagen, um Vertrauen zurückzugewinnen und die Beteiligung zu erhöhen.
  2. Gleichberechtigung aller Geschlechter: Gleichberechtigung aller Geschlechter und in allen Lebensbereichen junger Menschen einen geschlechtersensiblen Umgang sicherstellen
  3. Inklusive Gesellschaften: Gesellschaftliche Inklusion für alle jungen Menschen ermöglichen und sicherstellen
  4. Information und zielführender Dialog: Besseren Zugang zu verlässlicher Information sicherstellen und die Fähigkeit junger Menschen stärken, Informationen kritisch zu bewerten und sich an einem partizipativen und konstruktiven Dialog zu beteiligen.
  5. Psychische Gesundheit und Wohlbefinden: Verbesserung des psychischen Wohlbefindens erreichen, die Stigmatisierung psychischer Krankheiten beenden und damit die gesellschaftliche Inklusion aller jungen Menschen fördern.
  6. Jugend im ländlichen Raum voranbringen: Bedingungen schaffen, unter denen junge Menschen in ländlichen Gebieten ihr Potenzial entfalten können.
  7. Gute Arbeit für alle: Zugang zum Arbeitsmarkt sicherstellen und Chancen für gute Arbeit für alle jungen Menschen schaffen.
  8. Gutes Lernen: Verschiedene Formen des Lernens zusammenführen und verbessern, um junge Menschen für die Herausforderungen des ständigen Wandels im Leben im 21. Jahrhundert fit zu machen.
  9. Räume und Beteiligung für alle: Die demokratische Beteiligung und Autonomie junger Menschen stärken und eigene Jugendbereiche in allen Teilen der Gesellschaft schaffen.
  10. Ein nachhaltiges, grünes Europa: Eine Gesellschaft schaffen, in der alle jungen Menschen sich für die Umwelt engagieren sowie umweltbewusst und fähig sind, Veränderungen in ihrem alltäglichen Leben zu bewirken.
  11. Jugendorganisationen und Jugendprogramme: Gleichberechtigten Zugang für alle jungen Menschen zu Jugendorganisationen und europäischen Jugendprogrammen sicherstellen –für eine Gesellschaft, die sich auf europäische Werte und eine europäische Identität gründet.

Jedes der Ziele ist mit fünf bis sieben Unterzielen unterfüttert, die die verschiedenen Aspekte, die jungen Menschen bei dem jeweiligen Thema wichtig sind, verdeutlichen.

Die Youth Goals als pdf-Dokument stehen auf Deutsch und Englisch zur Verfügung. Außerdem gibt es einen  Videoclip zu den Youth Goals (mit deutschen Untertiteln).

Beteiligung ernst nehmen

Junge Menschen haben zu wenige Möglichkeiten Entscheidungen mitzugestalten. Mit dieser Feststellung wird eines der elf Ziele eingeleitet. Junge Menschen wollen und können aber mitentscheiden. Und sie wollen gehört werden. Um das europaweit zu ermöglichen, wurde unter anderem der Strukturierte Dialog ins Leben gerufen. Die EU-Jugendkonferenzen sind dabei ein wichtiger Ort des Dialogs und Austauschs auf der EU-Ebene. Auch diesmal haben engagierte junge Menschen gemeinsam intensiv daran gearbeitet, mehr Aufmerksamkeit für ihre Themen zu erhalten.

Umso bedauerlicher ist es, dass die Gelegenheit, jungen Menschen Gehör zu verschaffen, auf der EU-Jugendkonferenz verpasst wurde. Junge Menschen durften im Publikum sitzen, während Politiker/-innen und andere Akteure redeten. Auf dem Podium waren sie an keiner Stelle vertreten. Ein deutlicher Rückschritt im Vergleich zu den vorangegangen Konferenzen. Das zeigt einmal mehr, dass wir noch einen Weg zu gehen haben, bis Beteiligung auf Augenhöhe selbstverständlich ist.

Das Interview mit Theresa Streib (deutsche Jugendvertreterin bei der EU-Jugendkonferenz in Sofia) steht auf den Webseiten der Werkstatt MitWirkung zur Verfügung.

Die nächsten Schritte

Am 22. Mai 2018 werden sich die Jugendminister/-innen aus den EU-Mitgliedstaaten im Ministerrat in Brüssel unter anderem über ihre Prioritäten für die neue EU-Jugendstrategie austauschen. Eine Frage lautet dabei, welche Möglichkeiten sie sehen, die Youth Goals in die Strategie einzubeziehen. Dieser Teil der Ministerratssitzung wird öffentlich sein und im Internet übertragen.

Parallel haben die Aktiven in den Mitgliedstaaten nun die Aufgabe, sich mit den Youth Goals auseinanderzusetzen und sie mit Umsetzungsideen und Praxisbeispielen zu unterfüttern. Denn die Ziele selbst sind erstmal recht unkonkret.

In Deutschland hat die Werkstatt MitWirkung des Deutsche Bundesjugendrings junge Menschen, die sich seit Sommer 2017 am Prozess beteiligt haben, zur Veranstaltung „JuPiD 2018“ – Jugend und Politik im Dialog“ eingeladen. Dort soll eine Zwischenbilanz gezogen werden: Wie steht es um die Themen und Vorschläge, die junge Menschen aus Deutschland in den Beteiligungsprozess eingebracht haben? Darüber hinaus sollen Umsetzungsideen erarbeitet werden, die die drei Jugendvertreter/-innen nach Wien mitnehmen können. Dort findet Anfang September die nächste EU-Jugendkonferenz statt. Teil des Programms ist unter anderem ein Dialog mit den Jugendminister/-innen der EU-Mitgliedstaaten.

Hintergrund

Die EU-Jugendkonferenz in Sofia war des europaweiten Prozesses, der in Deutschland unter dem Titel „du »EUROPA» wir“ läuft. Der Prozess ist im Sommer 2017 gestartet und hat das Ziel, junge Menschen an der Entwicklung der neuen EU-Jugendstrategie zu beteiligen.  Da gleichzeitig das Engagement junger Menschen für Europa auch bei den Themen der Jugendstrategie „Handeln für eine jugendgerechte Gesellschaft“ des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend eine wichtige Rolle fließen die Ergebnisse von „du »EUROPA» wir“ auch in diesen politischen Prozess einfließen.

Weitere Infos zum Beteiligungsprozess stehen auf den Webseiten der Werkstatt Mitwirkung zur Verfügung. Informationen zur Jugendstrategie „Handeln für eine jugendgerechte Gesellschaft“ finden sich unter www.jugendgerecht.de.

Quelle: Werkstatt MitWirkung

INT 2.0 – Namensnennung CC BY 2.0

Info-Pool

EU-Jugendstrategie: Umsetzung in Deutschland

  • Grundlagen zur EU-Jugendstrategie

    Die Staaten der Europäischen Union haben sich auf das jugendpolitische Ziel verständigt, bis 2018 die Lebenslagen junger Menschen zu verbessern. Dafür sollen mehr Möglichkeiten und mehr Chancengleichheit für alle jungen Menschen in Bildung und Arbeit geschaffen werden. Auch das freiwillige Engagement junger Menschen und ihre soziale Eingliederung junger Menschen soll gestärkt werden.

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  • Die Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland
    Wehende Deutschlandfahne vor blauem Himmel
    mwillms - flickr.com

    Der Bund und die Länder setzen die EU-Jugendstrategie in Deutschland gemeinsam um. Sowohl der Bund als auch die Länder haben ihre Positionen zur Ausrichtung der jugendpolitischen Zusammenarbeit der EU im Vorfeld eingebracht. Impulse aus der EU-Jugendstrategie sollen als Motor für die Weiterentwicklung und Qualifizierung von Praxis und Politik der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland nutzbar gemacht werden.

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  • Arbeitsprogramm von Bund und Ländern
    Team
    © Woodapple - Fotolia.com

    Es gibt vielfältige Aktivitäten zur Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland. Bund und Länder setzen eine Reihe von Maßnahmen individuell um, haben sich aber auch eine gemeinsame Agenda gesetzt. Das Arbeitsprogramm der Bund-Länder Arbeitsgruppe zur Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland für den Zeitraum 2014 – 2018 beschreibt konkrete fachliche Vorhaben. Im Fokus steht dabei, Entscheidungsträger und Fachkräfte der Kinder und Jugendhilfe, insbesondere auf der kommunalen Ebene, zu erreichen.

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  • Mehr Europa in die Kinder- und Jugendhilfe
    fünf Hände formen einen Stern
    © tbel - Fotolia.com

    Eine der vorrangigen Zielsetzungen der Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland ist es, mehr Europa in die Kinder- und Jugendhilfe zu bringen. Mehr Europa bedeutet, die alltägliche Arbeit in den Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe europäisch zu denken, zu verstehen und auszugestalten. In der Praxis gibt es bereits vielfältige europäische und internationale Projekte sowie transnationale Arbeitsansätze. Die Erfahrungen zeigen, dass dies eine Bereicherung für die  Jugendhilfe darstellt. Der fachliche Mehrwert einer stärkeren europäischen Ausrichtung soll daher kommuniziert und beispielhaft vermittelt werden.

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  • Strukturierter Dialog
    Strukturierter Dialog - mitdenken, mitreden, mitbestimmen. Jugend bewegt Politik
    DBJR

    Der Strukturierte Dialog zwischen Jugend und Politik ist das „Jugendbeteiligungsinstrument“ der EU-Jugendstrategie. Er trägt dazu bei, dass die Vorstellungen und Anliegen junger Menschen in der Umsetzung der EU-Jugendstrategie und bei europäischer Politikgestaltung in Brüssel berücksichtigt werden.

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  • Jugendpolitische Zusammenarbeit der EU ab 2019
    Europaflagge vor blauen Himmel
    © moonrun - fotolia.com

    Die Weiterentwicklung der jugendpolitischen Zusammenarbeit steht derzeit auf der jugendpolitischen Agenda der EU und Deutschlands, denn die EU-Jugendstrategie endet mit Ablauf des Jahres 2018. Für die Vorbereitung einer neuen Strategie hatte die EU-Kommission 2017 zum Jahr des „Zuhörens“ erklärt, um breit zu konsultieren. 2018 wird das Jahr der Abstimmung eines neuen Rahmens der jugendpolitischen Zusammenarbeit für die Zeit ab 2019 sein.

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Videos zur EU-Jugendstrategie

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