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Sozialpolitik / Bildungspolitik

GEW: „Junge Menschen brauchen eine Ausbildungsgarantie!“

Eine Gruppe von Schülerinnen und Schüler sitzen auf einer Treppe und lächeln
Bild: © yanlev - fotolia.com

Für eine Ausbildungsgarantie für alle jungen Menschen macht sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mit Blick auf die veröffentlichen Ausbildungsmarktzahlen der Bundesagentur für Arbeit stark. Die GEW kritisiert, dass die Arbeitgeber, obwohl sie stets vor einem Fachkräftemangel warnen, die vergleichsweise gute konjunkturelle Lage nicht nutzen, um ein deutliches Plus an Ausbildungsplätzen zu schaffen.

Bildungsgewerkschaft zur Veröffentlichung der Ausbildungszahlen

„Mehr als 2,1 Millionen junge Erwachsene zwischen 20 und 34 Jahren haben keinen Berufsabschluss. Die Zahl der sogenannten nicht formal Qualifizierten ist um 180.000 Menschen gestiegen – und dies bei permanenten Klagen der Unternehmen über einen Fachkräftemangel. Das ist ein gesellschaftspolitischer Skandal ersten Ranges, den wir uns aus sozialen Gründen, aber auch ökonomisch nicht erlauben können“, sagte Ansgar Klinger, im GEW-Vorstand für Berufsbildung verantwortlich, anlässlich der aktuellen Ausbildungsmarktzahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Diese hat für das Jahr 2017/2018 einen Anstieg der abgeschlossenen Ausbildungsverträge gegenüber dem Vorjahr um 1,8 Prozent auf 489.000 gemeldet – bei um 2,2 Prozent rückläufigen Bewerberzahlen. Auch die Zahl der Schulabgänger ist gesunken. „Die BA-Daten beleuchten das sogenannte Duale System. Es ist jedoch wichtig, dass die schulischen Berufsausbildungen insbesondere in den Erziehungs-, Gesundheits- und Sozialberufen mehr beachtet werden“, betonte Klinger. „Knapp 180.000 junge Menschen haben sich für eine solche Ausbildung in diesen zukunftsträchtigen Berufen entschieden. Sie sind ein wichtiger Teil des Ausbildungsmarktes und der Berufsentwicklung in Deutschland - auch wenn die Ausbildung nicht sozialversicherungspflichtig ist.“

„Junge Menschen brauchen die bestmögliche Bildung und Ausbildung, unsere Gesellschaft ist auf hochqualifizierte Fachkräfte angewiesen“, unterstrich der GEW-Experte. Obwohl die Arbeitgeber stets vor einem Fachkräftemangel warnen, nutzten sie die vergleichsweise gute konjunkturelle Lage nicht, um ein deutliches Plus an Ausbildungsplätzen zu schaffen. „Deshalb haben 2017 gut 290.000 junge Menschen keine Ausbildung bekommen und sind auf Bildungsgänge im sogenannten Übergangssystem angewiesen“, hob Klinger hervor. Hinzu komme, dass die in den vergangenen Jahren nach Deutschland geflüchteten Menschen besser qualifiziert werden müssen. „Gesellschaftliche Teilhabe über Bildung, berufliche Qualifizierung und einen Arbeitsplatz sind die Grundlagen für eine gelingende Integration“, sagte das GEW-Vorstandsmitglied.

GEW fordert Ausbildungsgarantie und Qualität der Ausbildung zu verbessern

Daher setze sich die Bildungsgewerkschaft für eine Ausbildungsgarantie ein, die ohne revolutionäre Veränderungen möglich ist, wie der Nachbar Österreich bei vergleichbaren Bildungsbedingungen beweist. „Wir brauchen zudem eine Ausbildungsplatzumlage, die ausbildungswilligen Unternehmen ermöglicht, zusätzliche Lehrstellen zu schaffen“, betonte Klinger. Er machte deutlich, dass nur noch gut ein Fünftel aller Betriebe ausbilde und der Anteil der Ausbildungsverhältnisse an der insgesamt gestiegenen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung bedenklich sinke. „Das zeigt: Wer allein auf die Kräfte des Marktes setzt, wird seiner Verantwortung gegenüber der nachwachsenden Generation nicht gerecht“, unterstrich Klinger. Die „Allianz für Aus- und Weiterbildung“ müsse bei diesen Fragen deutliche Fortschritte erzielen. Ferner gelte es, die Qualität der Ausbildung zu verbessern. „Hohe Abbrecherquoten in einzelnen Branchen deuten darauf hin, dass bei der Ausbildung in den Betrieben Einiges im Argen liegt“, sagte der Berufsbildungsexperte.

Weitere Informationen zur Ausbildungsmarktbilanz 2017/2018 der Bundesagentur für Arbeit finden sich auch auf dem Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe. 

Quelle: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) vom 30.10.2018

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