Familienpolitik / Kinder- und Jugendpolitik

Deutsches Kinderhilfswerk: Mehr Familienförderung für Alleinerziehende

Mutter trägt ihr Kind huckepack
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Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert Bundesregierung und Bundestag auf, Alleinerziehende und ihre Kinder stärker in den Fokus der Familienförderung zu rücken. Die gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft steht allen Kindern und Jugendlichen gleichermaßen zu, unabhängig davon, ob sie in einer armen oder reichen Familie aufwachsen.

"Alleinerziehen ist längst eine gesellschaftliche Realität. Rund 2,3 Millionen Kinder wachsen in Deutschland heute in alleinerziehenden Familien auf. Der Armutsbericht 2016, den der Paritätische Gesamtverband gemeinsam mit dem Deutschen Kinderhilfswerk und anderen Organisationen herausgegeben hat, zeigt auf, dass Alleinerziehende besonders stark von Armut betroffen sind – mit steigender Tendenz. Die Leidtragenden sind vor allem die Kinder. Das muss sich dringend ändern", betont Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes, in einer schriftlichen Stellungnahme zur heutigen Anhörung des Bundestagsausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zum Thema "Verbesserung der Situation Alleinerziehender".

Leidtragende sind die Kinder

Der überwiegende Anteil der Alleinerziehenden sind Frauen. Hauptursache für ihre hohe Armutsrisikoquote sind insbesondere instabile und befristete Arbeitsverhältnisse und die oft mit frauentypischen Branchen einhergehenden geringen Stundenlöhne. Dazu kommen die steigenden Kosten nach einer Trennung oder Scheidung, mangelhafte Kinderbetreuungsmöglichkeiten sowie die unzureichende Ausgestaltung monetärer familienpolitischer Leistungen. Die Hälfte aller im Hartz IV-Bezug lebenden Kinder wächst bei Alleinerziehenden auf. Diese Kinder sind häufig Versorgungsdefiziten ausgesetzt, die sich auf ihre Gesundheit, ihre kognitiven Fähigkeiten und Chancen im Bildungssystem sowie auf ihr späteres Berufsleben auswirken können. 

Recht auf soziokulturelles Existenzminimum

"Um Kindern eine gerechtere Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen, muss das Recht auf ihr soziokulturelles Existenzminimum gesichert sein. So gibt es auch die UN-Kinderrechtskonvention in den Artikeln 26 und 27 vor. Durch die derzeitigen Hartz IV-Regelsätze und die Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket wird die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe von Kindern und Jugendlichen aus armen Familien jedoch nicht ausreichend gewährleistet. Deshalb ist es in einem ersten Schritt notwendig, die Regelsätze für Kinder und deren Eltern durch eine deutliche Anhebung armutsfest zu machen", so Hofmann weiter. 

Reform des Unterhaltsvorschusses und Kinderzuschlags

Außerdem plädiert das Deutsche Kinderhilfswerk für eine Reform des Unterhaltsvorschusses und des Kinderzuschlags. Der Unterhaltsvorschuss kann, wie zahlreiche Studien zeigen, für Kinder von Alleinerziehenden ein wirksamer Schutz vor Armut sein. Mit zunehmendem Alter der Kinder steigen die Aufwendungen für Bildung, Freizeit, kulturelle Aktivitäten und Persönlichkeitsentwicklung. Gerade dann wird aber kein Unterhaltsvorschuss mehr gezahlt. Daher sollte dieser auch über das 12. Lebensjahr und die maximale Bezugsdauer von 6 Jahren hinaus bezogen werden können. Auch die volle Anrechnung des Kindergeldes bei Unterhaltsvorschussleistungen ist vor dem Hintergrund der hälftigen Anrechnung im Unterhaltsrecht nicht nachvollziehbar. Der Kinderzuschlag erreicht nur einen kleinen Teil der anspruchsberechtigen Kinder und Jugendlichen. Zu den komplizierten Beantragungsprozeduren kommen komplizierte Anrechnungsreglungen und die Höchsteinkommensgrenze, die dazu führen, dass Eltern zwischen Ämtern hin- und hergeschoben werden sowie bei mehr Erwerbsarbeit der Bezug abrupt endet und der Familie weniger Geld zur Verfügung steht.

Infrastruktur für Alleinerziehende und ihre Kinder

Um den Armutskreislauf zu durchbrechen, braucht es neben der materiellen Absicherung, aber auch die entsprechende Infrastruktur für Alleinerziehende und ihre Kinder. Der vom Deutschen Kinderhilfswerk veröffentlichte Kinderreport 2016 zeigt: Bildung ist der Schlüssel für gesellschaftliche Teilhabe und für den chancengerechten Zugang zu einer angemessenen beruflichen Entwicklung. In Deutschland hängt der Bildungserfolg von Kindern jedoch nach wie vor sehr stark von den Eltern und ihren Möglichkeiten ab. Bildung beginnt dabei nicht erst in der Schule. Nach Ansicht des Deutschen Kinderhilfswerkes muss bereits im Bereich der frühkindlichen Bildung ein wesentlicher Fokus liegen. Neben einem Ganztagsangebot und flexiblen Öffnungszeiten, die insbesondere für Alleinerziehende von zentraler Bedeutung sind, brauchen wir für die Sicherung der Rechte von allen Kindern - gleich welcher Herkunft - eine qualitativ hochwertige Bildung, Erziehung und Betreuung sowie ein Qualitätsmanagement in der Kindertagesbetreuung, das auch den gestiegenen Anforderungen und Erwartungen an das Fachpersonal Rechnung trägt.

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