Bildungspolitik / Bildungsforschung

PISA 2018 zeigt: Leseförderung erreicht noch nicht alle Schüler

Ein Grundschülmädchen sitzt in der Schule an einem Tisch und schreibt etwas
Bild: masterstudio - pixabay.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Neben dem positiven Langzeittrend, dass deutsche Schüler über dem OECD-Durchschnitt liegen, attestiert die PISA-Studie 2018 auch eine erhebliche Zunahme leseschwacher Jugendlicher. Prof. Dr. Michael Becker-Mrotzek, Mitautor des aktuellen PISA-Berichts, plädiert für verstärkte Leseförderung und mehr Chancengerechtigkeit bei der Bildung.

Zur Veröffentlichung der Ergebnisse von PISA 2018 erklärte Prof. Dr. Michael Becker-Mrotzek, Mitautor des aktuellen PISA-Berichts und Direktor des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache: „Auf den ersten Blick wirken die Ergebnisse des PISA-Berichts zum Lesen stabil: Deutsche Schüler liegen knapp oberhalb des OECD-Durchschnitts, der positive Langzeittrend setzt sich fort und der Anteil besonders leistungsstarker Jugendlicher ist gewachsen.“ Dennoch liefere PISA besorgniserregende Erkenntnisse, so Becker-Mrotzek: Der Anteil leseschwacher 15-Jähriger, die lediglich die unterste Kompetenzstufe erreichen, liegt am Gymnasium zwar nur bei zwei Prozent, bei allen anderen Schularten zusammengenommen jedoch bei 29 Prozent. Fast ein Drittel an diesen Schulen ist kaum in der Lage, den Sinn eines Textes zu erfassen, Informationen herauszufiltern und weiterzuverarbeiten. Der Anteil ist im Vergleich zu den PISA-Studien 2009 und 2015 um sechs bzw. acht Prozentpunkte und damit erheblich gestiegen.

Die Kluft zwischen leistungsstarken und -schwachen Schülern ist zu groß

„Es muss uns unbedingt gelingen, diese Schüler so zu fördern, dass ihre Lesekompetenzen ausreichen für ein selbstbestimmtes Leben in der Ausbildung, im Beruf und in der Gesellschaft. Wir dürfen nicht zulassen, dass sie abgehängt werden“, so Becker-Mrotzek weiter. Die aktuellen PISA-Ergebnisse zeigten auch: Die Kluft zwischen leistungsstarken und -schwachen Schülern ist in Deutschland zu groß. Gleiches gelte für den Einfluss des sozioökonomischen Hintergrunds. Unser Bildungssystem muss diese Hürden verstärkt in den Blick nehmen und sie systematisch abbauen.

Durchgängige Leseförderung einführen

Zentrale Aufgabe der nächsten Jahre wird es sein, Schulen gemeinsam zu unterstützen, eine durchgängige Leseförderung einzuführen und die Erkenntnisse aus der Forschung in die Fläche zu tragen, so der Mitautor des PISA-Berichts. Die Wirkung regelmäßiger und systematischer Leseförderung sei wissenschaftlich mittlerweile gut belegt. Zum Beispiel trage häufiges lautes Lesen in der Klasse oder im Tandem mit einem Mitschüler dazu bei, dass Kinder und Jugendliche flüssiger lesen. Dadurch sei das Arbeitsgedächtnis weniger belastet und die Schüler können die Inhalte eines Textes besser verstehen.

Weiterführende Informationen

In der Bund-Länder-Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift (BiSS)“ wurden u.a. auch Maßnahmen zur Leseförderung entwickelt und evaluiert. Das Programm geht ab 2020 in die Transferphase, die Maßnahmen sollen an ca. 2.700 Schulen bundesweit eingeführt werden.

Das Mercator-Institut hat bisherige Bildungsstudien zum Lesen und Schreiben im Faktencheck „Entwicklung der Lese- und Schreibleistungen“ (PDF 218 KB) analysiert (Stand Juni 2018).

Die Basiswissen Leseförderung und Leseflüssigkeit des Mercator-Instituts geben einen Einblick in die Thematik und konkrete Hinweise für wirksame Fördermaßnahmen.

Quelle: Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache vom 03.12.2019

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