Bildungspolitik / Kinder- und Jugendpolitik

GEW fordert Strategie gegen Bildungsarmut und Analphabetismus

Eine Figur aus Holz hält ein Buch in den Händen und stellt einen lesenden Menschen dar
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Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mahnte Bund und Länder mit Blick auf den „Weltalphabetisierungstag“ am 8. September, gemeinsam eine Strategie gegen Bildungsarmut und die hohe Zahl sogenannter funktionaler Analphabeten zu entwickeln. Diese müsste neben der Weiterbildung auch den Schulbereich sowie sozialpolitische Instrumente beinhalten, so das Ergebnis des von der GEW nahen Max-Traeger-Stiftung bei Prof. Michael Wrase vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung in Auftrag gegebenen Gutachtens „Das Recht auf Grundbildung und die Pflicht des Staates zur Sicherung des bildungsrechtlichen Existenzminimums“.

In Deutschland gibt es rund 6,2 Millionen Menschen, deren Kompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen nicht ausreichen, um sich in der Gesellschaft zurecht zu finden.

Verlässliche Strukturen in der Grundbildung gefordert

„Die Länder müssen ihre Angebote der Grundbildungszentren mit erfolgreichen Konzepten der Erwachsenenbildung flächendeckend ausbauen und verstetigen“, sagte Ansgar Klinger, GEW-Vorstandsmitglied für Berufliche Bildung und Weiterbildung, am Montag in Frankfurt a.M. „Sie brauchen mehr Personal und materielle Ressourcen, um insbesondere die sogenannten ‚Risikoschüler‘ frühzeitig und besser zu unterstützen. Die Länder sind gefordert, endlich ein inklusives Schulsystem auf allen Ebenen zu schaffen“, betonte Klinger. „Um Bildungsarmut vorzubeugen und Kompetenzen der Menschen gezielt zu fördern, muss der Bund verbindliche Vorgaben machen, um an allen Schulen Leistungen der Grundsicherung zu Bildung und Teilhabe mit Angeboten der Jugendhilfe zu bündeln. So kann ein gutes pädagogisches Angebot vor allem für Schulen geschaffen werden, an denen viele Schüler lernen, die zur ‚Risikogruppe‘ zählen.“

Analphabeten gezielt unterstützen und gesellschaftlich beteiligen

Klinger sieht in der Bundesagentur für Arbeit (BA) und den Unternehmen weitere wichtige Akteure. „Neben der beruflichen Qualifizierung muss die BA in ihren Maßnahmen und Programmen mehr Grundbildung vermitteln. Die Ansätze arbeitsplatzorientierter Grundbildung in den Betrieben, die bisher über öffentliche Projekte finanziert wurden, müssen Teil betrieblicher Weiterbildung werden“, sagte Klinger. „Darüber hinaus brauchen wir einen Förderanspruch, damit Menschen Grundkompetenzen erwerben können. Dieser muss auch für Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger gelten. Gerade angesichts des Fachkräftemangels ist eine Gesamtstrategie von Bund und Ländern dringend notwendig, will man Bildungsarmut nachhaltig begegnen, die sogenannten funktionalen Analphabeten endlich gezielt unterstützen und gesellschaftlich beteiligen.“

Mit Blick auf die Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung, die 2016 in Deutschland gestartet ist, stellte Klinger fest: „Die Dekade ist nur dann erfolgreich, wenn am Ende verlässliche, dauerhafte Strukturen für die gesellschaftliche Daueraufgabe Grundbildung geschaffen werden. Wir brauchen ein Recht der Bürgerinnen und Bürger auf Grundbildung.“ Bei allen Akteuren herrsche Einigkeit, dass eine erfolgreiche Grundbildung mehr Professionalität benötige. „Honorarlehrkräfte und Lehrkräfte, die in Projekten befristete Stellen haben, brauchen zukunftssichere, tarifvertraglich gesicherte Dauerstellen, um in diesem besonders wichtigen Bereich gute Arbeit zu leisten“, unterstrich der GEW-Experte.

Quelle: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) vom 07.09.2020

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