Kindertagesbetreuung / Qualifizierung

Quereinstieg – Männer und Frauen in Kitas: Interessenbekundungsverfahren startet

Schülerinnen und Schüler im Seminarraum
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Das Interessenbekundungsverfahren für das ESF-Modellprogramm zum Quereinstieg startete am 6. November 2014. Im Rahmen des Programms sollen Kitatätigkeit begleitende, vergütete Teilzeit-Ausbildungen weiter entwickelt und umgesetzt werden, die den besonderen Bedürfnissen berufserfahrener Erwachsener gerecht werden und sie binnen drei Jahren zu vollqualifizierten staatlich anerkannten Erziehern ausbilden.

Eins hat die verstärkte öffentlichen Diskussion um männliche Fachkräfte in Kitas besonders deutlich gezeigt: Es gibt eine beachtliche Anzahl von Männern, die mitten im Berufsleben stehen und in den Erzieher/-innen-Beruf wechseln möchten. Allein bei der Koordinationsstelle "Männer in Kitas" haben sich 3.000 Personen registriert, die an einem Quereinstieg interessiert sind.

Der Berufswechsel wird interessierten Männern und Frauen jedoch nicht leicht gemacht. Die Neuqualifizierung dauert lange, wird nicht vergütet und staatliche Förderung greift oftmals nicht. Viele an einem Quereinstieg Interessierte trauen sich auch nicht ein Darlehen aufzunehmen, denn die Rückzahlung ist in Anbetracht der für den Erzieher/-innen-Beruf nicht ungewöhnlichen Teilzeitbeschäftigungsverhältnisse oder Befristungen nicht leicht. All dies betrifft Frauen und Männer gleichermaßen, weshalb sich das geplante Bundesprogramm auch nicht nur an Männer richtet.

Gerade die Zielgruppe der berufs- und lebenserfahrenen Personen ist für die Personalplanung aus pädagogischer und demographischer Sicht interessant. Um sie besser erschließen zu können, ist die Idee zu einem Modellprogramm entstanden, welches innerhalb der Bundesländer Rahmenbedingungen unterstützt, die geeignet sind, modellhaft Lösungsansätze für eine vergütete, Kitatätigkeit begleitende Teilzeitausbildung zu entwickeln und auszuprobieren. Verbände, Kita-Träger und Träger von Fachschulen bzw. -akademien können ab sofort gemeinsam und in Kooperation mit den zuständigen Stellen in ihren jeweiligen Bundesländern ihr Interesse an einer Beteiligung am Modellprogramm bekunden. Starten soll das Programm Anfang Juni  des kommenden Jahres. Die Programmlaufzeit endet im Sommer 2020.

Erwachsenengerechte und geschlechtersensible Lösungsansätze

Erwachsene haben andere Ansprüche ans Lernen als junge Menschen direkt nach der Schulzeit. Sie bringen Erfahrungen und Kenntnisse mit, die didaktisch und methodisch so berücksichtigt werden sollten, dass die Effizienz des Lernens an den Lernorten "Schule" und "Kita" optimal gesteigert wird. Dabei gilt es, die Lernenden nicht zu überfordern, sondern sie wertschätzend und gewinnbringend einzubinden und dadurch zu motivieren, ihre recht lange erneute Ausbildungsphase erfolgreich zu absolvieren. Das neue Modellprogramm gibt deshalb vor, an den Fachschulen/ -akademien zielgruppenhomogene Lerngruppen einzurichten. Zeitlich soll die Erzieherausbildung für diese besondere Zielgruppe so konzipiert werden, dass sie in Teilzeit drei Jahre nicht überschreitet. Des Weiteren gibt das Programm vor, dass parallel zur Teilzeitausbildung eine Beschäftigung in einer Kindertageseinrichtung stattfindet, in deren Rahmen auch die praktischen Teile der Ausbildung absolviert werden.

Um auch weiterhin daran zu arbeiten, den Männeranteil unter den Fachkräften zu steigern, sind die Modellprojektträger zudem aufgefordert, einen möglichst hohen Anteil männlicher Quereinsteiger auszubilden sowie geschlechtersensible Ausbildungskonzepte zu erproben. Im Rahmen dieser Ausbildungskonzepte sollen geschlechterbezogene Themen bzgl. der Arbeit mit Kindern aber auch der geschlechtergemischten Ausbildungsklassen und Kita-Teams aufgegriffen und bearbeitet werden.

Die projektleitende Frage wird dabei sein: Welche Unterschiede könnten und sollten zwischen einer Kitatätigkeit begleitenden Teilzeitausbildung für Erwachsene und einer vollzeitschulischen praxisintegrierten Ausbildung für junge Menschen bestehen, wenn man die Schlagworte "erwachsenengerecht", "geschlechtersensibel" und "zielgruppenorientiert" mit Leben füllt?

Kooperation der Lernorte

Im Rahmen des neuen Modellprogramms werden Kitatätigkeit begleitende Ausbildungsgänge gefördert, in deren Rahmen eine dreijährige Teilzeitausbildung an einer Fachschule/-akademie für Sozialpädagogik parallel zu einer sozialversicherungspflichtigen Anstellung innerhalb einer Kita stattfindet. Die geförderte Ausbildung schließt mit dem Abschluss "Staatlich anerkannte Erzieherin" bzw. "Staatlich anerkannter Erzieher" ab. Die Teilzeitausbildung ist dabei gemeinsam von den Projektpartnern erwachsenengerecht und zielgruppenorientiert zu organisieren und auf Grundlage des im Entwurf vorliegenden bundesweiten Rahmenlehrplans (weiter) zu entwickeln.

Die Vergütung der teilnehmenden Fachschülerinnen und Fachschüler in Höhe von mind. 1.250 € (monatliches Arbeitgeber-Brutto) wird durch das BMFSFJ durch einen Zuschuss gefördert.

Für die Projektumsetzung werden jeweils eine Projektkoordinatorin bzw. ein Projektkoordinator auf Seiten der beteiligten Kitas und Fachschulen/-akademien sowie eine übergeordnete Gesamtprojektleitung bezuschusst.
Wer kann an der Ausbildung teilnehmen?

Teilnehmen können sogenannte Quereinsteigerinnen und -einsteiger, also Personen, die mindestens einen mittleren Schulabschluss oder einen als gleichwertig anerkannten Bildungsabschluss vorweisen können sowie eine abgeschlossene fachfremde Ausbildung oder eine in Abhängigkeit von der Dauer der Ausbildung gleichwertige Qualifikation (z.B. eine mehrjährige, fachfremde berufliche Tätigkeit oder eine vergleichbare Vorerfahrung).

Wer ist Antragsteller (Zuwendungsempfänger)?

Zwingend vorgeschrieben ist jeweils eine Kooperation zwischen Träger(n) von Kita-Einrichtungen und mindestens einer Fachschule/-akademie für Sozialpädagogik (in staatlicher oder in freier Trägerschaft). Ist der Antragsteller weder Träger von Kitas noch von Fachschulen/-akademien, muss er diese beiden Seiten als Partner in das Projekt per Kooperation fest einbinden.

Weitere Einzelheiten und Unterlagen zum Interessenbekundungsverfahren auf www.bafza.de

Quelle: Koordinationsstelle Männer in Kitas vom 06.11.2014

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