Kindertagesbetreuung / Bildungspolitik

Mehrsprachige Kinder aus sozial beeinträchtigten Familien stärker fördern

Kind sitzt an einem Tisch und schreibt etwas mit einem großen Bleistift
Bild: rawpixel.com

Gute Deutschkenntnisse gelten als Schlüssel zu einem erfolgreichen Schulbesuch. Mehrsprachige Kinder aus sozial beeinträchtigten Familien haben es da oft schwer. Wissenschaftler fordern jetzt, dass die Mehrsprachigkeit der Kinder bei Fördermaßnahmen mit einbezogen werden muss.

In den vergangenen Monaten haben Wissenschaftler/-innen gemeinsam mit weiteren Expertinnen und Experten wie Kinderärzten und Pädagogen Handlungsempfehlungen formuliert, die in Berlin mit Vertreter/-innen der Berliner Regierungsparteien im Rahmen der Tagung „Mehrsprachigkeit: Übergänge im Bildungssystem“ diskutiert wurden.

Ungleiche Bildungschancen

Eigentlich ist Mehrsprachigkeit in unserer globalisierten Welt eine wichtige Ressource. Dass sie auch zum Nachteil werden kann, erleben insbesondere mehrsprachige Kinder aus sozial beeinträchtigten Familien. Denn für sie ist es oft besonders schwierig, einen guten Bildungsabschluss zu erzielen.

„Deshalb muss die Mehrsprachigkeit der Kinder und Jugendlichen auch bei der Sprachstandserhebung und Sprachförderung mit einbezogen werden“, fordert Dr. Natalia Gagarina vom Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft. Gagarina und Kollegen im Berliner Interdisziplinären Verbund für Mehrsprachigkeit (BIVEM) haben mit weiteren Partnern in den vergangenen Monaten Handlungsempfehlungen für den Übergang vom Kindergarten in die Grundschule und den Übergang von einer Willkommens- in eine allgemeinbildende Regelklasse an die Politik formuliert. Beide Übergänge stellen entscheidende Phasen im Bildungsverlauf der Kinder dar und sind oft problematisch.

Besonderheiten in den Übergangsphasen

Für diese Übergangsphasen benötigen pädagogische Fachkräfte zusätzliches Wissen über die sprachwissenschaftlichen Besonderheiten der Mehrsprachigkeit, um die Kinder optimal zu fördern. Die Experten fordern daher, sprachwissenschaftliche Erkenntnisse in die Erzieherausbildung aufzunehmen und in den Willkommensklassen Fachkräfte mit „Deutsch als Fremdsprache“-Kenntnissen einzusetzen. Weiterhin sollen in der Sprachdiagnostik auch die Fähigkeiten in der Herkunftssprache getestet werden. Vielen sei nicht bewusst, dass die Kinder und Jugendlichen mit ihrer Herkunftssprache eine wichtige Ressource mitbringen. Diese Sprachen sollen - soweit möglich - als Schulfach angeboten und die Herkunftssprache als 1. Fremdsprache anerkannt werden, so eine weitere Forderung der Experten.

Insgesamt neun Handlungsempfehlungen wurden diskutiert. Diese können von der Webseite des ZAS heruntergeladen werden.

Zum Hintergrund

Der Berliner Interdisziplinäre Verbund für Mehrsprachigkeit BIVEM ist ein bundesweites Netzwerk, das Wissenschaft und Praxis aus den Bereichen Mehrsprachigkeit, Spracherwerb, Sprachförderung und Sprachdiagnostik eine Plattform für Erfahrungsaustausch und Begegnungen bietet. Der Verbund wurde vom Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft (ZAS) 2011 gegründet und in seiner Aufbauphase vom Berliner Senat gefördert.

Quelle: Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft (ZAS), Geisteswissenschaftliche Zentren Berlin e.V. (GWZ) vom 03.11.2019

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