Kindertagesbetreuung / Familienpolitik

Länderreport: Entwicklung der Kindertageseinrichtungen

bunte Stühle für Kinder stehen an einem langen Tisch
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Angesichts des veröffentlichten bundesweiten Vergleichs "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme 2015" der Bertelsmann Stiftung äußern sich die Länder über Betreuungsqualität, Betreuungsschlüssel sowie über geplante Verbesserungen.

Bayern

Bayerns Familienministerin Emilia Müller anlässlich des Reports "Frühkindliche Bildungssysteme":

"Die Ergebnisse bestätigen die positive Entwicklung der bayerischen Kindertageseinrichtungen, vor allem beim Ausbau der Kinderbetreuungsangebote, der Personalkapazitäten und den Fortschritten im Bereich der Inklusion. Bayerns Kindertageseinrichtungen bieten eine bedarfsgerechte und qualitätsvolle Kinderbetreuung. Dafür gilt den engagierten Trägern und ihrem pädagogischen Personal mein herzlicher Dank", so die Ministerin.

Bayern lege, so die Ministerin, besonderen Wert auf eine qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung. Dafür hat der Freistaat den Anstellungsschlüssel seit 2008 zweimal gesenkt, so dass das Personal-Kind-Verhältnis kontinuierlich auf 1:3,8 in der Krippe und 1:9 im Kindergarten verbessert werden konnte. Dies, obwohl die Zahl der Kinder in Bayern deutlich zugenommen hat und Bayern besonders von der angespannten Situation auf dem Fachkräftemarkt betroffen ist. Müller: "Qualität ist weit mehr als nur ein guter Personalschlüssel. Genauso wichtig ist für uns ein hohes Qualitätsniveau in den Einrichtungen. Daher haben wir zusammen mit unseren Kommunen die Förderung in diesem Jahr nochmals kräftig erhöht. Die Einrichtungen erhalten jährlich bis zu 126 Millionen Euro zusätzlich, die sie in Qualitätsverbesserungen investieren können", so die Ministerin. Daneben starte zum neuen Kindergartenjahr ein Modellversuch zur Pädagogischen Qualitätsbegleitung. 60 Qualitätsbegleiter unterstützen dann bayernweit das pädagogische Personal dabei, Bildungsziele noch effektiver umzusetzen.

Die von der Bertelmann Stiftung vorgeschlagenen bundeseinheitlichen Qualitätsstandards lehnte Müller strikt ab. "Bundeseinheitliche Vorgaben sind der absolut falsche Weg. Denn sie können die zentralen Herausforderungen auf dem Fachkräftemarkt nicht lösen. Vielmehr muss der Bund den Ländern mehr Mittel für die Kinderbetreuung zur Verfügung stellen. Bayern und seine Kommunen wissen dann selbst am besten, wie sie Qualität nachhaltig sichern und weiter verbessern. Nachhilfeunterricht aus Berlin brauchen wir hierfür nicht", so die Ministerin abschließend.

Mecklenburg-Vorpommern

Nikolaus Voss, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Gleichstellung und Soziales:

"Hier werden Kriterien miteinander verglichen, die nicht zu vergleichen sind. Nur die Anzahl des Personals in Kindertagesstätten zu vergleichen, ohne deren fachliche Qualifikation abzubilden ist unredlich", so Staatssekretär Voss. Auch in diesem Jahr zielt die von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichte Studie zur frühkindlichen Bildung nach Ansicht Voss, an der Lebenswirklichkeit vorbei. "Leider haben alle Versuche der Experten aus Mecklenburg-Vorpommern nichts genutzt, die Bertelsmann-Stiftung zu einer realistischen Darstellung der Situation zu bewegen. In Mecklenburg-Vorpommern geht es um frühkindliche Bildung mit einem hohen Anspruch an qualifizierte Standards und nicht nur um Betreuung."

Wie bereits in den vergangenen Jahren findet das in Mecklenburg-Vorpommern geltende Fachkräftegebot keinen Eingang in die Studie. "Während hier im Land nur die Fachkräfte gezählt werden, fließen in andern Bundesländern alle Beschäftigten in Kindertagesstätten – also auch Auszubildende, Praktikanten und Servicekräfte mit in die Berechnungen ein. Eine solche Herangehensweise entzieht der Studie jeglichen Wert", sagte Voss.

Zum 1. August 2015 ist aktuell die Fachkraft-Kind-Relation von 1:16 auf 1:15 verbessert worden. Damit haben die Träger die Möglichkeit, mehr Personal in den Kindertagesstätten einzustellen. In Mecklenburg-Vorpommern verfügen über 95 Prozent des Personals in den Kindertagesstätten über einen Fachschul- oder Hochschulabschluss. Zum Vergleich: In Bayern sind es weniger als 55 Prozent.

Die Bertelsmann-Stiftung hat in der Vergangenheit immer wieder bemängelt, dass es keine bundeseinheitlichen Standards in der Kindertagesförderung gebe. Gleichzeitig vergleicht sie aber die Länder trotz unterschiedlicher Ausgangsbedingungen. "Eine solche Methode ist nicht aussagekräftig. Mecklenburg-Vorpommern wird daher – ähnlich wie es Sachsen-Anhalt bereits getan hat – die weitere Zusammenarbeit mit der Bertelsmann-Stiftung überprüfen", sagte Voss.

Niedersachsen

Erika Huxhold, Staatssekretärin im Niedersächsischen Kultusministerium, nimmt wie folgt Stellung:

"Die Qualität der frühkindlichen Bildung in Niedersachsen kann sich nicht nur im Bundesvergleich sehen lassen. Mit einem Personalschlüssel von 8,6 in unseren Kitas (Kinder über drei Jahre) haben wir im Ländermonitor der Bertelsmann Stiftung nach Baden-Württemberg und Bremen das drittbeste Betreuungsverhältnis in Deutschland. Dieser Wert hat sich seit 2012 sogar noch leicht verbessert. Familien können sich darauf verlassen: Kinder werden in Niedersachsen gut betreut und früh gefördert. Der Personalschlüssel bietet die notwendigen Rahmenbedingungen, damit Erzieherinnen und Erzieher ihnen Zeit und Aufmerksamkeit schenken können.

Die Studie der Bertelsmann Stiftung bestätigt, dass es bei der frühkindlichen Bildung der unter Dreijährigen klaren Handlungsbedarf gab. Die Landesregierung hat entsprechend der Koalitionsvereinbarung mit der Einführung einer dritten Kraft in Krippen gehandelt und stellt rund 240 Millionen Euro bis 2018 für mehr Personal bereit. Allerdings kann der Ländermonitor dieses Engagement des Niedersächsischen Kultusministeriums noch nicht berücksichtigen, da sich die Untersuchung auf den Stichtag 1.3.2014 bezieht. Seit Anfang 2015 finanziert das Land aufsteigend die Kosten für eine weitere Fachkraft in Krippengruppen und unterstützt so die kommunalen und freien Träger. Damit werden sich der Personalschlüssel und die Betreuungssituation in den niedersächsischen Krippen weiter deutlich verbessern. Gerade die Kleinsten brauchen viel Zuwendung, darum investieren wir nicht nur in den Ausbau der Krippenplätze, sondern auch in die Qualität der Betreuung."

Hintergrund:

Mit dem Stufenplan zur Finanzierung der dritten Fachkraft wird vom 1. Januar 2015 an eine durchschnittliche wöchentliche Betreuungszeit von 20 Stunden vom Land finanziert. Ab 1. August 2016 werden jährlich aufsteigend weitere drei Stunden finanziert, bis die Einführung zum 1. August 2020 abgeschlossen ist. Dann übernimmt das Land die Finanzhilfepauschale vollständig, für die gesamte tatsächliche Betreuungszeit der Krippengruppe. Der gesetzlich vorgeschriebene Mindestpersonenschlüssel wird damit deutlich angehoben: In einer Krippengruppe mit maximal 15 Kindern unter drei Jahren werden bislang rechnerisch 7,5 Kinder von einer Fachkraft betreut. Künftig werden es nur noch fünf Kinder pro Betreuungskraft sein, das bedeutet eine 1:5 Relation.

Auch die Anzahl der Krippenplätze wird in Niedersachsen gegenwärtig erhöht: Im Rahmen der Zukunftsoffensive Bildung sollen bis zum Ende der Legislaturperiode rund 5.000 weitere Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren geschaffen werden. Im Kindergartenjahr 2014/2015 standen rund 62.000 Krippenplätze zur Verfügung: davon etwa 50.000 in Kindertagesstätten und rund 12.000 Betreuungsplätze in der Tagespflege ("Tagesmütter").

Die erfolgreiche Qualifizierungsinitiative des Niedersächsischen Kultusministeriums "Integrative Erziehung und Bildung in Kindertageseinrichtungen" wird aufgestockt: In 2015 können weitere 100 sozialpädagogische Fachkräfte eine durch das Land finanzierte Zusatzqualifikation erwerben, die auch für die Tätigkeit als heilpädagogische Fachkraft in integrativen Krippen- und Kindergartengruppen berechtigt. Damit wird die gemeinsame Bildung und Betreuung von Kindern mit und ohne Behinderung in den Kindertageseinrichtungen noch weiter verbessert.

"Es ist ein gutes Signal, dass wir dieses Programm ausbauen können. Die Nachfrage war so groß, dass leider nicht alle Fachkräfte, die an der Qualifizierungsinitiative teilnehmen wollten, berücksichtigt werden konnten. Das zeigt, dass der inhaltliche Schwerpunkt richtig gewählt wurde und dass die Träger sehr gute Angebote machen. Mit der Aufstockung der laufenden Qualifizierungsinitiative möchten wir das große Engagement von Trägern und Fachkräften in Kindertageseinrichtungen daher ausdrücklich würdigen", erläutert die Staatssekretärin im Niedersächsischen Kultusministerium Erika Huxhold. Seit März 2014 fördert die Landesregierung die Weiterbildung von fast 800 Fachkräften für "Integrative Erziehung und Bildung in Kindertageseinrichtungen" mit 1,5 Millionen Euro. Insgesamt 38 Erwachsenenbildungsträger bieten landesweit 44 Kurse für an. Für die Erweiterung der Qualifizierungsinitiative um 100 sozialpädagogische Fachkräfte stellt das Kultusministerium im Jahr 2015 weitere rund 200.000 Euro zur Verfügung. 

Nordrhein-Westfalen

Die von Bertelsmann im Ländermonitor veröffentlichten Daten zeigen, dass sich das große Engagement der Landesregierung im Bereich der Kindertagesbetreuung auszahlt. Sowohl 2013/2014 als auch 2014/2015 hat Nordrhein-Westfalen im Ländervergleich beim Angebot für die unterdreijährigen Kinder die größten Zuwachsraten vorzuweisen. Die von Bertelsmann vorgelegten Zahlen für das Kindergartenjahr 2013/2014 zeigen, dass sich parallel auch der Personalschlüssel verbessert hat. Und dies gilt sowohl für die Betreuung der Unterdreijährigen als auch für die Betreuung der Kinder ab drei Jahren.

Im U3-Bereich liegt Nordrhein-Westfalen im Ländervergleich hinter Baden-Württemberg, Bremen und Rheinland-Pfalz auf einem der oberen Plätze und im Ü3-Bereich im guten Mittelfeld. Und Nordrhein-Westfalen investiert weiter in zusätzliches Personal. Insgesamt stellt das Land im Rahmen der Revision des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) im laufenden Kindergartenjahr über 260 Millionen Euro für zusätzliches Personal zur Verfügung. Das Gesamtbudget des Landes für frühkindliche Bildung hat sich seit 2010 von einer auf rund zwei Milliarden Euro nahezu verdoppelt.

Vier von fünf Beschäftigten in nordrhein-westfälischen Kitas haben ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis, so die Auswertung der Dortmunder Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik. Familienministerin Ute Schäfer dazu: "Die Gestaltung der Arbeitsverträge ist vorrangig Angelegenheit der Träger. Aber wir setzen uns für sichere Beschäftigungsbedingungen ein und wollen die Träger hierbei besser unterstützen. Wir haben deshalb im KiBiz wichtige Weichenstellungen vorgenommen, die den Trägern mehr Planungssicherheit ermöglichen." Fällt etwa in einem Jahr der Zuschuss wegen veränderter Anmeldezahlen geringer aus als im Vorjahr, erhält der Träger mit der Planungsgarantie immer mindestens den Zuschuss des Vorjahres.

Rheinland-Pfalz

Kinder- und Familienministerin Irene Alt:

"Der Kita-Bereich ist ein absolutes Schwerpunktthema der Landesregierung. Es freut mich, dass sich die Anstrengungen von Land, Kommunen und Trägern auch in der Statistik abbilden."

Der aktuelle "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme" attestiert der rheinland-pfälzischen Landesregierung, deutlich in Qualität investiert zu haben. Das zeigt sich zum Beispiel am weiter verbesserten Personalschlüssel im Bereich für Unterdreijährige (U3): Rheinland-Pfalz liegt hier mittlerweile bundesweit an dritter Stelle.

Mit nahezu 28.000 pädagogisch Beschäftigten sind dies über 8.000 mehr als noch 2006. Neben dem stark verbesserten Personalschlüssel trägt auch eine deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegende Freistellung der Leitungskräfte zur Sicherung der Qualität in den Kindertagesstätten bei.

"Wir sind zudem das Land der Beitragsfreiheit, die mit dazu beiträgt, dass bei uns die Besuchsquoten sehr hoch sind: 95 Prozent der rheinland-pfälzischen Dreijährigen sind in der Kindertagesbetreuung, bundesweit sind es nur 89 Prozent. Ab dem vierten Lebensjahr nutzen alle Kinder ein Angebot. Auf solche guten Werte sind wir stolz. Denn das sorgt dafür, dass möglichst jedes Kind bei uns von früher Bildung profitiert und so mehr Chancengerechtigkeit und eine hohe Integration erfahren kann. Zudem entlastet die Beitragsfreiheit die Familien in Rheinland-Pfalz, die wahrlich schon viel für die Zukunft unserer Gesellschaft leisten. Die Landesregierung steht deshalb ohne Wenn und Aber zur Beitragsfreiheit", sagte Ministerin Alt.

Sachsen

Der Betreuungsschlüssel in den Kindergärten und Kinderkrippen wird schrittweise verbessert. Darauf macht das Kultusministerium angesichts des "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme" aufmerksam. So wird im Kindergarten der Personalschlüssel ab dem 1. September 2015 von 1:13 auf 1:12,5 und ab dem 1. September 2016 von 1:12,5 auf 1:12 verbessert. Auch in Kinderkrippen wird sich der Personalschlüssel verändern – zunächst ab dem 1. September 2017 von 1:6 auf 1:5,5 und ein Jahr später auf 1:5.

Insgesamt werden nach Abschluss der stufenweisen Schlüsselverbesserung im Jahr 2018 rund 2.365 mehr Erzieherinnen und Erzieher (Vollzeitzeitkräfte) in sächsischen Kitas tätig sein.

Vor diesem Hintergrund werden in Sachsen derzeit mehr Erzieher ausgebildet als je zuvor. Nach aktuellen Zahlen der Erzieherausbildung werden 7.305 Schüler an 59 Fachschulen für Sozialwesen zum "Staatlich anerkannten Erzieher" ausgebildet. Das sind rund 50 Schulen mehr als vor zehn Jahren. Zum kommenden Schuljahr liegen für sechs weitere Schulen Anträge zur Eröffnung von neuen Standorten bei der Sächsischen Bildungsagentur vor. Mit den steigenden Ausbildungsangeboten stieg auch die Zahl der Absolventen. Während 2003 knapp 200 Erzieher ihre Ausbildung erfolgreich beendeten, standen 2014 den Krippen, Kindergärten und Horten 2.215 Absolventen zur Verfügung. In diesem Jahr werden ähnliche Absolventenzahlen erwartet.

In Sachsen beträgt die Betreuungsquote für Kinder unter drei Jahren 51,7 Prozent, für Kinder von 3 Jahren bis unter 6 Jahre 98,2 Prozent (Stand 1. März 2015).

Quellen: Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration / Ministerium für Arbeit, Gleichstellung und Soziales Mecklenburg-Vorpommern / Niedersächsisches Kultusministerium / Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen / Ministerium für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen des Landes Rheinland-Pfalz / Sächsisches Staatsministerium für Kultus vom 24.08.2015

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