Kindertagesbetreuung / Familienpolitik

forsa-Ergebnisse zu Betreuungsbedarfen von Eltern junger Kinder in Bremen

Die Umfrage-Ergebnisse des forsa-Instituts zu den Betreuungsbedarfen von Eltern mit Kindern unter drei Jahren liegen vor. „Die Ergebnisse der forsa-Untersuchung liefern uns weitere wichtige Hinweise, wo wir weitere Ausbaubedarfe in Bremen haben, um den Rechtsanspruch auf Betreuung ab 1. August 2013 zu erfüllen“, sagte Anja Stahmann, Senatorin für Soziales, Kinder, Jugend und Frauen.

Zur Teilnahme waren in der Stadt Bremen alle Eltern mit Kindern eingeladen, die nach dem 31. Juli 2010 geboren sind. Diese Kinder sind am 1. August 2013 zwischen einem Jahr und drei Jahren alt und haben damit erstmals einen Rechtsanspruch auf Betreuung in einer Einrichtung oder in der Tagespflege. Die Beteiligung an der online-Erhebung, die zwischen Mai und Juli des Jahres stattgefunden hat, war freiwillig und anonym. Teilgenommen haben 938 von rund 7500 Eltern, die die Senatorin für Soziales, Kinder Jugend und Frauen angeschrieben hat.

Die forsa-Studie dient in erster Linie dazu, den Bedarf an Betreuung für Kinder unter drei Jahren in qualitativer Hinsicht zu ermitteln; sie soll helfen einzuschätzen, welche Angebotsform und welchen Stunden-Umfang Eltern sich wünschen. Die Ergebnisse stellte Peter Matuschek, am Nachmittag in der Deputation für Soziales, Kinder, Jugend und Frauen vor. Peter Matuschek ist Bereichsleiter für Politik- und Sozialforschung bei forsa in Berlin.

„Die Ergebnisse der forsa-Untersuchung liefern uns weitere wichtige Hinweise, wo wir weitere Ausbaubedarfe in Bremen haben, um den Rechtsanspruch auf Betreuung ab 1. August 2013 zu erfüllen“, sagte Anja Stahmann, Senatorin für Soziales, Kinder, Jugend und Frauen. Die Erhebung gibt aus ihrer Sicht auch Hinweise darauf, dass Eltern in Stadtteilen mit vielen sozial benachteiligten Menschen nicht immer das Bewusstsein dafür hätten, dass frühe Kinderbetreuung die Lebenssituation von Kindern langfristig verbessern könne. „Wir müssen auch dort Angebote schaffen, wo sie heute noch nicht nachgefragt werden, um eine gerechtere Bildungsbeteiligung zu garantieren“, sagte die Senatorin deshalb. Weiter sagte sie: „Ich will den Trägern der Kindertagesbetreuung frühzeitig Zusagen machen, wo sie weitere Angebote einrichten können. Erste finanzwirksame Entscheidungen sollen daher noch im Herbst fallen.“

  1.  Eltern, die sich an der Umfrage beteiligt haben, zeigen durchweg ein hohes Interesse an einer Tagesbetreuung für ihr Kind; entweder nutzen sie diese schon, oder sie wünschen sie sich. Das trifft auf 90 Prozent der Teilnehmer an der Befragung zu.
  2. Eine Betreuung von Kindern unter drei Jahren außer Haus findet bei den Befragten grundsätzlich breite Akzeptanz. Sie ist bei Eltern ausgeprägter, die einen höheren Schulabschluss haben, über höhere Einkommen verfügen und/oder weniger als drei Kinder haben.
  3. Vier Prozent der Befragten, die eine Tagesbetreuung nutzen oder wünschen, würden stattdessen das Betreuungsgeld in Anspruch nehmen, wenn es zum Januar 2013 eingeführt werden sollte.
  4. Ein Drittel aller Befragten hält eine Betreuung von Kindern unter einem Jahr außer Haus für ungeeignet. Fünf Prozent aller Befragten hält eine Betreuung von Kindern zwischen einem und zwei Jahren außer Haus für ungeeignet. Ein Prozent aller Befragten hält eine Betreuung von Kindern zwischen zwei und drei Jahren außer Haus für ungeeignet.
  5. 90 Prozent der Eltern, die zum Befragungszeitpunkt keine Tagesbetreuung nutzten, wünschen eine Tagesbetreuung, bevor das Kind drei Jahre alt wird.
  6. Wichtigster Grund, eine Tagesbetreuung für ein Kind unter drei Jahren zu nutzen oder zu wünschen, ist Erwerbstätigkeit (bzw. Ausbildung etc.) beider Elternteile oder des allein erziehenden Elternteils. Dies spiegelt sich auch in der Sozialstruktur der Befragungsteilnehmer/-innen wider. Pädagogische Gründe werden ebenfalls häufig angeben.
  7. Die Tagespflege („Tagesmutter“, „Tagesvater“) genießt insbesondere bezogen auf jüngere Kinder eine hohe Akzeptanz; für ältere Kinder (ab zwei Jahren) wird dagegen den Kindertageseinrichtungen (Krippe, Krabbelgruppe, altersgemischte Gruppen im Kindergarten) der Vorzug gegeben. 26 Prozent der Eltern, die eine Betreuung für Kinder vor dem ersten Geburtstag nutzen oder wünschen, geben der Tagespflege den Vorzug, 12 Prozent halten sie für gleichermaßen geeignet wie eine Tageseinrichtung. Von den Befragten, die eine Betreuung für ihre ein- bis zweijährigen Kinder nutzten oder wünschen, halten 16 Prozent die Tagespflege für eher geeignet, 25 Prozent halten sie für gleichermaßen geeignet. Zur Betreuung von Kindern, die älter als zwei Jahre sind, ziehen die Befragten mehrheitlich die Tageseinrichtung vor (64 Prozent).
  8. 83 Prozent der Befragten, die eine Tagesbetreuung wünschen oder nutzen wünschen sich ein Kinderbetreuungsangebot ihres Arbeitgebers / ihrer Ausbildungsinstitution, das speziell auf die Arbeits- beziehungsweise Schulungszeiten zugeschnitten ist; 2 Prozent nutzen ein solches Angebot bereits.
  9. Am häufigsten wird eine Betreuungszeit von 8 bis 16 Uhr an allen Wochentagen gewünscht (43 Prozent). Knapp die Hälfte der Eltern, die eine Tagesbetreuung nutzen oder wünschen, geben an, dass sie gern eine Betreuung ab 7 Uhr hätten. Manche wünschen das Angebot nicht durchgängig an allen Wochentagen. Abweichungen von diesen Zeiten betreffen vor allem die Montage oder Freitage. Etwa ein Viertel der Befragten, die sonnabends und/oder sonntags arbeiten, wünschen sich auch am Wochenende eine Betreuung für ihr Kind.
  10. In den Stadtteilen Horn-Lehe, Mitte und Neustadt lag die Beteiligung an der Befragung über dem Durchschnitt, in Borgfeld, Findorff, Oberneuland, Östliche Vorstadt und Schwachhausen sogar deutlich darüber. Vergleichsweise gering war die Beteiligung dagegen in den Stadtteilen Gröpelingen und Osterholz.

Quelle: Freie Hansestadt Bremen vom 06.09.2012

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