Kindertagesbetreuung / Gender

Bildung frei von Geschlechterklischees: Förderpreis „Verein(t) für gute Kita und Schule“ ausgeschrieben

Kinder in unterschiedlichen Berufen verkleidet
Bild: © Andrey Kiselev - Fotolia.com

Bewerben für den Preis „Verein(t) für gute Kita und Schule“ 2018 können sich Kita- und Schulfördervereine, die mit ihren Einrichtungen ein herausragendes Projekt zum Thema „Bildung frei von Geschlechterklischees“ initiiert haben, das Teil des Kita- bzw. Schulalltags geworden ist oder werden soll.

Kita- und Schulfördervereine bündeln das zivilgesellschaftliche Engagement von Eltern, Erzieherinnen und Erziehern, Lehrkräften, Schüler/-innen und interessierten Dritten. Durch ihre engagierte Arbeit gestalten sie Bildung mit, schaffen sozialen Ausgleich, schließen Lücken und werden so zu verlässlichen Partner(inne)n bei der Entwicklung des Lern- und Lebensraums Kita und Schule.

Der Förderpreis „Verein(t) für gute Kita und Schule“ prämiert seit bereits vier Jahren deutschlandweit erfolgreiche Projekte von Schulfördervereinen und in diesem Jahr erstmals auch von Kita-Fördervereinen. Ziel ist es, in Kita und Schulen wirksame Projekte zu entdecken, zu fördern und zu verbreiten. „Spicken und Nachahmen sind ausdrücklich erwünscht!“, so der Wunsch der Stiftung Bildung. Sie arbeitet dabei bundesweit eng mit den Verbänden der Kita- und Schulfördervereine zusammen.

Worum geht es in der Ausschreibung 2018?

Gesellschaftlich fest verankerte Geschlechterstereotype prägen von früher Kindheit an trennende Vorstellungen von „Weiblichkeit“ und „Männlichkeit“ und haben maßgeblichen Einfluss auf Berufsvorstellungen und Lebensplanung von Mädchen und Jungen. Dies hat auf drei Ebenen Auswirkungen:

  • Gesellschaftlich: Eine klischeefreie Berufs- und Studienwahl hat eine eigenständige Existenzsicherung über den gesamten Lebensverlauf im Blick und ermöglicht Frauen und Männern eine gleichberechtigte gesellschaftliche Partizipation.
  • Individuell: Die berufliche Selbstverwirklichung ist ein wesentlicher Aspekt persönlicher Zufriedenheit und Lebensqualität. Geschlechterklischees schränken die freie Entfaltung der Persönlichkeit ein.
  • Wirtschaftlich: Eine wettbewerbsfähige Volkswirtschaft ist darauf angewiesen, dass alle jungen Menschen ihre Fähigkeiten unter Berücksichtigung ihrer Lebensentwürfe bestmöglich realisieren. Dadurch werden die gesamtwirtschaftlichen Wachstumspotenziale genutzt und es wird ein wichtiger Beitrag zur Sicherung des Fachkräftebedarfs geleistet.

Deshalb ist es von zentraler Bedeutung, frühzeitig mit der kritischen Auseinandersetzung von Geschlechterzuschreibungen und -erwartungen zu beginnen und Kinder und Jugendliche zu ermutigen, ihren individuellen Neigungen, Fähigkeiten und Talenten zu folgen – frei von Geschlechterklischees.

Bildung frei von Geschlechterklischees

Eine pädagogische Begleitung und Bildung frei von Geschlechterklischees befähigt Kinder und Jugendliche, Geschlechterstereotype in den Blick zu nehmen, zu hinterfragen und mit eigenen Lebensentwürfen abzugleichen:

  • Welche Geschlechterklischees gibt es für Frauen und Männer?
  • Ist Geschlecht eine biologische Dimension oder etwas, das wir tagtäglich praktizieren, indem wir uns in einer gewissen Art und Weise kleiden und verhalten?
  • Schränken Geschlechterklischees Menschen darin ein, sich frei zu entfalten und führen sie auch zu Benachteiligungen? Sind sie zeitlos oder unterliegen sie fortwährenden gesellschaftlichen Veränderungen?
  • Sind Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit in anderen Kulturen vielleicht auch ganz anders als bei uns?

Schüler/-innen haben in ihrer Entwicklung schon vielfältige Erfahrungen mit dem Thema „Geschlechterklischees” gemacht und machen tagtäglich Neue. Sie wissen, dass das Thema keine reine Theorie, sondern in ihrem Alltag von ganz praktischer Relevanz ist. Dennoch wird es in der Regel nicht thematisiert und bewusst reflektiert. Dabei sind Geschlechterfragen gerade für eine demokratische Gesellschaft von großer Bedeutung, da sie gesellschaftliche Partizipation und individuelle Selbstverwirklichung umfassen. Kinder und Jugendliche sollten aus diesem Grunde ganz bewusst mit dem Thema in Kontakt kommen. Dabei sollte weniger eine theoretische Fundierung, als vielmehr das praktische Erleben und Spielen mit Geschlechterklischees im Vordergrund stehen. Kurzfristige Angebote können zu einer ersten, bewussten Auseinandersetzung mit dem Thema beitragen, längerfristige Maßnahmen können helfen, flexiblere Geschlechtervorstellungen nachhaltig im Bewusstsein zu verankern.

Geschlechterdifferenzierende Pädagogik in Kindergarten und Schule

Gewünscht werden Projekte, die Kindern und Jugendlichen eine kritische Auseinandersetzung mit Geschlechterklischees ermöglichen und zu einer Flexibilisierung von Männlichkeits- und Weiblichkeitsbildern beitragen.

Im Kita Bereich kann dies u. a. durch den bewussten Einsatz von Bilder- und Kinderbüchern erfolgen, die mit verschiedenen Rollenbildern von Mädchen und Frauen sowie Jungen und Männer arbeiten und für Rollenspiele erweiterte Perspektiven aufzeigen und zum Nachfragen anregen. Ebenso kann die Qualifizierung der Erzieherinnen und Erzieher im Bereich der geschlechterdifferenzierenden Pädagogik im Kindergarten im Fokus des Projekts stehen.

In der Schule können Maßnahmen wie der Girls’Day – Mädchen-Zukunftstag und der Boys’Day – Jungen-Zukunftstag für eine Berufsorientierung frei von Geschlechterklischees angeboten werden oder das Projekt greift die Fortbildung der Lehrkräfte beispielsweise zum Thema „Gendersensibel lehren und lernen“ auf und wie diese Kompetenz den Unterricht verändert.

Weiterführende Informationen

Der Förderpreis „Verein(t) für gute Kita und Schule“ wird in diesem Jahr in Kooperation mit den bundesweiten Projekten Girls’Day – Mädchen-Zukunftstag und Boys’Day – Jungen-Zukunftstag vergeben. Girls’Day und Boys’Day unterstützen die Nationalen Kooperationen zur Berufs- und Studienwahl frei von Geschlechterklischees.

Die Ausschreibungsunterlagen (PDF, 691 KB) stehen zum Download bereit. Weitere Informationen sind außerdem zu finden unter www.stiftungbildung.com/foerderpreis

Quelle: Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V.

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