Mentoring

Programm zur Verbesserung der Chancen von benachteiligten Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt

Viele verschiedene Hände liegen aufeinander
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Wie lassen sich die Arbeitsmarktchancen von Jugendlichen aus stark benachteiligten Verhältnissen verbessern? Ein möglicher Ansatz sind Mentoring-Programme, die den Jugendlichen ehrenamtlich engagierte Studierende zur Unterstützung an die Seite stellen. Speziell die Wirksamkeit eines bundesweiten Mentoring-Programms steht im Zentrum einer neuen Studie des Münchner ifo Instituts.

Die Forscher unter Leitung von Prof. Dr. Ludger Wößmann (ifo Zentrum für Bildungsökonomik) kommen zu dem Ergebnis, dass sich die Arbeitsmarktchancen von Jugendlichen aus stark benachteiligten Verhältnissen deutlich verbessern, wenn sie von Studierenden unterstützt werden. Gefördert wurde die Studie von der Wübben Stiftung, der Jacobs Stiftung, Porticus und der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung.

Das Mentoring-Programm „Rock Your Life!“ wurde 2008 von einer Gruppe Studierender ins Leben gerufen und wird mittlerweile in 42 Städten in ganz Deutschland angeboten. Seit der Gründung wurden mehr als 7.000 Schülerinnen und Schüler bis zu zwei Jahre lang gefördert. Das Programm richtet sich an Jugendliche in Hauptschulen und vergleichbaren Schulformen in benachteiligten Stadtvierteln und stellt ihnen Studierende als ehrenamtliche Mentorinnen und Mentoren zur Seite. Ziel ist ein erfolgreicher Übergang von der Sekundarstufe I in eine berufliche Ausbildung oder in die schulische Oberstufe.

Mehrjährige Studie mit mehr als 300 Schülerinnen und Schülern

An der mehrjährigen Studie nahmen mehr als 300 Schülerinnen und Schüler aus der achten und neunten Klassenstufe in zehn Städten teil. Die Ergebnisse zeigen, dass das Mentoring bei Jugendlichen aus stark benachteiligten Verhältnissen bereits ein Jahr nach Programmstart die Schulnote in Mathematik, die Geduld und die Sozialkompetenzen sowie die Arbeitsmarktorientierung deutlich verbessert. Diese Faktoren sind – wie andere Erhebungen zeigen – entscheidend für die späteren Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt. Prof. Dr. Simon Wiederhold von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) hat für die Studie die sogenannte PIAAC-Erhebung, eine „Pisa-Studie für Erwachsene“, für Deutschland ausgewertet. „Schülerinnen und Schüler mit besseren Mathematiknoten haben auch im Erwachsenenalter höhere mathematischen Kompetenzen, sind seltener arbeitslos und verdienen einen höheren Lohn“, erklärt Wiederhold.

Vor diesem Hintergrund hat Wiederhold für die Studie außerdem untersucht, welches Kosten-Nutzen-Verhältnis das Mentoring-Programm von „Rock Your Life!“ hat: „Den Nutzen des Programms messen wir in Form der lebenslangen Erträge auf dem Arbeitsmarkt, die die stark benachteiligten Jugendlichen infolge ihrer verbesserten Schulnoten erwarten dürfen. Aufgrund der großen Effekte und relativ niedrigen Kosten des Programms ergibt sich ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 15 zu 1. Würde sich das Programm ausschließlich an Jugendliche aus stark benachteiligten Verhältnissen richten, läge das Nutzen-Kosten-Verhältnis sogar bei 31 zu 1“, so Wiederhold. An „Rock Your Life!“ können nämlich auch Jugendliche aus weniger benachteiligten Verhältnissen teilnehmen. Bei diesen zeige das Programm jedoch keine positiven Effekte. Mentoring scheine also vor allem für stark benachteiligte Jugendliche zu wirken, denen es besonders an familiärer Unterstützung mangele, sagt Wiederhold weiter. Diese Zielgruppe empfinde zudem – wie die Befragungen gezeigt hätten – generell durch den Austausch mit den Mentorinnen und Mentoren eine größere Zufriedenheit mit ihrem Leben.

Folgen der Corona-Pandemie mitdenken

Vor dem Hintergrund einer zu erwartenden Zunahme der Bildungsungleichheiten in der Corona-Pandemie –  beispielsweise infolge von Schulschließungen – seien die Resultate der Studie gerade jetzt besonders relevant. „Der Befund, dass benachteiligte Jugendliche von Mentoring profitieren, ist sehr ermutigend, um ihnen effektiv zu helfen und die Chancengleichheit in der Gesellschaft zu verbessern“, betont Wiederhold.

Neben Wiederhold und Wößmann waren an der Studie auch Dr. Sven Resnjanskij vom ifo Institut und Prof. Dr. Jens Ruhose von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel beteiligt.

Zum Hintergrund

Die Kurzfassung der Studie: „Mentoring verbessert die Arbeitsmarktchancen von stark benachteiligten Jugendlichen“ von Sven Resnjanskij, Jens Ruhose, Simon Wiederhold und Ludger Wößmann, ist nachzulesen im „ifo Schnelldienst“ 2/2021. Die ausführliche Studie: „Can Mentoring Alleviate Family Disadvantage in Adolescence? A Field Experiment to Improve Labor-Market Prospects“ (CESifo Working Paper No. 8870) (PDF: 1,3 MB) ist ebenfalls öffentlich zugänglich.

Quelle: Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt vom 03.02.2021

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