Jugendsozialarbeit / Ganztagsbildung

„Familienklasse“ beugt vor, wenn Schüler Schwierigkeiten im schulischen Alltag haben

Mädchen malt an einer Tafel und schaut traurig zur Seite
Bild: rawpixel.com

Mit dem Kooperationsprojekt „Familienklasse“ wollen die Stadt Gütersloh, drei Gütersloher Schulen, der Bildungsträger IN VIA Paderborn e.V., die Reinhard Mohn Stiftung sowie die Bertelsmann Stiftung Schülerinnen und Schüler darin unterstützen, ihren schulischen Alltagbesser zu bewältigen. Schüler, die erste Anzeichen einer sich entwickelnden Schulverweigerung zeigen, lernen Verhaltensziele zu erreichen und Konflikte aufzuarbeiten. Denn nicht bearbeitete Konflikte sind oft die Ursache für Schulprobleme und einen späteren Schulabbruch.

Seit dem 1. Februar 2018 gibt es an der Anne-Frank-Schule und der Janusz-Korczak-Gesamtschule in Gütersloh das Projekt „Familienklasse“. An der Hauptschule Ost wird die „Familienklasse“ 2019 eingeführt. Das Projekt soll schulischen Problemen vorbeugen. Um einer drohenden Schulverweigerung frühzeitig entgegen zu wirken, sind eine regelmäßige Kommunikation zwischen Elternhaus und Schule von besonderer Bedeutung. Die Quote der Schüler, die im Kreisgebiet Gütersloh ihre Schule ohne Abschluss verlassen, liegt bei über fünf Prozent, und stellt eine große gesellschaftliche Herausforderung dar.

Ein Konzept für gemeinsame Ziele

„Bildung ist der Schlüssel für einen guten Start in das Leben. Das Projekt „Familienklasse“ unterstützt dabei erfolgreich Schüler, Eltern und Lehrer, die Schwierigkeiten des schulischen Alltags zu meistern. Deshalb haben wir uns entschlossen, dieses Projekt in Gütersloh zu fördern“, sagt Liz Mohn, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung.

Zusammenarbeit von Eltern, Lehrkraft und Fachkraft

An einem Tag der Woche kommen im Projekt „Familienklasse“ etwa zehn Schülerinnen und Schüler aus den Klassen fünf bis zehn mit einem Elternteil, einer Lehrkraft und einer Fachkraft von „IN VIA Paderborn e.V.“ zusammen. Dann arbeiten die Beteiligten an den Verhaltenszielen und begleiten die Umsetzung der Ziele über mehrere Wochen und Monate. Die Teilnahme an der Familienklasse endet in der Regel nach zwölf Besuchen. Darüber hinaus finden regelmäßige Gespräche mit den Jugendlichen und den Familien statt. Ein Schüler kann nur in die Familienklasse gehen, wenn zumindest ein Elternteil bereit ist, ebenfalls regelmäßig an der Familienklasse teilzunehmen.

Zum Abschluss des 40. Jubiläumsjahrs der Bertelsmann Stiftung erklärte Liz Mohn, stellvertretende Vorstandsvorsitzende: „Anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Bertelsmann Stiftung möchten wir der Stadt Gütersloh sowie den Gütersloher Bürgerinnen und Bürgern etwas zurückgeben. Daher finanziert die Bertelsmann Stiftung das Projekt mit 620.000 Euro bis August 2022.“

Die Stiftungen, die Stadt und die Schulen verfolgen gemeinsam folgende Ziele:

  • Die beteiligten Schülerinnen und Schüler verändern ihr Verhalten, sodass sie erfolgreich ihre Schullaufbahn beenden können.
  • Die Erziehungsberechtigten erweitern ihre Kompetenzen, die eigenen Kinder im schulischen Alltag zu unterstützen und zu stärken, um den Erwerb des Schulabschlusses zu unterstützen.
  • An den Schulstandorten soll das Konzept umgesetzt, die Wirksamkeit überprüft und damit zusätzliche Erfahrungen für einen möglichen Transfer an weitere Schulen geschaffen werden.
  • Die Schulleitungen, Lehrkräfte und die Schulsozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sollen das Konzept an der eigenen Schule etablieren. Am Ende der Laufzeit soll das Projekt in Kooperation mit dem Schulträger weiter umgesetzt werden, um die Quote der Schülerinnen und Schüler, die im Kreisgebiet Gütersloh die Schule ohne Abschluss verlassen, zu reduzieren.

Dafür haben sie sich die nötigen Leistungen wie folgt aufgeteilt:

  • Die Bertelsmann Stiftung finanziert das Projekt.
  • Die Stadt Gütersloh stellt an jeder Schule oder in direkter Nähe zur Schule einen Raum zur Verfügung, der für die „Familienklasse“ genutzt werden kann.
  • Die Schulen stellen sicher, dass die Klassenleitungen Schüler in die „Familienklasse“ entsenden und Zeit investieren, um mit dem Sozialarbeiter im Austausch zu sein.
  • Die Schulen sagen außerdem zu, dass sie den Austausch zwischen dem Sozialarbeiter der „Familienklasse“ und dem Schulsozialarbeiter ihrer Schule unterstützen.
  • Bildungsträger „IN VIA Paderborn e.V.“ führt die „Familienklasse“ in den drei teilnehmenden Schulen in Gütersloh durch. „IN VIA Paderborn e.V.“ erstellt eine Evaluation und stellt seine Netzwerke, Kontakte und seinen besonderen Zugang zur Zielgruppe zur Verfügung.
  • Die Reinhard Mohn Stiftung übernimmt für den gesamten Projektzeitraum die organisatorische Leitung des Projektes.

Projekt Familienklasse erfolgreich getestet

Bereits 2013 startete das Projekt in Hövelhof im Kreis Paderborn, 2014 in Büren und ist dort seitdem ein fester Bestandteil der schulischen Arbeit. „Die Erfolge, die wir in der Zusammenarbeit mit den Kindern und Jugendlichen und ihren Eltern haben, werden von den Beteiligten sehr positiv bewertet“, so Michael Stolpmann, Schulleiter der Krollbachschule Hövelhof. Aufgrund der positiven Erfahrungen wird die Familienklasse durch die Bertelsmann Stiftung nun an drei Schulen in Gütersloh gebracht.

Quelle: Bertelsmann Stiftung vom 23.03.2018

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