Wohnungslose Jugendliche

Corona-Krise verschärft Situation auf der Straße

Ein junger Mensch hockt in schmutziger Kleidung vor einer Steinmauer
Bild: © SOS-Kinderdorf e.V./Rita Eggstein Die ohnehin prekäre Lebenslage von wohnungslosen Jugendlichen hat sich diesen Winter massiv verschlechtert. SOS-Kinderdorf fordert Lösungen für wohnungslose Jugendliche.

Hunger, Kälte, kaum Zuspruch: Die ohnehin prekäre Lebenslage von wohnungslosen Jugendlichen hat sich diesen Winter in der Corona-Krise massiv verschlechtert. SOS-Kinderdorf fordert die Politik deshalb auf, schnell greifende Lösungen für wohnungslose und damit bedrohte junge Menschen zu schaffen.

Vielerorts gibt es kaum noch geöffnete Anlaufstellen und damit Möglichkeiten für warme Mahlzeiten, Körperpflege und psychologische Unterstützung. Gerade vor Weihnachten war dies eine schmerzliche Situation, psychische Belastungen nehmen spürbar zu. Die Freiburger StraßenSchule, ein Angebot von SOS-Kinderdorf, unterstützt junge Menschen direkt auf der Straße in ihrer schier ausweglosen Situation. Der Verein fordert die Politik deshalb auf, schnell greifende Lösungen für wohnungslose und damit bedrohte junge Menschen zu schaffen.

Corona-Krise verschärft die Gesamtsituation

Das Leben auf der Straße zeigte sich für Jugendliche und junge Erwachsene ohne Wohnsitz schon entbehrungsreich genug – und dann kam die Corona-Krise: Plötzlich haben sie keine Möglichkeiten mehr zum Aufwärmen und verbringen schlimmstenfalls auch bei Minusgraden Tag und Nacht unter freiem Himmel. Angebote der Wohnungslosenhilfe müssen jetzt bedingt durch die notwendigen Hygienemaßnahmen die Besucheranzahl begrenzen sowie die Verweildauer in ihren Räumlichkeiten extrem verkürzen. Viele junge Menschen müssen deshalb auf die Schnelle nacheinander versorgt werden mit dem Nötigsten: Mahlzeiten, Beratung oder auch Möglichkeiten zur Körperpflege etc. Gerade für Personen auf der Straße sind diese Orte jedoch als "Ersatzfamilien" überlebenswichtig: „Die Anlaufstellen für junge Wohnungslose bieten viel mehr als nur Aufenthaltsräume: Sie sind Orte der Gemeinschaft für junge Menschen, die kein Zuhause haben und die auch ohne Corona bereits häufig in großer Isolation und Einsamkeit leben. Sie bieten auch ‚seelisches Futter‘ und das ist nicht weniger wichtig als Nahrung oder Körperpflege“, erklärt Christine Devic, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Freiburger StraßenSchule. Dies gilt umso mehr, wenn sonstige öffentliche Aufenthaltsorte, wie Lokale und Behördengebäude, derzeit ganz geschlossen sind bzw. nur noch zu einem vereinbarten Termin betreten werden dürfen — oder lediglich für den Durchgangsverkehr und nicht zum Verweilen geöffnet sind. Die Freiburger StraßenSchule unterstützt die Jugendlichen in dieser fast ausweglosen Situation bestmöglich auch direkt auf der Straße: mit Schlafsäcken, heißem Tee, Wärmepacks, Gutscheinen für warme Mahlzeiten, Thermosflaschen usw.

Orientierungs- und Perspektivlosigkeit macht sich breit

Für junge Menschen ohne Wohnung ist die Corona-Pandemie eine weitere Krise in ihrem aktuellen Leben, die die Gesamtsituation jedoch verschärft. Die Ansätze zur Problemlösung, an denen schon vor der Pandemie gearbeitet wurde, sind in weite Ferne gerückt. Viele der jungen Menschen sind um Jahre zurück geworfen, sehen ihre mühsamen Entwicklungen unterbrochen. Orientierungs- und Perspektivlosigkeit macht sich breit. „Es ist dringend notwendig, dass diese Jugendlichen und jungen Erwachsenen gerade jetzt ein Dach über dem Kopf haben sowie fachlich gut begleitet und aufgefangen werden. Sie sind mehr denn je auf Möglichkeiten zum Aufenthalten und Wohnen angewiesen, die ihnen unkompliziert zur Verfügung gestellt werden müssen. Zusätzlich brauchen sie psychologische Unterstützung, die finanziert werden muss. Die Kinder- und Jugendhilfe hat dafür zu sorgen, ihre prekäre Lebenslage nachhaltig zu verbessern!“, fordert Kristin Teuber, Leiterin des Sozialpädagogischen Institutes.

Langfristige Lösungen sind unbedingt nötig

„Wer in der Wohnungslosigkeit angekommen ist, hat keine große Lobby“, mahnt Luise Pfütze, Advocacy-Referentin des SOS-Kinderdorf e.V. „Dass in Deutschland Minderjährige und junge Volljährige auf der Straße leben, ist beschämend und ein unhaltbarer Zustand. Denn für obdachlose Minderjährige und junge Volljährige ist die Jugendhilfe primär zuständig und muss Verantwortung übernehmen. Es müssen Angebote geschaffen und verlässlich finanziert werden, die sich an den konkreten Bedürfnissen junger Obdachloser orientieren und tatsächlich für sie wahrnehmbar sind. Die Vorweihnachtszeit öffnet an der einen oder anderen Stelle Ohren und schafft Mitgefühl. Aber damit ist es nicht getan: Es geht um strukturelle Verbesserungen, weshalb auch nach dem Jahreswechsel gerade in der Corona-Krise langfristig an obdachlose, wohnungslose und davon bedrohte junge Menschen gedacht werden muss – in der Politik und in der Gesellschaft“, so Luise Pfütze weiter.

SOS-Kinderdorf ist für wohnungslose junge Menschen da

In Freiburg kümmert sich der Verein zusammen mit dem Freiburger StraßenSchule e.V. seit vielen Jahren mit niedrigschwelligen Angeboten um diese vernachlässigte Gruppe Heranwachsender. Mit Streetwork und einer festen wie einer mobilen Anlaufstelle für die Betroffenen sowie individuellen Beratungshilfen begleitet die Freiburger StraßenSchule jährlich rund 500 Straßenjugendliche.

Auch das SOS-Kinderdorf Saarbrücken unterstützt wohnungslose Jugendliche mit Streetwork und bietet in einem offenen Jugendtreff Beratung und Orientierung. Wenn die Jugendlichen wieder Vertrauen in sich selbst und das Umfeld gefasst haben, können sie auch an speziell auf sie zugeschnittenen Angeboten der Ausbildungsvorbereitung teilnehmen.

Quelle: SOS-Kinderdorf e.V. vom 21.12.2020

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