Kinder- und Jugendarbeit / Kinder- und Jugendpolitik

Landjugend fordert mehr Jugendbeteiligung und bezahlbare Wohnungen auf dem Land

Ein Mädchen schaut mithilfe einer Räuberleiter über eine Mauer auf ein ländliches Gebiet
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Die 68. Landesversammlung der Katholischen Landjugend Bayerns hat zwei jugendpolitische Positionen beschlossen, die mehr Jugendbeteiligung und "Junges Wohnen auf dem Land" fordern. Diese passen zum neuen KLJB-Projekt "Stadt. Land. Wo? Was die Jugend treibt.", das bis 2019 in einer Studie erforschen will, was junge Menschen auf dem Land heute halten, gehen oder zurückkehren lässt.

Die 68. Landesversammlung mit rund 90 Delegierten und Gästen aus ganz Bayern vom 25. bis 28. Mai 2017 im Haus Werdenfels (Nittendorf, Landkreis Regensburg) beschloss zwei jugendpolitische Positionen, die mehr Jugendbeteiligung und "Junges Wohnen auf dem Land" fordern. Zudem wurde der Landjugendförderpreis im Rahmen der Landesversammlung an vier Preisträger verliehen. Der erste Preis ging dabei an den KLJB-Kreisverband Dingolfing-Landau.

Im Konferenzteil der Landesversammlung wurden zwei aktuelle Positionen der KLJB Bayern beschlossen, die der 26.000 Mitglieder starke katholische Verband in die Politik einbringen wird:

"Wir haben was zu sagen! Demokratie braucht Jugendpolitik"

Die KLJB fordert in ihrem Grundsatzbeschluss eine eigenständige Jugendpolitik auf allen politischen Ebenen, insbesondere Jugendbeteiligung in der Kommune. Das Wahlalter soll auf 14 gesenkt werden, weitere Forderungen sind Standards für "jugendfreundliche Kommunen" und mehr politische Bildung.

KLJB-Landesvorsitzende Regina Ganslmeier: "Jugendbeteiligung soll nicht abhängen von der zufälligen Offenheit der Bürgermeister oder Landrätinnen für das Thema. Sie soll in allen Kommunen zum Pflichtprogramm werden, um junge Menschen anzusprechen und in der Gemeinde zu halten. Die aktuellen Themenfelder Integration und Prävention von Rechtsextremismus sollten aus unserer Sicht jugendpolitisch besonders gefördert werden. Mit unserem detaillierten Beschluss und unseren Bildungsangeboten wollen wir dazu einen Beitrag leisten."

Beschluss "Wir haben  zu sagen! Demokratie braucht Jugendpolitik" (PDF, 432 KB)

"Junges Wohnen auf dem Land"

Die KLJB fordert in ihrem zweiten Beschluss mehr Planungen für junge Leute, um sie mit attraktiven Wohnungen auf dem Land zu halten oder zurückzubekommen.  
KLJB-Landesvorsitzender Rupert Heindl: "Nicht alle jungen Leute auf dem Land wollen gleich ein Eigenheim. Viele suchen vergeblich Mietwohnungen und stellen fest, dass es diese nur in der Stadt gibt, ebenso wie geförderten Wohnungsbau. Hier wollen wir Anregungen geben, wie Kommunalpolitik, aber auch Landespolitik mehr für bezahlbare, jugendgerechte und flexible Wohnungen auf dem Land tun können. Auch hier gilt, dass die Politik zuerst einmal die Landjugend selbst fragen muss, was sie sich für die Zukunft wünscht."

Beschluss "Junges Wohnen auf dem Land" (PDF, 251 KB)

"Let´s talk about faith!" – Glaubenskommunikation für die KLJB

In einem Studienteil am Freitag beschäftigte sich die KLJB in Workshops mit Fragen zum Themenbereich "Glaubenskommunikation", die viele Einblicke in die junge Kirche auf dem Land und ihre Veränderungen im mobilen Zeitalter brachten.

KLJB-Landesseelsorgerin Julia Mokry: "Manche Menschen wirken für die Jugend wie von einem anderen Stern, wenn sie im Alltag über Glauben sprechen. So war es gut, dass wir uns als Jugendverband in Workshops über den Glauben austauschen konnten. Denn zeitgemäße Jugendpastoral heißt, die Lebenswelt der Jugend in die kirchliche Jugendarbeit einzubeziehen und mit einer zeitgemäßen Kommunikation über unseren Glauben die Verknüpfung in den Alltag zu schaffen!"

Neuwahl und Verabschiedungen als KLJB-Landesvorsitzende

Die 24-jährige Simone Grill aus Röttenbach (Landkreis Roth) vom KLJB-Diözesanverband Eichstätt ist als eine von fünf ehrenamtlichen Landesvorsitzenden gewählt worden. Sie studiert "Medien-Ethik-Religion" (Master of Arts) an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen und hat bereits an der KLJB-Landesstelle ein Praktikum im Bereich Öffentlichkeitsarbeit gemacht. Simone Grill verbrachte nach dem Fachabitur 2011 ein Jahr im Weltfreiwilligendienst in Tansania und arbeitet seit einigen Jahren im AK Internationale Solidarität (AKIS) der KLJB Bayern mit. Als Diözesanvorsitzende der KLJB Eichstätt hatte sie 2013 bis 2016 viele Kontakte zur KLJB-Basis und zu Aktionen der KLJB-Landesebene. Das KLJB-Bildungshaus Fiegenstall der Diözese Eichstätt war ihr dabei immer ein persönliches Steckenpferd.

Simone Grill: "Ich wollte KLJB-Landesvorsitzende werden, weil die KLJB für mich zur Heimat wurde und weil hier nicht einfach nur zugesehen, sondern aktiv unsere Gesellschaft mitgestaltet wird!"

Am Samstagabend wurde Oliver Kurz (Eging am See) als ehrenamtlicher KLJB-Landesvorsitzender feierlich verabschiedet, Kurz muss nach drei Jahren aus beruflichen Gründen ausscheiden und war zuvor Diözesanvorsitzender der KJLB Passau. Er hatte u.a. das Projekt "Ausgewachsen. Wie viel ist genug?" mit geleitet und war für die neue Studie "Stadt. Land. Wo?" und "Landtag live" zuständig.

Neue KLJB-Studie "Stadt. Land. Wo? Was die Jugend treibt."

Die Beschlüsse der KJLB-Landesversammlung stehen vor dem Hintergrund einer gerade gestarteten Studie zur Landjugend mit dem Titel "Stadt. Land. Wo? Was die Jugend treibt.". Die KLJB betreibt die Studie bis 2019 mit dem Forschungsinstitut "isr" (Institut für Stadt- und Regionalmanagement, Prof. Dr.  Joachim Vossen) und mit Unterstützung des Bayerischen Umweltministeriums. Hier geht es um die wissenschaftliche Ermittlung von Faktoren, die junge Menschen auf dem Land heute halten, gehen oder zurückkehren lassen.

Verleihung Landjugendförderpreis 2017

Ein weiterer Höhepunkt war die alle zwei Jahre stattfindende Verleihung des Landjugendförderpreises durch den KLJB-Förderverein FILIB e.V.: Als Laudatoren kamen u.a. die ehemalige KLJB-Landesgeschäftsführerin Marianne Schieder, MdB (SPD) und die fränkische Weinkönigin Silena Werner, Mitglied der KLJB Stammheim.  Sie würdigten vier Aktionen und Projekte, die die KLJB vorangebracht, begeistert und inhaltlich bereichert haben:

  1. Preis: KLJB-Kreisverband Dingolfing-Landau (DV Passau/ Regensburg)
    Die KLJB erstellte nach mehreren tragischen Fällen in einem "AK Trauer" eine Handreichung für den Ernstfall des Lebens. Diese kann allen Ortsgruppen sofort helfen in einer solchen Ausnahmesituation, nimmt Rituale und Gebete in den Blick, ebenso das "was sage ich und wie?" am Grab oder im Kondolenzbesuch.
  2. Preis: KLJB Zeilarn (DV Passau, LK Rottal-Inn)
    Die KLJB-Ortsgruppe packte im Juni 2016 bei der Hochwasserkatastrophe im Landkreis Rottal-Inn an. Nach den aufwühlenden Erlebnissen wollten sie selbst noch mehr helfen und allen Betroffenen und Hilfskräften die Möglichkeit geben, eine Dankandacht mit anschließendem gemütlichen Beisammensein zu besuchen.
  3. Preis: KLJB Roggenburg (Diözese Augsburg, LK Neu-Ulm)
    Die KLJB Roggenburg veranstaltete im Frühjahr 2016 anlässlich ihres 30. Bestehens Gesundheitswochen "Mach mit bleib fit". Unter Einbindung örtlicher Betriebe, Vereine und Organisationen gab es vier Wochen lang ein buntes Programm.

Sonderpreis für Diözesanverbände: KLJB Regensburg: Der AK BRÖSL ("Bäuerliches, Regionales, Ökologisches und Sonstiges vom Land") des KLJB-Diözesanverbands Regensburg konnte mit ihrem kreativen Projekt "Insektenhotels" etwas Nachhaltiges schaffen, das für alle umsetzbar ist, an verschiedenen Standorten wirken kann und wenig Geld kostet.

Quelle: Landesstelle der Katholischen Landjugend Bayerns e.V. vom 28.05.2017

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