Kinder- und Jugendarbeit / Kinder- und Jugendpolitik

Jugendarbeit im Fokus – BAG Landesjugendämter betont pädagogischen und politischen Auftrag

Mehrere junge Erwachsene haben gemeinsam eine gute Zeit.
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Bei der 121. Arbeitstagung der BAG Landesjugendämter, die vom 23. – 25. November 2016 in Potsdam tagte, spielte die Positionierung im Aufgabenfeld Jugendarbeit eine zentrale Rolle. Zielsetzung dabei war es, die Rolle der Jugendarbeit im Gesamtsystem der Kinder- und Jugendhilfe und ihre Bedeutung für die Entwicklung junger Menschen zu akzentuieren. Die Bundesarbeitsgemeinschaft beschloss ein Positionspapier und richtet ihren Appell an die Hochschulen.

Das Positionspapier "Kommune als Ort der Jugendpolitik – Jugendarbeit in den Fokus stellen" rückt die kommunale Jugendförderung in den Mittelpunkt, die als "Scharnier zwischen den Jugendlichen, den Angeboten der Jugendarbeit und der kommunalen Jugendpolitik" agiert. Jugendarbeit hat einen pädagogischen und einen politischen Auftrag. Sie kann Räume für Jugendliche eröffnen, sie kann Beteiligungsmöglichkeiten aufzeigen, sie kann die jungen Menschen bei der Formulierung ihrer Interessen unterstützen und Wege aufzeigen, wie diese in den politischen Prozess eingespeist werden können.

Kommune als Ort der Jugendpolitik - Jugendarbeit im Fokus 

In diesem Zusammenhang kommt den Fachkräften und ihren spezifischen Qualifikationen eine zentrale Rolle zu. Hier liegt gleichzeitig ein Problemfeld, da die Jugendarbeit mit anderen Feldern der Jugendhilfe um eine geringer werdende Zahl von Fachkräften ringen muss. Als strategische Aufgaben der Jugendförderung werden u.a. die Weiterentwicklung der Beteiligungskultur, die Qualifizierung der Arbeit in den Jugendhilfeausschüssen, das konstruktive Miteinander von Haupt- und Ehrenamtlichen und die interkulturelle Öffnung beschrieben, die bei einer konsequenten Umsetzung die Jugendarbeit vor Ort beleben und so zu einer guten lokalen Kultur für junge Menschen beitragen können.

Jugendarbeit studieren - Appell an Hochschulen 

Damit dieser Prozess gelingen kann, braucht es einschlägig qualifizierte Fachkräfte. Gleichzeitig ist zu beobachten, dass es an den Hochschulen nahezu kein auf die Jugendarbeit bezogenes Qualifizierungsangebot gibt. Deshalb richtet die BAG Landesjugendämter einen Appell an die Hochschulen und Universitäten, der unter dem Titel "Jugendarbeit studieren – Zum Verschwinden eines genuinen sozialpädagogischen Arbeitsfeldes an Hochschulen und Universitäten" an die Lehrenden appelliert, "sich für die Einrichtung von Studienangeboten im Arbeitsfeld Jugendarbeit einzusetzen und dabei die Kooperation mit Trägern von Angeboten der Jugendarbeit zu suchen". Die Träger der Jugendarbeit werden aufgefordert, die Hochschulen bei der Etablierung von Studienangeboten zu unterstützen.

Umgang mit unbegleiteten Minderjährigen 

Ein weiterer Diskussionsschwerpunkt war der Umgang mit unbegleiteten Minderjährigen. Hierzu lag der Entwurf einer Empfehlung vor, der noch weiter entwickelt und bei der nächsten Arbeitstagung im April erneut vorgelegt wird.

In Bezug auf die bundesweite Verteilung minderjähriger Flüchtlinge, für die in den meisten Ländern die Landesjugendämter zuständig sind, wurden einige Beschlüsse gefasst, die zu einer gewissen Erleichterung des Verfahrens insbesondere im Hinblick auf die Familienzusammenführung beitragen sollen. So empfiehlt die BAG Landesjugendämter, das Merkmal „kurzfristig“ im Sinne des § 42 b Abs. 4 Nr. 3 SGB VIII extensiv auszulegen und dabei mindestens sieben Werktage, in begründeten Einzelfällen aber auch bis zu drei Wochen, noch als kurzfristig gelten zu lassen. Weiter wird sich die BAG beim Bundesgesetzgeber dafür einsetzen, dass die Verlängerungsoption des § 42 d Abs. 3 SGB VIII auch nach dem 31.12.2016 fortgelten kann und dass eine Klarstellung über den Geltungsumfang des § 88a Abs. 2 Satz 3 erfolgen soll, die verdeutlicht, ob dieser sich auch auf Altfälle und bereits installierte Hilfen zur Erziehung bezieht.

Weiterentwicklung der Adoptionslandschaft

Die AG Adoption legte Eckpunkte eines Strategiepapiers zur Weiterentwicklung der Adoptionslandschaft vor, die das Bundesministerium für Familie, Soziales, Frauen und Jugend mit Hilfe wissenschaftlicher Expertise derzeit plant und in die sich die Zentralen Adoptionsstellen mit eigenen Positionierungen einbringen wollen. Das Papier wird weiter entwickelt und bei der nächsten Arbeitstagung erneut zur Beratung vorgelegt.

Fachkräftegewinnung im Mittelpunkt

Die AG Öffentlichkeitsarbeit plant für das Jahr 2017 wieder Aktionswochen für Jugendämter, die dieses Mal das Thema Fachkräftegewinnung in den Mittelpunkt stellen werden. Sie hat hierfür schon ein Konzept entwickelt, vielfältige Materialien befinden sich in Vorbereitung. Am Messestand der BAG Landesjugendämter auf dem 16. Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag wird ein erster Einblick in das Vorhaben möglich sein.

Das Postionspapier der BAG Landesjugendämter und ihr Apell an Hochschulen und Universitäten steht unter Materialien zum Download zur Verfügung. Weitere Informationen zur Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter finden sich unter www.bagljae.de.

Quelle: Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter vom 10.01.2017

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