Kinder- und Jugendarbeit / Digitalisierung und Medien

Durchführung eines Jugendbarcamps – Spezielles

Ein orangefarbenes Banner mit der Aufschrift "Durchführung eines Jugendbarcamps - Spezielles"
Bild: jugend.beteiligen.jetzt

Der vorherige Beitrag dieser Artikelserie beschreibt die generelle Durchführung eines Jugendbarcamps. Dieser Artikel thematisiert nun mögliche Variationen, Besonderheiten und Spezielles bei der Durchführung.

Spezielles zum Format Barcamp

Workshops und vorab Geplantes

Wenn das Format Barcamp noch unbekannt ist, bieten sich eine feste Rahmung der Veranstaltung und vorab feststehende Programmteile an. Diese Elemente zielen darauf ab, eine gute Atmosphäre für alle Anwesenden zu schaffen, in der sich jede und jeder wohlfühlt. Denn die Offenheit des Formates spricht nicht alle Teilnehmenden auf Anhieb an und kann mitunter auch zu einer Überforderung führen. Bekannte Elemente wie Workshops, die vorher feststehen und in denen die Teilnehmenden erstmal „nur“ Zuhörende sein können, bieten eine Orientierung und ein gutes Ankommen und Einfinden. In den Workshops kann es zum Beispiel schon um Inhalte gehen, die thematisch zum Jugendbarcamp passen. Vielleicht gibt es Kooperationspartner/-innen, die Workshops anbieten können. Vorab geplante Workshops können natürlich auch angeboten werden, wenn das Format Jugendbarcamp schon bekannt und die Teilnehmenden damit vertraut sind. Sie können ein inhaltlicher Einstieg oder eine Einstimmung in den Tag sein. Alternativ kann über einen Input bzw. einen Einstiegsvortrag eines oder einer Expert/-in zum Thema nachgedacht werden. Dieser kann für die Teilnehmenden Inspirationen, Anregungen oder Anknüpfungspunkte für Sessions bieten. Es bietet sich an, am Ende des Inputs zwar Verständnisfragen zuzulassen, aber bewusst auf eine Diskussion zu verzichten. Denn diese Diskussionen können dann in den Sessions stattfinden.

Ein thematisch festgelegter Raum

Wenn das Thema sehr breit und offen formuliert ist, kann über die Möglichkeit eines thematisch festgelegten Sessionraumes nachgedacht werden. Damit wird ein Raum von vornherein mit einem Thema belegt, das die Sessions darin aufgreifen sollen. Zum Beispiel könnte bei einem Jugendbarcamp zu der weiteren Entwicklung eines Jugendzentrums festgelegt sein, dass die Sessions in dem Raum 3.02 das Thema internationaler Jugendaustausch behandeln sollen. Damit kann zum einen aus Sicht der Veranstalter sichergestellt werden, dass ein gewünschtes Thema auf jeden Fall Aufmerksamkeit bekommt. Zum anderen kann dieses Element den Teilnehmenden wieder Anregungen und Inspirationen für Sessions geben.

„Markt der Möglichkeiten“ oder „Praxiscafé“

Ein „Markt der Möglichkeiten“ oder „Praxiscafé“ als zusätzliches Rahmenprogramm, das das ganze Jugendbarcamp über angeboten werden kann, bietet neben den Sessions noch weitere Anlaufpunkte zum Austausch. So ein „Markt der Möglichkeiten“ kann auch ganz andere Namen haben, es geht dabei um Folgendes: Kooperationspartner/-innen, lokale Unternehmen, Initiativen, Vereine oder auch jede und jeder andere, der inhaltlich und thematisch etwas anzubieten hat, stellt sich und sein Angebot an einem Stand vor. Diese Stände sind zum Beispiel in einem Extraraum oder auf dem Flur aufgestellt und bieten den Teilnehmenden, in den Pausen und auch während der Sessionslots, die Möglichkeit, sich zu informieren, Angebote kennenzulernen und sich mit den Verantwortlichen auszutauschen. Soll es bei dem Jugendbarcamp zum Beispiel um Berufsmöglichkeiten und die Zukunft der Jugendlichen gehen, bietet es sich an, Expert/-innen aus der Praxis oder lokale Unternehmen einzuladen.

Neben dem Informieren kann es in einem „Praxiscafé“ auch um das konkrete Ausprobieren von Angeboten gehen. Auch hier können Menschen an Ständen ihre Angebote zeigen und direkt ausprobieren lassen, oder es sind thematisch passende Angebote zum Ausprobieren und Testen ohne Betreuung aufgebaut. Zum Beispiel könnten bei einem Jugendbarcamp, bei dem es um Computerspiele geht, verschiedene Games zur Verfügung stehen, die in den Pausen genutzt werden können. Hier bietet es sich an, Dinge vorzustellen, die die Jugendlichen vielleicht nicht sowieso schon aus ihrem Alltag kennen. Zum Beispiel könnten es Computerspiele und Hardware von früher sein, die noch ganz anders sind als das, was die Jugendlichen kennen.

Spezielles zum einem Barcamp mit Jugendlichen

Joker

Manchmal kann es für die jugendlichen Teilnehmenden hilfreich sein, auch während der Durchführung des Jugendbarcamps inhaltliche Unterstützung von erfahrenen Personen zu bekommen. Zum Beispiel dann, wenn sie gerne über ein Thema sprechen möchten, zu dem sie Fragen haben, die eher eine Expertin oder ein Experte beantworten kann. Dann können während des Barcamps sogenannte „Joker“ eingeplant werden. Joker sind Erwachsene mit einer bestimmten Expertise. Diese Joker werden zu Beginn vorgestellt und können (müssen aber nicht!) von den Jugendlichen in Anspruch genommen werden, indem sie beim Vorschlagen der Session gebeten werden, an der Session teilzunehmen und zu unterstützen. Für die Auswahl der Joker sollte schon während der Planungsphase im Team gefragt werden, ob die Jugendlichen irgendwo Unterstützung brauchen oder bei welchem Thema sie gerne jemanden an der Seite hätten.

Gemeinsames Zusammensein

Wenn die Gruppe der Teilnehmenden auf dem Barcamp vielleicht das erste Mal in dieser Konstellation zusammenkommt, bietet sich eine gemeinsame Abendveranstaltung an. Bei einem gemeinsamen Essen, einem Stadtrundgang, einer abwechslungsreichen sportlichen Aktivität oder ähnlichem können sich die Teilnehmenden noch einmal in einer gemütlichen Atmosphäre kennenlernen. Dabei können sich auch immer wieder Themen und Anliegen herausfiltern, die die Jugendlichen gemeinsam haben und dann vielleicht Teil einer Session werden. Besonders schön ist so eine Veranstaltung dann, wenn das Barcamp am nächsten Tag weitergeht. Denn in der Regel findet auch am zweiten Tag wieder eine Sessionplanung statt, bei der die Ideen vom Vorabend einfließen können.

Im nächsten Artikel geht es um die Dokumentationsformen und die Nachbereitung eines Jugendbarcamps.

 

Jugendbarcamps – Neue Artikelserie von jugend.beteiligen.jetzt

Das Projekt jugend.beteiligen.jetzt startet eine Artikelserie rund um das Thema Jugendbarcamp, einem offenen Veranstaltungsformat für und mit Jugendlichen. Im regelmäßigen Rhythmus erscheinen insgesamt acht Beiträge mit allem Wissenswerten, um selbst ein Jugendbarcamp durchführen zu können. Die Artikel werden begleitet von spannenden Interviews mit Einblicken in die Praxis. Menschen, die bereits Jugendbarcamps durchgeführt haben, berichten von ihren Erfahrungen, Erfolgen wie auch von den Do’s and Don’ts der Barcamp-Welt.

Feedback – eine partizipative Broschüre

Zu jedem Artikel gibt es die Möglichkeit, eigene Ideen und Erfahrungen zu teilen und Verbesserungen oder Ergänzungen zu den Artikeln zu geben. Hierfür steht ein Padlet, eine digitale Pinnwand zur Verfügung. Zum Ende der Artikelserie entsteht eine Barcamp-Broschüre, in die die Kommentare und Anregungen einfließen werden.

Quelle: jugend.beteiligen.jetzt Für die Praxis digitaler Partizipation

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