Kinder- und Jugendarbeit / Digitalisierung und Medien

Dokumentationsformen und Nachbereitung eines Jugendbarcamps

Orangefarbenes Banner mit der Aufschrift "Dokumentationsformen und Nachbereitung eines Jugendbarcamps"
Bild: jugend.beteiligen.jetzt

Im vorherigen Beitrag dieser Artikelserie ging es um mögliche Variationen, Besonderheiten und Spezielles bei der Durchführung eines Jugendbarcamps. In diesem Artikel werden die Dokumentationsformen und die Nachbereitung eines Jugendbarcamps erläutert und dafür geeignete digitale Werkzeuge vorgestellt.

Jugendbarcamps werden häufig dazu genutzt, um einen Beteiligungsprozess zu starten. Nach einem gelungenen Auftakt, bei dem sich alle Akteure kennenlernen konnten und das Vorhaben gemeinsam ins Leben gerufen wurde, geht es dann in intensive Arbeitsphasen. Auch in laufenden Beteiligungsprozessen werden Jugendbarcamps genutzt, um Zwischen- oder Endergebnisse vorzustellen und zu diskutieren, wie es anschließend weitergehen soll.

Das sind nur zwei Beispiele von vielen Einsatzmöglichkeiten dieser Veranstaltungsform. Aber beide machen eindeutig klar: Die Inhalte und Ergebnisse eines Jugendbarcamps sind wertvoll und müssen in jedem Fall sinnvoll dokumentiert werden, damit sie im Anschluss weiter bearbeitet werden können und auf keinen Fall verloren gehen. Sowohl Dokumentation als auch Nachbereitung der Veranstaltung werden online und offline erarbeitet. 

Dokumentation

Etherpad

In jeder Barcampsession wird die klassische Form der Mitschrift genutzt. Dies erfolgt in der Regel über ein Etherpad, welches bereits im Vorfeld der Session angelegt wurde, damit gleich ohne großen Aufwand dokumentiert werden kann. Besonders einfach ist dieser Schritt, wenn das Jugendbarcamp mit dem Barcamp-Tool Camper organisiert wird. Alle im Plan eingetragenen Sessions, führen bereits automatisch zu einem Etherpad. Der Vorteil eines Etherpads liegt in der ständigen Erreichbarkeit für alle, die den Link des Pads kennen. Jede/-r kann etwas hinzufügen und im Nachgang der Veranstaltung die Session nochmal nachvollziehen.

Bei der Mitschrift geht es nicht um ein wörtliches Transkript der Session. Vielmehr werden die relevanten Ergebnisse, Ideen oder Diskussionsstränge kurz festgehalten. Auch Links zu Videos, Podcasts, Studien und anderen denkbaren Datensammlungen finden hier ihren Platz. Es bietet sich an, zu Beginn einer Session eine/-n Teilnehmende/-n auszuwählen, die/der für die Mitschrift über das Etherpad verantwortlich ist, um die Dokumentation sicherzustellen. Selbstverständlich kann auch jede/-r andere mitschreiben und ergänzen.

Ein Etherpad ist eine einfache Arbeitsoberfläche zur kollaborativen Textarbeit, Ideensammlung und Diskussion, welche auf Open Source Software basiert. Jugend.beteiligen.jetzt empfiehlt das Yourpart Etherpad zu nutzen. Wie einfach es funktioniert und welche Vorteile es mit sich bringt, ist auf der Webseite von jbj nachzulesen.

Plakat

Ergänzend zur Mitschrift kann während der Session ein Plakat angefertigt werden. Am einfachsten ist es, wenn ein bereits vorbereitetes, auf Papier gedrucktes Musterplakat bearbeitet wird. Alle fertigen Plakate werden dann an einem prominenten Ort im Veranstaltungsgebäude aufgehängt. So haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich über Sessions zu informieren, an denen sie nicht teilgenommen haben. Auf dem Plakat werden das Thema der Session sowie Fragen und Ideen festgehalten. Außerdem wird aufgeführt, wer an der Session teilgenommen hat. Das erleichtert es Teilnehmenden, noch einmal miteinander ins Gespräch kommen.

Auf der Webseite von sketchnotes lässt sich ein Muster-Plakat (CC-BY 3.0) im PDF-Format zur Dokumentation einer Barcamp Session herunterladen.

Nachbereitung

Ergebnisse sichtbar machen

Nach dem Jugendbarcamp ist es sinnvoll, den Teilnehmenden noch einmal die Links zu den Etherpads zur Verfügung zu stellen. Außerdem können die Plakate abfotografiert und gemeinsam mit anderen Fotos der Veranstaltung ebenfalls zur Verfügung gestellt werden. Am einfachsten ist es an dieser Stelle, die bereits im Vorfeld genutzten Kommunikationskanäle zu bespielen.

Auf diesem Weg sollte auch noch einmal kommuniziert werden, was mit den Ergebnissen der Veranstaltung passiert und wie es weiter geht. Um Verbindlichkeit zu schaffen und die Mitstreiter/-innen auf dem Weg nicht zu verlieren, ist es wichtig, den Prozess so transparent wie möglich zu gestalten und dort, wo hinter verschlossenen Türen diskutiert und entschieden wird, Öffentlichkeit herzustellen.

Evaluation

In der Evaluation lassen sich zum Beispiel Organisation, Verpflegung, Unterbringung und Stimmung bewerten. Sie bietet aber auch die Möglichkeit zu erfahren, auf welchem Weg die Teilnehmenden auf die Veranstaltung aufmerksam geworden sind und über welche Kanäle sie sich dazu informiert haben. Auch offene Fragen sind möglich, um zu erfahren, was als besonders gelungen, oder als gar nicht gelungen empfunden wurde und um Verbesserungsvorschläge einzuholen.

Es ist möglich, die Evaluation noch vor Ort durchzuführen und in der Schlussrunde einen Fragebogen auszuhändigen, der anschließend direkt wieder eingesammelt wird. Wenn aber Teilnehmende die Veranstaltung frühzeitig verlassen müssen oder zum Ende hin die Zeit doch noch knapp wird, besteht die Gefahr, dass der Rücklauf relativ gering ausfällt.
Daher ist es unter Umständen sinnvoll, eine Online-Evaluation durchzuführen, die für jeden Teilnehmenden auch nach der Veranstaltung erreichbar ist.

Tools

Eine solche Umfrage ist recht einfach zum Beispiel über Facebook oder Google zu erstellen und in die bereits genutzten Kommunikationskanäle integrierbar. Ein Beispiel-Fragebogen ist auf dem Blog Barcamp politische Bildung abrufbar, dass mit GoogleForms erstellt wurde.

Andere mögliche Werkzeuge, um Umfragen zu erstellen sind die US-Amerikanischen Tools SurveyMonkey und easy-feedback, die bereits jeweils in den Grundversionen kostenlos sind. Das Tool Limesurvey erfordert etwas Einarbeitung, kann aber dann auf dem eigenen Server betrieben werden und bietet damit eine hohe Datensicherheit.
Auch andere zusätzliche Formen der Evaluation wie (Video-)Interviews sind denkbar.

Im nächsten Artikel gibt es Antworten auf die FAQs zum Thema Jugendbarcamps sowie weitere Informationen, Links und Materialien.

Jugendbarcamps – Artikelserie von jugend.beteiligen.jetzt

Das Projekt jugend.beteiligen.jetzt startete im Sommer 2019 eine Artikelserie rund um das Thema Jugendbarcamp, einem offenen Veranstaltungsformat für und mit Jugendlichen. Im regelmäßigen Rhythmus erschienen insgesamt acht Beiträge mit allem Wissenswerten, um selbst ein Jugendbarcamp durchführen zu können. Die Artikel werden begleitet von spannenden Interviews mit Einblicken in die Praxis. Menschen, die bereits Jugendbarcamps durchgeführt haben, berichten von ihren Erfahrungen, Erfolgen wie auch von den Do’s and Don’ts der Barcamp-Welt.

jugend.beteiligen.jetzt lädt dazu ein, per E-Mail eigene Ideen und Erfahrungen zu teilen und Verbesserungsvorschläge oder Ergänzungen zu den Artikeln zu geben.

Quelle: jugend.beteiligen.jetzt Für die Praxis digitaler Partizipation

DE 3.0 – Namensnennung CC BY 3.0

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