Kinder- und Jugendarbeit / Flucht und Migration

DOSB-Präsident: Sport spricht alle Sprachen

DOSB-Präsident Thomas Bach hat beim vierten Integrationsgipfel im Bundeskanzleramt die Integrationskraft des deutschen Sports betont.

„Der Sport bietet eine einzigartige Möglichkeit, Migrantinnen und Migranten jeden Alters zu erreichen. Sport baut Brücken und spricht alle Sprachen. Sport verbindet und schafft soziale Kontakte“, sagte Bach vor Vertretern aus Politik, Medien, Migrantenorganisationen, Arbeitgeberverbänden, Gewerkschaften und Sportverbänden, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Bach verwies auf die Erfolge des Programms „Integration durch Sport“, das seit 1989 existiert und vom Bundesministerium des Innern gefördert wird: 38.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, von denen 55 Prozent einen Migrationshintergrund haben, sind in rund 2000 integrativen Sportgruppen aktiv. Sie werden von 1200 Übungsleitern betreut, von denen etwa die Hälfte einen Migrationshintergrund haben. In fast 90 Prozent der Sportgruppen treiben Einheimische und Zuwanderer gemeinsam Sport. „500 sogenannte Stützpunktvereine beteiligen sich an dem Programm“, berichtete Bach. Sechs Integrationsbotschafterinnen und Integrationsbotschafter sind für den DOSB aktiv, um das Thema Integration in die Verbände zu tragen und die Äffentlichkeit mit ihren gelebten Erfahrungen im Sport zu sensibilisieren 

Zudem hob der DOSB-Präsident das Netzwerkprojekt „Bewegung und Gesundheit - mehr Migrantinnen in den Sport“ hervor, das vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert wird. Die einzelnen Projekte in 20 Vereinen werden vom Deutschen Ju-Jutsu-Verband, der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft, dem Deutschen Turner-Bund, dem Landessportverband Baden-Württemberg und der Sportjugend Berlin gesteuert. Über 70 Kursangebote gibt es mittlerweile. Darüber hinaus werden zahlreiche Projekte auf der Landesebene umgesetzt.

„Ob bei den Olympischen Spielen in Peking und Vancouver oder der Fußball-WM in Südafrika - der deutsche Spitzensport ist ein gutes Beispiel für gelungene Integration“, erklärte Bach. So gehörten der Olympiamannschaft des Deutschen Olympischen Sportbundes in Peking mehr als 40 Athleten an, deren Wurzeln im Ausland liegen, darunter der Mannschafts-Olympiavierte im Turnen, Eugen Spiridonov (gebürtiger Russe), und die in China geborene Badminton-Viertelfinalistin Xu Huaiwen. In Vancouver waren es ein Dutzend Athleten, darunter die Olympiadritte im Eiskunstlaufen, Aljona Savchenko. Bei der Fußball-WM in Südafrika hatten elf Spieler der 23-köpfigen deutschen Auswahl einen Migrationshintergrund. „Kaum Sprachbarrieren, allgemeingültige Regeln, Persönlichkeitsbildung und gesellschaftliche Akzeptanz - das sind nur einige Punkte, die aus einem Fremden bald einen Mitspieler machen“, so Bach.

Wie der Sport für sozial benachteiligte Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund Brücken bauen kann, zeigte Bach anhand von Beispielen auf. So kooperiert der Deutsche Olympische Sportbund mit der Bundesagentur für Arbeit, um insbesondere Menschen in Langzeitarbeitslosigkeit wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. „Im Sport gibt es immer mehr Projekte, die helfen, dass junge Menschen, insbesondere in sozialen Brennpunkten, über den Sport wieder Anschluss finden, indem sie Netzwerke aufbauen so wieder einen Übergang ins Berufsleben schaffen“, sagte Bach. Zudem biete der Sport einen anderen Zugang zur Sprache. „Wer am Sport teilhaben will, muss sich verständigen können, um mit anderen zusammen Erfolg haben zu können.“

Die Erfolge dürften aber nicht darüber hinweg täuschen, dass noch viel Arbeit vor dem Sport liege, fuhr Bach fort. Migrantinnen und Migranten seien - gemessen am Bevölkerungsanteil - in den rund 91.000 Sportvereinen nach wie vor unterrepräsentiert. „Dieses Verhältnis gilt es zu verbessern. Außerdem wollen wir mehr Migrantinnen und Migranten als Übungsleiter und Funktionsträger. „Menschen mit Migrationshintergrund für den Sport zu begeistern und für unsere Sportvereine zu gewinnen, ist unser vorrangiges Ziel. Das ist der Beitragt des Sport für eine gelingende gesellschaftliche Integration“, sagte Thomas Bach.

Quelle: Deutscher Olympischer Sportbund

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