Hilfen zur Erziehung / Betriebserlaubnis

Intensivpädagogische Jugendhilfeeinrichtung nimmt in Hessen Betrieb auf

Jugendlicher mit Kapuze vor Computer
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Kindern und Jugendlichen müssen alle notwendigen Möglichkeiten eröffnet werden, um sich zu entfalten und die bestmöglichen Startchancen für die Zukunft zu erhalten. Das erklärte der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner anlässlich der Übergabe der Betriebserlaubnis für die intensivpädagogische Gruppe im Jugendhilfezentrum Don Bosco Sannerz in Sinntal.

„Wir können uns nicht immer nur auf die Kinder und Jugendlichen konzentrieren, die ohne große Probleme in unserer Gesellschaft leben“, hob der Minister hervor. „Wir müssen auch die Kinder und Jugendlichen im Blick haben, die Probleme mit Selbst- oder Fremdgefährdung haben. Hierbei müssen wir eine zugewandte Form der Betreuung und Versorgung wählen.“ Die geschützte Unterbringung der intensivpädagogischen Gruppe, die im Jugendhilfezentrum Don Bosco Sannerz in Sinntal geschaffen wurde und nun ihre Arbeit aufnimmt, sei eine Einrichtung, die sich künftig strafunmündigen männlichen Kindern und Jugendlichen zuwende, die bereits Probleme mit Delinquenz, Gewalttätigkeit oder Schulverweigerung hatten.

Es sei erklärtes Ziel der Hessischen Landesregierung, dem hohen Maß an Betreuung und Versorgung dieser Kinder und Jugendlichen gerecht zu werden, so Grüttner weiter. Bei der geschützten Unterbringung in Sinntal, die an das bereits seit vielen Jahrzehnten bestehende Jugendhilfezentrum Don Bosco Sannerz angegliedert ist, handelt es sich um ein intensivpädagogisches Angebot, in dem bis zu acht Jungen in der Regel zwischen zehn und 13 Jahren mit einem besonderen Betreuungsbedarf untergebracht werden können. Bislang werden die betroffenen Kinder und Jugendlichen von den hessischen Trägern der Kinder- und Jugendhilfe in anderen Bundesländern untergebracht, da es in Hessen bisher kein geeignetes Angebot gab. Eine Umfrage unter den Trägern der örtlichen Jugendhilfe hatte 2011 ergeben, dass in den Jahren 2005 bis 2011 insgesamt 45 Kinder und Jugendliche in anderen Bundesländern untergebracht wurden.

Das Konzept der intensivpädagogischen Jugendhilfe, die künftig in der Einrichtung in Sinntal erfolgen wird, legt den Focus auf eine integrierende Pädagogik und arbeitet mit vielfältigen Präventions- und Schutzmaßnahmen der Jugendhilfe. Dabei ist eine stationäre und zeitlich befristete Einschränkung der Bewegungsfreiheit lediglich eine Facette der Betreuung, die beispielsweise dazu dienen kann, einen Zugang zu den Kindern oder Jugendlichen zu bekommen. Sie ist jedoch nur ein Instrument neben den wichtigen weiteren Jugendhilfeangeboten. Erklärtes Ziel ist eine schrittweise Überführung der Kinder und Jugendlichen in offene Betreuungsmöglichkeiten.

Durch den hohen Betreuungsschlüssel und die 24-Stunden-Betreuung in der Gruppe wird eine intensive pädagogische Arbeit mit und für die Kinder und Jugendlichen sichergestellt. Die Unterbringung im intensivpädagogischen Angebot im Jugendhilfezentrum Don Bosco Sannerz in Sinntal orientiert sich am jeweiligen Betreuungsbedarf und soll nicht länger als 24 Monate dauern. Die intensivpädagogische Gruppe ist Bestandteil der Gesamteinrichtung und partizipiert von den bereits vorhandenen Angeboten und Serviceleistungen im Jugendhilfezentrum. Die Aufnahme von Kindern und Jugendlichen in der intensivpädagogischen Gruppe soll dabei keine Sackgasse sein, sondern kann bei guten Entwicklungen in die weiterführenden Angebote – sei es direkt vor Ort, oder im vorherigen Lebensumfeld der Kinder und Jugendlichen – eine Perspektive für die Jungen darstellen. Dabei haben sie die Option auf einen Schul- oder Ausbildungsabschluss.

Grundlage für eine Unterbringung in der intensivpädagogischen Gruppe ist immer ein entsprechender Beschluss des Familiengerichts und eine differenzierte Bedarfsanalyse. Das Angebot der geschützten Unterbringung im Jugendhilfezentrum Don Bosco Sannerz wird vom Träger mit einer wissenschaftlichen Begleitung flankiert, um fundierte und valide Kenntnisse über Wirksamkeit und Nachhaltigkeit zu erhalten und so eine optimale Entwicklung und Anpassung der angebotenen Hilfe sicherzustellen. Das Land wird sich an den Kosten für die wissenschaftliche Begleitung mit bis zu 50.000 Euro beteiligen.

Der Träger der Einrichtung, Don Bosco Sannerz, erhielt im Mai 2008 eine Landeszuwendung von 1,3 Millionen Euro für Baumaßnahmen, in deren Rahmen auch die geschützte Unterbringung eingerichtet wurde.

Quelle: Hessisches Sozialministerium vom 13.09.2012

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