Sozialforschung

Ostdeutsche Frauen zieht es in die Städte

Ein Koffer
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Der Beauftragte der Bundesregierung für die Neuen Bundesländer, der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister des Inneren, Dr. Christoph Bergner, hat heute eine Studie zu Ursachen und Folgen der selektiven Abwanderung junger Männer und Frauen aus Ostdeutschland veröffentlicht.

Aus der Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung geht hervor, dass die Ost-West-Wanderung stark rückläufig ist und gegenüber der Wanderung in die Zentren der Neuen Länder in den Hintergrund tritt. Dazu erklärt Dr. Bergner: „Dass die jungen Menschen ihrer Heimatregion verbunden bleiben, ist eine sehr positive Entwicklung für die Zukunftsfähigkeit Ostdeutschlands.“

Die so genannte geschlechtsselektive Wanderung hat inzwischen aber zu beträchtlichen Ungleichgewichten in der räumlichen Geschlechterverteilung geführt. Die Studie begründet die starke weibliche Abwanderung in der Altersgruppe von 18 bis 24 Jahren aus den ländlichen Regionen insbesondere mit dem Mangel an beruflichen Perspektiven. Die geschlechtsselektive Abwanderung ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass Frauen ihre Situation realistisch einschätzen und ihre Chancen nutzen. Sie verfügen über hohe schulische Abschlüsse und eine starke Erwerbsneigung. Sie entscheiden sich daher für Städte mit besseren Bildungsangeboten, hoher Lebensqualität und ökonomischen Perspektiven. Das Phänomen der Abwanderung junger Frauen aus ländlichen Regionen findet sich sowohl in den alten Bundesländern als auch in anderen europäischen Ländern. Das Ausmaß der Geschlechterungleichgewichte in Ostdeutschland ist jedoch europaweit einzigartig.

Die politischen Möglichkeiten, die Abwanderung zu beeinflussen bzw. zu steuern, seien begrenzt, ergänzt Dr. Bergner. Das bedeute jedoch nicht, die Entwicklung einfach hinzunehmen. Die im April verabschiedete Demografiestrategie der Bundesregierung setzt im Handlungsfeld Lebensqualität in ländlichen Räumen gerade hier einen besonderen Schwerpunkt. Attraktive Arbeitsangebote, bedarfsgerechte Mobilität, soziale Netzwerke, größere Gestaltungs- und Partizipationsräume sind Faktoren, die ein Leben auf dem Land auch für junge Frauen nach der Ausbildungsphase attraktiv machen können.

Quelle: Bundesministerium des Innern