Jugendforschung / Migration

Selbst-Identifikation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund beeinflusst ihre Freundschaften

Sieben multikulturelle Jugendliche zeigen sich freundschaftlich
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Die ethnische Selbst-Identifikation von Jugendlichen hat einen wichtigen Einfluss auf die Art von Freundschaften, die sie in der Schule knüpfen – in sehr diversen Schulen sogar mehr als die ethnische Herkunft. Dies zeigt eine gemeinsame Studie von Psychologen der Universität Leipzig und Soziologen der Universität Mannheim.

Jugendliche mit Migrationshintergrund unterscheiden sich darin, welche ethnische oder nationale Identität für sie besonders wichtig ist. Psychologen der Universität Leipzig und Soziologen der Universität Mannheim haben in einer gemeinsamen Studie herausgefunden, dass diese ethnische Selbst-Identifikation einen wichtigen Einfluss auf die Art von Freundschaften hat, die diese Jugendlichen in der Schule knüpfen. „Manche dieser Jugendlichen sehen sich primär als Deutsche, andere primär als Mitglieder ihres Herkunftslandes, und wieder andere vereinen beide Identitäten in sich“, erklärt Dr. Philipp Jugert vom Institut für Psychologie der Universität Leipzig.

Gemeinsam mit Dr. Lars Leszczcensky und Sebastian Pink von der Universität Mannheim analysierte er soziale Netzwerke von über 1.000 Schüler(inne)n aus Nordrhein-Westfalen. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen erschienen gerade in der renommierten Fachzeitschrift „Journal of Research on Adolescence“.

Ethnische Selbst-Identifikation wirkt sich auf Freundschaften aus

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Identifikation als Deutsche/-r oder eine duale Identität sich förderlich auf Beziehungen mit Schüler(inne)n mit und ohne Migrationshintergrund auswirkt. Dagegen habe eine ausschließlich ethnische Identität negative Auswirkungen auf die Beziehungen zu anderen Schüler(inne)n. Die Schüler/-innen im Alter von 9 bis 17 Jahren füllten über einen Zeitraum von 18 Monaten dreimal einen Fragebogen zu ihren Freundschaftsbeziehungen in der Schule und ihrer ethnischen Selbst-Identifikation aus.

Soziale Netzwerkanalysen als Teil der Studie

Die Forscher untersuchten die gewonnenen Daten mit sozialen Netzwerkanalysen. Dabei konnten sie eine Reihe von bekannten Einflüssen auf Freundschaftsbeziehungen kontrollieren. Dazu gehören unter anderem das gleiche Geschlecht, die gleiche ethnische Herkunft, der gleiche Musikgeschmack, gleiche Sportaktivitäten, Ähnlichkeiten im sozioökonomischen Status, gleiche Deutschkenntnisse und die gleiche Nachbarschaft, die gleiche Schulklasse oder die gleiche Grundschule. Bei allen diesen Faktoren geht die Fachwelt davon aus, dass sie Freundschaften wahrscheinlicher machen.

„In den Analysen wurde die bekannte Tendenz, Freundschaften mit Schülern des gleichen Herkunftslandes zu bevorzugen, kontrolliert. Das bedeutet, dass die ethnische Selbst-Identifikation – zumindest in diesen ethnisch sehr diversen Schulen – den Einfluss der ethnischen Herkunft übertrumpfen kann. Dies ist ein positives Signal für die Frage, wie man positive Beziehungen zwischen Schülern verschiedener Herkunft in ethnisch immer diverseren Schulen fördern kann“, betont Jugert.

Die Veröffentlichung im Original mit dem Titel „The effects of ethnic minority adolescents’ ethnic self-identification on friendship selection." findet sich auf der Webseite des „Journal of Research on Adolescence“.

Quelle: Universität Leipzig vom 17.08.2017

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