Bildungsforschung / Bildungspolitik

Bildung auf einen Blick 2018: OECD-Indikatoren zu den Bildungssystemen weltweit

Schüler/-innen schauen gemeinsam mit ihrem Lehrer in einer Bibliothek auf einen Globus.
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Die Studie „Bildung auf einen Blick: OECD-Indikatoren“ untersucht, wie es um die Bildung weltweit bestellt ist. Sie enthält Daten zum Aufbau, zur Finanzierung und zur Leistung der Bildungssysteme in den 36 OECD-Ländern und einer Reihe von Partnerländern. Es seien mehr Anstrengungen nötig, um die Chancengleichheit in der Bildung zu erhöhen. Der berufliche und soziale Status der Eltern bleibe weiterhin der wichtigste Faktor, der die Teilnahme an Bildung sowie wirtschaftlichen und sozialen Erfolg beeinflusse, so das zentrale Ergebnis der Untersuchung.

So nehmen Kinder, deren Mütter über keinen höheren Bildungsabschluss verfügen, seltener an frühkindlicher Bildung und Betreuung teil als die Kinder von Hochschulabsolventinnen oder Frauen mit vergleichbarem Abschluss. Und obwohl viele Untersuchungen zeigen, dass die kognitive Entwicklung eines Kindes bereits lange vor dem Eintritt in das Schulalter beginnt, geben die Regierungen noch immer einen geringeren Anteil öffentlicher Gelder für frühkindliche Bildung und Betreuung aus als für höhere Bildung. 

Bildungsstand der Eltern spielt eine große Rolle 

In Deutschland nimmt heute ein deutlich höherer Anteil der unter 3-Jährigen an frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung teil als noch vor zehn Jahren. Doch auch hier spielt der Bildungsstand der Eltern eine große Rolle. Wenn die Mutter einen höheren Bildungsabschluss hat, liegt die Betreuungsquote bei 49 Prozent, bei Müttern ohne Tertiärbildung liegt sie nur bei 37 Prozent.

Gleichzeitig nehmen Kinder aus benachteiligten Verhältnissen seltener weiterführende Bildungsangebote in Anspruch. Jugendliche, deren Eltern über keinen höheren Bildungsabschluss verfügen, entscheiden sich häufiger für eine Berufsausbildung als für allgemeinbildende Bildungsgänge und beenden diese mit geringerer Wahrscheinlichkeit. Dies wiederum wirkt sich auf ihre spätere Teilnahme an der Hochschulbildung aus, wo der Anteil der Studienanfänger mit Eltern ohne höheren Bildungsabschluss gering ist. 

Anteil der Studienanfänger mit Eltern ohne höheren Bildungsabschluss gering

In Deutschland haben 58 Prozent der 25- bis 64-Jährigen mit mindestens einem Elternteil mit Abschluss im Tertiärbereich ebenfalls einen tertiären Bildungsabschluss. Unter Erwachsenen, deren Eltern höchstens einen Abschluss im Sekundarbereich II oder im postsekundären nichttertiären Bereich erreicht haben, ist der Anteil halb so groß (29 Prozent).  

Dabei ist gute Bildung heute wichtiger denn je. Technischer Wandel, Digitalisierung und Innovation erhöhen den Wert höherer Bildung, da sie das Angebot an Arbeitsplätzen mit mittleren Qualifikationen verringern. So sind auch in Deutschland die Beschäftigungs- und Einkommensvorteile von Absolventen des Tertiärbereichs weiterhin hoch, obwohl der Anteil der Hochschulabsolventen in den vergangenen Jahren stetig gewachsen ist. 

Zentrale Ergebnisse für Deutschland: 

  • Die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE) ist in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten stärker in den Blickpunt der politischen Aufmerksamkeit gerückt. 2016 besuchten 37% der Kinder unter 3 Jahren FBBE-Einrichtungen, was einem Anstieg um 20 Prozentpunkte gegenüber dem Jahr 2005 entspricht. In Deutschland nehmen 49% der Kinder unter 3 Jahren, deren Mütter einen Tertiärabschluss haben, an FBBE-Angeboten teil, im Vergleich zu lediglich 37% der Kinder von Müttern ohne Tertiärbildung.
  • In Deutschland verlassen die meisten jungen Erwachsenen die Schule mindestens mit einem Sekundarbereich-II-Abschluss, all jene ohne Basisqualifikation müssen indessen große Nachteile in Kauf nehmen. Im Jahr 2017 verließen 13% der 25- bis 34-Jährigen die Schule ohne Abschluss im Sekundarbereich II. Davon sind 15% arbeitslos, fünfmal so viel wie bei Personen mit mindestens Sekundarbereich-II-Abschluss (3%).
  • Etwa jeder zehnte 15- bis 29-Jährige befindet sich weder in Beschäftigung noch in Bildung oder Ausbildung (NEET), was einer der niedrigsten Anteile in den OECD-Ländern ist. Unter den im Ausland geborenen jungen Erwachsenen befindet sich allerdings jeder Vierte weder in Beschäftigung noch in Bildung oder Ausbildung, eine Zahl, für die sicherlich auch der hohe Zustrom an jungen Flüchtlingen in den vergangenen Jahren ausschlaggebend ist, die sich derzeit noch im Integrationsprozess befinden.
  • Die Zugangsquoten zum Tertiärbereich steigen in Deutschland derzeit an, und deutlich mehr als die Hälfte aller jungen Erwachsenen nimmt ein Hochschulstudium auf. Denjenigen, die nicht studieren möchten, bieten Berufsqualifikationen in Deutschland einen sichereren Weg in die Beschäftigung. Die Beschäftigungsquoten 25- bis 34-Jähriger mit Abschluss im Sekundarbereich II oder postsekundären Bereich – meistens Absolventen beruflicher Bildungsgänge – sind nahezu genauso hoch wie die der Personen mit Tertiärabschluss (83% im Vergleich zu 87%).

Die vollständige Ländernotiz mit ausführlichen Analysen zum deutschen Bildungssystem (PDF 1,6 MB) steht auf der Webseite der OECD zum Download zur Verfügung. Dort finden sich auch Ländernotizen für Österreich (PDF 1,5 MB) und die Schweiz (PDF 1,3 MB) sowie die weiteren OECD-Mitgliedsstaaten

Die vollständige Studie  „Bildung auf einen Blick: OECD-Indikatoren“ steht als Online-Veröffentlichung in deutscher Sprache in der OECD-Bibliothek zur Verfügung.  

Hintergrund 

Bildung auf einen Blick – OECD-Indikatoren ist die maßgebliche Quelle für Informationen zum Stand der Bildung weltweit. Bildung auf einen Blick bietet Daten zu den Strukturen, der Finanzierung und der Leistungsfähigkeit der Bildungssysteme der 35 OECD-Länder sowie einer Reihe von Partnerländern. Mit mehr als 100 Abbildungen und Tabellen in der Veröffentlichung selbst und dem Zugriff auf weitere Daten in der OECD-Bildungsdatenbank bietet Bildung auf einen Blick 2018 wesentliche Informationen zum Erfolg der Bildungseinrichtungen, zu den Auswirkungen des Lernens in den einzelnen Ländern, zu Bildungszugang, Bildungsbeteiligung und Bildungsverlauf, zu den in Bildung investierten Finanzressourcen sowie zu Lehrkräften, dem Lernumfeld und der Organisation der Schulen. Zu den in dieser Ausgabe neu hinzugekommenen Aspekten gehören:

  • ein Schwerpunkt auf Chancengerechtigkeit mit Analysen dazu, wie der Bildungsverlauf und die damit verbundenen Lern- und Arbeitsmarktergebnisse beeinflusst werden durch Parameter wie Geschlecht, Bildungsstand der Eltern, Migrationshintergrund und Standort
  • ein Kapitel zur Zielvorgabe 4.5 des bildungspolitischen Ziels der Agenda 2030 (SDG 4) zu Chancengerechtigkeit im Bildungswesen mit einer Einschätzung, inwieweit es den OECD- und Partnerländern gelungen ist, in allen Bildungsbereichen einen gleichberechtigten Zugang zu einer qualitativ hochwertigen Bildung zu gewährleisten
  • ein neuer Indikator zu Chancengerechtigkeit beim Eintritt in den Tertiärbereich und den entsprechenden Abschlüssen
  • ein neuer Indikator zu den Entscheidungsebenen im Bildungswesen
  • Daten zu den gesetzlichen bzw. vertraglich vereinbarten Gehältern von Schulleitern
  • Daten zu Wiederholern im Sekundarbereich I und II (allgemeinbildend)
  • Trenddaten zu den Ausgaben für frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE) sowie Daten zur Bildungsbeteiligung von Kindern in allen registrierten FBBE-Angeboten

Quelle: Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vom 11.09.2018

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