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Welt-Mädchenbericht 2020

Digitale Gewalt vertreibt junge Frauen aus sozialen Medien

Jugendliche an ihrem Handy
Bild: Death to Stock

Der im Vorfeld des Welt-Mädchentags am 11. Oktober veröffentlichte Bericht „Free to be online? – Erfahrungen von Mädchen und jungen Frauen mit digitaler Gewalt“ von Plan International zeigt: Mädchen und junge Frauen sind unabhängig von den Ländern, in denen sie leben, regelmäßig Online-Angriffen ausgesetzt. In Deutschland gaben dies 70 Prozent der Befragten jungen Frauen zwischen 15 und 24 Jahren an.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage von Plan International in 22 Ländern, darunter z.B. Nigeria, Ecuador oder die Philippinen. Danach erleben 58 Prozent der befragten Mädchen und jungen Frauen Bedrohungen, Beleidigungen und Diskriminierungen in den sozialen Medien. In Deutschland sind es sogar 70 Prozent. Dafür hat die Kinderrechtsorganisation mehr als 14.000 Mädchen und junge Frauen im Alter von 15 bis 24 Jahren befragt – 1.003 davon in Deutschland. Die Ergebnisse sind in den Plan-Bericht „Free to be online? – Erfahrungen von Mädchen und jungen Frauen mit digitaler Gewalt“ eingeflossen.

Formen von Online-Gewalt und ihre Folgen

Die Folgen von Online-Gewalt sind gravierend: 13 Prozent der Betroffenen weltweit nutzen die sozialen Medien weniger, 13 Prozent schreiben keine Posts mehr, 8 Prozent melden sich sogar ganz ab. Am häufigsten erleben Mädchen digitale Gewalt auf Facebook (39 Prozent) gefolgt von Instagram mit 23 Prozent. In Deutschland nutzen 11 Prozent der Betroffenen die sozialen Medien weniger, 9 Prozent schreiben keine Posts mehr und 5 Prozent verlassen die Plattformen ganz. Im Gegensatz zu den weltweiten Ergebnissen, liegt Instagram als Plattform mit den meisten Angriffen mit 45 Prozent in Deutschland vor Facebook mit 35 Prozent.

„Die Ergebnisse des Mädchenberichts zeigen, wie machtlos sich viele Mädchen und junge Frauen in sozialen Netzwerken fühlen, und dass es viel zu wenig Mechanismen gibt, um wirksam gegen Angriffe und Schikane vorzugehen“, sagt Maike Röttger, Vorsitzende der Geschäftsführung von Plan International Deutschland. „Mädchen haben das Recht darauf, sich frei und sicher im Netz zu bewegen und sich zu Themen zu positionieren. Aber sie werden viel zu oft mundtot gemacht. Wir von Plan International stärken Mädchen weltweit, damit sie selbstbestimmt leben und die Welt um sich herum aktiv mitgestalten können. Uns geht es um echte Gleichberechtigung. Mädchen müssen auf allen Ebenen ihre Meinung sagen und mitentscheiden können. Deswegen fördern wir ihre politische Teilhabe – auch in den sozialen Medien.“

Die Formen der Belästigung, die die befragten Mädchen und jungen Frauen entweder persönlich oder im Umfeld von Freundinnen erfuhren, sind Beschimpfungen und Beleidigungen, sexuelle Belästigung, persönliche Demütigung, Bodyshaming, rassistische Kommentare, Stalking, Kommentare gegen die sexuelle Orientierung, Anti-LGBTIQ+ sowie die Androhung physischer Gewalt.

Plan Internation fordert, wirksam gegen dieses Phänomen vorzugehen

„Es ist unverantwortlich, dass die Betroffenen mit Online-Gewalt allein gelassen werden“, so Maike Röttger weiter. „Diese Angriffe haben in vielen Fällen tiefgreifende Folgen für ihr Selbstvertrauen und damit auf ihr gesamtes Leben. Angesichts der Tatsache, dass viele Mädchen und Frauen aufgrund von der Corona-Krise einen zunehmenden Teil ihres Lebens online verbringen und die Zahl der Internetzugänge weltweit zunimmt, ist es an der Zeit, dass digitale Plattformen ihre Nutzer/-innen verstärkt schützen und Meldemechanismen so optimieren, dass die Täter/-innen zur Rechenschaft gezogen werden können.“

Die Studie zeigt, dass Mädchen und junge Frauen unabhängig von den Ländern, in denen sie leben, regelmäßig Online-Angriffen ausgesetzt sind. Auch wird ersichtlich, dass die derzeitigen Meldemechanismen offensichtlich nicht ausreichen, um wirksam gegen dieses Phänomen vorzugehen. Aus diesem Grund ruft Plan International Deutschland alle Nutzer/-innen von sozialen Medien dazu auf, den offenen Brief mit Forderungen nach wirksamen Maßnahmen an die Betreiber der Digital-Plattformen zu unterschreiben.

Die wichtigsten Ergebnisse des internationalen Reports im Überblick

  • 58 Prozent der befragten Mädchen haben Belästigungen in sozialen Medien erlebt.
  • Die Plattform, auf der die Betroffenen weltweit am meisten belästigt werden, ist Facebook (39 Prozent), gefolgt von Instagram (23 Prozent), YouTube und Snapchat (je 10 Prozent), Twitter (9 Prozent) sowie Tik Tok (6 Prozent).
  • 24 Prozent der betroffenen Mädchen fühlen durch Beleidigungen, Herabsetzungen und Bedrohungen Angst, die körperlich spürbar ist.
  • 42 Prozent haben dadurch ein geringeres Selbstwertgefühl oder weniger Selbstbewusstsein, ebenfalls 42 Prozent fühlen sich mental oder emotional gestresst.
  • 50 Prozent der Mädchen geben an, dass sie häufiger in sozialen Medien Belästigungen erlebten als auf der Straße.
  • 13 Prozent der betroffenen Mädchen geben an, die sozialen Medien weniger zu nutzen, 13 Prozent schreiben keine Posts mehr und 8 Prozent verlassen die Plattform.

Die wichtigsten Ergebnisse der deutschen Befragung im Überblick

  • 70 Prozent der Befragten haben digitale Gewalt und Belästigung in den sozialen Medien erlebt. Damit liegen sie 12 Prozentpunkte über dem Wert der weltweit Befragten (58 Prozent).
  • Die Plattform, auf der die Betroffenen in Deutschland am meisten belästigt werden, ist Instagram (45 Prozent), gefolgt von Facebook (35 Prozent), YouTube (22 Prozent), Snapchat (19 Prozent), Tik Tok (9 Prozent) und Twitter (8 Prozent).
  • 23 Prozent der betroffenen Mädchen fühlen durch Beleidigungen, Herabsetzungen und Bedrohungen Angst, die körperlich spürbar ist.
  • 32 Prozent der Betroffenen empfinden mentalen oder emotionalen Stress, 30 Prozent haben ein geringeres Selbstwertgefühl oder weniger Selbstbewusstsein.
  • 11 Prozent der betroffenen Mädchen geben an, die sozialen Medien weniger zu nutzen, 9 Prozent schreiben keine Posts mehr und 5 Prozent verlassen die Plattform.
  • 52 Prozent der Betroffenen melden unangemessene Inhalte. Damit liegt Deutschland 17 Prozentpunkte über dem globalen Wert.

Zum Welt-Mädchentag

Am 11. Oktober 2020 zeigen rund 30 Städte in Deutschland Farbe: Bundesweit leuchten Rathäuser, Kirchtürme, Denkmäler und viele andere bekannte Wahrzeichen in kräftigem Magenta. Mit der Illuminierung zum Welt-Mädchentag macht die Kinderrechtsorganisation Plan International Deutschland auch dieses Jahr auf die fehlende Gleichberechtigung von Mädchen in vielen Regionen dieser Welt aufmerksam.

„Bereits vor Ausbruch der Corona-Pandemie sind 130 Millionen Mädchen nicht zur Schule gegangen“, sagt Maike Röttger, Vorsitzende der Geschäftsführung von Plan International Deutschland. „Jetzt besteht das Risiko, dass aufgrund der temporären Schulschließungen und Ausgangssperren weitere 11 Millionen Mädchen nicht mehr zurückkehren und der Gefahr von Frühschwangerschaft, Zwangsverheiratung und Gewalt ausgesetzt sind. Mit der Beleuchtungsaktion zum Welt-Mädchentag wollen wir deutlich machen, wie wichtig es ist, dass Mädchen überall auf der Welt die gleichen Chancen erhalten wie Jungen. Dazu gehört auch, dass sie sich frei und ohne Angst bewegen können, im realen Leben, aber auch online. Wir setzen alles daran, dass die Welt für Mädchen ein sicherer Ort wird.“

Quelle: Plan International vom 05.10.2020 und 07.10.2020

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