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6. Brandenburger Landessportkonferenz: Mehr Mädchen und Frauen für den Sport gewinnen!

Brandenburgs Sportminister Holger Rupprecht hat gestern gemeinsam mit dem Präsidenten des Landessportbundes Brandenburg (LSB), Hans-Dietrich Fiebig, in Potsdam die Empfehlungen der 6. Landessportkonferenz präsentiert. Im Mittelpunkt der Landessportkonferenz standen Analysen und Strategien zur Gewinnung von mehr Mädchen und Frauen für sportliche Vereinstätigkeiten, aber auch zur Teilhabe an Ehrenämtern im Sport.

Um mehr Mädchen und Frauen für den Sport zu gewinnen, empfiehlt die 6. Landessportkonferenz unter anderem:

  • neue und auf die Bedürfnisse von Mädchen und Frauen zugeschnittene Angebote der Sportvereine sowie eine Unterstützung der Sportvereine und -verbände, die sich für Mädchen und Frauen öffnen, durch das Land, die Landkreise und die Kommunen
  • das Potenzial von Frauen für die Führungsarbeit in den Vereinen und Verbänden zu aktivieren, um eine angemessene Präsenz von Frauen als Entscheidungsträgerinnen zu erreichen
  • den Vereinen, Kurse oder Schnupperangebote insbesondere für Mädchen und Frauen aus sozial schwachen Familien oder mit Migrationshintergrund anzubieten
  • eine bessere sportliche und gesellschaftliche Partizipation und Integration von Mädchen und Frauen durch gezielte Kooperationen und Projekte wie den Aktionstag für Mädchen und Frauen im Sport.
  • den Sportvereinen, bei Ausbau und Stärkung der Netzwerke gegen Gewalt an Frauen vor Ort mitzuwirken.
  • eine frauengerechte Sportstättenplanung, die besondere Anforderungen an Gestaltung, Erreichbarkeit und Sicherheit berücksichtigt
  • die konsequente Nutzung bestehender und den Aufbau neuer Netzwerke auf Landes- und kommunaler Ebene zur Qualifizierung, Unterstützung und Würdigung engagierter Frauen im Sport 

Die Empfehlungen der 6. Landessportkonferenz zum Thema „Mädchen und Frauen gewinnen! " im Einzelnen:

Gewinnung und Bindung von Mitgliedern

Mädchen und Frauen sind in den Sportvereinen auf dem Vormarsch. Gemessen an der Gesamtbevölkerung Brandenburgs gehören inzwischen 8,8 Prozent aller Mädchen und Frauen einem Sportverein des Landessportbundes an. Damit hat sich deren Sportbeteiligung seit 1990 mehr als verdoppelt, liegt aber noch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 22,5 Prozent. Aufgrund regional- und altersdifferenzierter Analysen zur Sportbeteiligung von Mädchen und Frauen sind daher inhaltliche Strategien zur Gewinnung und Bindung dieser noch unterrepräsentierten Zielgruppe weiter zu entwickeln. Gemäß den Erklärungen der Sportentwicklungskonferenz 2009 sind dabei auch alt hergebrachte Strukturen und „Besitzstandsdenken" in Frage zu stellen.

Die 6. Landessportkonferenz empfiehlt, Sportvereine und -verbände, die sich für Mädchen und Frauen öffnen, durch Förderung des Landes, der Landkreise und der Kommunen zu unterstützen. Die Schaffung neuer, auf die Bedürfnisse von Mädchen und Frauen zugeschnittener Angebote, eröffnet den Sportvereinen Mitgliedervielfalt und somit neue Chancen.

Einbindung der Kompetenzen von Frauen für das Ehrenamt

Zukünftig wird die Gewinnung von Ehrenamtlichen durch die unterschiedlichen Lebensplanungen von Frauen und Männern neue Konzepte erfordern. Ehrenamtliche Positionen müssen so gestaltet werden, dass sie überschaubar, planbar, mit Beruf und Familie kombinierbar und mit klarer Aufgabenbeschreibung versehen sind. Dabei müssen die Strukturen, die Arbeitsorganisation und -atmosphäre im Sport überprüft werden. Auf der Führungsebene von Vereinen, Verbänden sowie Stadt- und Kreissportbünden sind Frauen unterrepräsentiert. Dadurch entgehen dem Sport wichtige Kompetenzen. Besonders soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Kreativität, Einfühlungsvermögen und Integrationsfähigkeit, die in einer weiblichen Sozialisation in der Regel vermittelt werden, werden in der ehrenamtlichen Arbeit in besonderer Weise gebraucht und können die traditionellen Führungsstile bereichern. Bleiben solche Fähigkeiten ungenutzt, so schadet das dem Sport auf Dauer, denn das Ehrenamt ist nicht nur auf das Engagement der Frauen angewiesen, sondern ebenso auf ihre Befähigungen.

Die 6. Landessportkonferenz empfiehlt, das Potenzial von Frauen für die Führungsarbeit im Verein/Verband/KSB/SSB zu aktivieren, um eine angemessene Präsenz von Frauen als Entscheidungsträgerinnen zu erreichen.

Frauen im Sport - ein Beitrag zur gesellschaftlichen Partizipation und Integration

Der Sport bietet Raum für Gemeinschaftserfahrungen von Frauen und Mädchen und fördert dadurch Kommunikationsprozesse. Diese wirken sich positiv auf das Selbstverständnis und Selbstbewusstsein aus. Ziel ist es, sowohl Migrantinnen als auch sozial Schwache mit Bewegungsangeboten an die Sportvereine heranzuführen und zu integrieren.

Die 6. Landessportkonferenz empfiehlt den Vereinen, Kurse oder Schnupperangebote für Mädchen und Frauen dieser Zielgruppe zu organisieren und mit der ganzen Palette ihrer Sportangebote zu werben.

Frauen im Sport in der Kommune

Der organisierte Sport und die Kommunen nutzen die Chancen der sportlichen und gesellschaftlichen Partizipation und Integration von Mädchen und Frauen durch gezielte Kooperationen und Projekte. Der Aktionstag für Mädchen und Frauen im Sport z. B. eröffnet den beteiligten Kommunen und Vereinen neue Blickwinkel auf den Sport von Mädchen und Frauen.

Die 6. Landessportkonferenz empfiehlt, Kontakte zu potentiellen Kooperations- und Netzwerkpartnern herzustellen bzw. zu festigen. Gleichstellungs- und Integrationsbeauftragte bzw. -beiräte sollen zur aktiven Einbindung aufgerufen werden.

Sport zur Gewaltprävention

In unserer Gesellschaft ist Gewalt gegen Mädchen und Frauen ein Thema, das oft tabuisiert, ignoriert oder banalisiert wird. Frauen werden durch die im Sport erlebte Stärke motiviert, sich gegen Übergriffe zu wehren. Durch konkrete Angebote stärkt der Sport u.a. im Bereich Selbstverteidigung und Selbstbehauptung das Selbstbewusstsein und die Durchsetzungsfähigkeit und dient der Gewaltprävention.

Die 6. Landessportkonferenz ruft die Sportvereine auf, bei Ausbau und Stärkung der Netzwerke gegen Gewalt an Frauen vor Ort mitzuwirken. Vor allem Kampfsportvereine und ihre Kooperationspartner sollten mit vielfältigen Aktionen Mut und Wissen zu Selbstbehauptung und Selbstverteidigung vermitteln.

Sport- und Bewegungsräume

Mädchen und Frauen, die sich freizeit- oder gesundheitssportlich betätigen, sehen den Aufenthalt in der Sportanlage stark unter dem Aspekt des physischen, psychischen und sozialen Wohlbefindens. Das Thema Sicherheit ist ihnen wichtig.

Die 6. Landessportkonferenz empfiehlt eine frauengerechte Sportstättenplanung, die die besonderen Anforderungen an Gestaltung, Erreichbarkeit und Sicherheit berücksichtigt und damit zugleich viele andere sensible Nutzergruppen ansprechen und erreichen wird. Kommunale Planungen und Investitionen sollen die sportlichen Bedürfnisse von Frauen und Familien stärker berücksichtigen.

Vernetzung und Kooperation

Ein Anstieg des Organisationsgrades von Mädchen und Frauen als auch die Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen in allen Strukturen des organisierten Sports, ist eine sportpolitische Zielstellung in Brandenburg.

Die 6. Landessportkonferenz empfiehlt die konsequente Nutzung bestehender und den Aufbau neuer Netzwerke auf Landes- und kommunaler Ebene zur Qualifizierung, Unterstützung und Würdigung engagierter Frauen im Sport.

Quelle: Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg

 

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