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Europa / Bildungspolitik

EU-Kommissar Navracsics hält Plädoyer für gute Bildung

Im Vordergrund ist eine junge Studierende zu sehen. Im Hintergrund sitzen andere junge Frauen beim Lernen.
Bild: © Peter Atkins - Fotolia.com

Bildung könnte man nicht isoliert betrachten, sagt EU-Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport, Tibor Navracsics. Er war auf Einladung des Ausschusses für Bildung und Forschung nach Berlin gekommen, um die europäische Sicht auf die Bildungs- und Forschungsarbeit vorzustellen.

Manchmal beginnen auch Politikerstatements philosophisch: "Als ich über eine umfassende Gemeinsamkeit meines Ressorts nachgedacht habe, bin ich auf den Begriff Gemeinschaft gekommen", sagte der EU-Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport, Tibor Navracsics, vor dem Ausschuss für Bildung und Forschung. "Die Gemeinschaft oder community hält Herz und Seele zusammen und prägt die Jugend.“ Das Thema Bildung sei mit vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen verzahnt. Alles würde einander bedingen. Bildung könnte man nicht isoliert betrachten. Ihm ginge es darum, den Ausbau der Gemeinschaften und Zusammenschlüsse auf den verschiedenen Ebenen zu stärken, sei es regional, national und europaweit.

Navracsics war auf Einladung des Ausschusses ins Berliner Paul-Löbe-Haus gekommen, um die europäische Sicht auf die Bildungs- und Forschungsarbeit vorzustellen. Der Ausschuss wollte mit seiner Einladung deutlich machen, wie wichtig ihm die enge Verzahnung in der Bildungs- und Forschungsarbeit mit der EU-Kommission sei - und das gerade weil Deutschland starke föderative Strukturen habe, die vor allem in der Bildung deutlich würden, wie die Ausschussvorsitzende Patricia Lips (CDU) betonte.

Navracsics machte deutlich, dass die europäische Bildungsarbeit zwei große Ziele und Funktionen habe. Das eine sei die Herstellung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit. Dazu müssten junge Menschen so ausgebildet werden, dass sie "beschäftigbar" gemacht werden und so die Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union erhalten bleibe. Dazu gehöre es beispielsweise auch, die Zahl der Schulabbrecher zu reduzieren. Mittlerweile könnten viele europäische Länder dabei erhebliche Erfolge vorweisen.

Eine zweite große Herausforderung sei die soziale und demokratische Ausbildung junger Menschen. Angesichts der vielen terroristischen Anschläge in der letzten Zeit, sei dieses Ziel sehr in den Vordergrund gerückt. Die Anschläge seien überwiegend von benachteiligten und sozial frustrieten Jugendlichen ausgeübt worden. Die Fragen, die sich stellten, würden heißen: Wie können wir unsere Werte erhalten? Wie kann man Radikalisierung entgegen wirken? Wo liegt die Rolle von Schulen in der Bekämpfung von Extremismus? Was sind motivierende Beispiele? In diesem Zusammenhange betonte der Kommissar auch, dass ihn, wie vielen seiner Kollegen, die hohe Jugendarbeitslosigkeit insbesondere in Südeuropa beunruhige. Entsprechend fragten auch verschiedene Bundestagsabgeordnete nach dem Programm der "Jugendgarantie". Die „Jugendgarantie“ ist ein neues Konzept zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. Ihr Ziel ist, dass alle jungen Menschen unter 25 Jahren - ob beim Arbeitsamt gemeldet oder nicht - innerhalb von vier Monaten nach Abschluss ihrer Ausbildung oder nachdem sie arbeitslos geworden sind, ein konkretes und qualitativ hochwertiges Angebot erhalten. Es soll den jungen Menschen helfen, den richtigen Weg ins aktive Leben zu finden.

Quelle: Deutscher Bundestag, hib - heute im bundestag Nr. 201 vom 20.04.2015

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