EU-Jugendstrategie / Kinder- und Jugendarbeit

Kommissionspapier: Hilft Jugendarbeit gegen soziale Ausgrenzung?

Grafik: Menschkreis schließt Figur anderer Farbe aus
Bild: © petrol - Fotolia.com

In einem Papier stellt die Kommission die wichtigsten Benachteiligungs-Faktoren zusammen – und Beispiele aus der Jugendarbeit, die diese ausgleichen soll.

Sowohl die EU-Jugendstrategie als auch der Ratsbeschluss „Zur Jugendarbeit“ vom 04.12.2010 gehen davon aus, dass Jugendarbeit soziale Integration bewirkt. Um dieser Frage weiter nachzugehen, hat die Kommission nun ein Papier veröffentlicht, in dem sie Daten zum Thema „soziale Ausgrenzung junger Menschen“ aufbereitet. Unter dem Motto „Lessons from youth work“ stellt sie darüber hinaus Beispiele für Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit aus verschiedenen Ländern vor, die die Auswirkungen dieser Faktoren gezielt bekämpfen wollen.

Das Papier der Kommission hält sich dabei an diejenigen Faktoren, über die Datenmaterial aus diversen EU-Umfragen verfügbar ist:

  •     Armut (mit Faktoren wie Wohnung, Ernährung, Kleidung, physische Sicherheit)
  •     Mangelnde soziale und politische Teilhabe
  •     Unmöglichkeit, kulturelle und Freizeitaktivitäten zu genießen
  •     Gesundheitsbeeinträchtigungen, die mit armen Lebensumständen und mangelndem Zugang zu Gesundheits- und Sozialdiensten zusammenhängen
  •     Psychologische Ausgrenzung und Isolation aus der Gemeinschaft und/oder der Gesellschaft als ganzer.

Konkret werden oftmals ein geringer Bildungsstandard, Diskriminierung aufgrund persönlicher Eigenschaften, finanzielle Armut, Arbeitslosigkeit, ein ungeklärter Aufenthaltsstatuts, das Leben in abgelegenen Gegenden oder jugendliche Delinquenz als Hauptfaktoren sozialer Ausgrenzung bei Jugendlichen genannt.

In der Realität hängen diese Faktoren eng zusammen, so dass Menschen in der Regel von mehreren betroffen sind. So bestimmen sozio-ökonomische und politische Kontexte (Arbeitsmarkt, Bildungssystem, religiöse und kulturelle Systeme, politische Institutionen) den Zugang zu Arbeit, Macht und Ansehen. Einkommen, Bildung, Geschlecht, Rasse oder andere Faktoren weisen ebenfalls den sozialen Status zu.

Das Papier fasst das Datenmaterial der EU (z.B. Eurostat data) zusammen und differenziert es nach den verschiedenen Diskriminierungs- und Ausgrenzungs-Faktoren. Daraus werden am Schluss des Papiers drei Schlüsse gezogen:

  1.     Ein Drittel aller jungen Menschen in der Europäischen Union leben mit dem Risiko sozialer Ausgrenzung. Ein großer Teil lebt unter marginalisierten und beschränkten Lebensbedingungen, die langfristig ihre Zukunft bedrohen und sie darin behindern, ihre Grundrechte auszuüben.

  2.     Die wichtigsten Faktoren sozialer Ausgrenzung sind in sozialer Ungleichheit begründet, zum Beispiel aufgrund eines mangelnden Zugangs zu guter Bildung und Ausbildung oder zu einer adäquaten Beschäftigung ebenso wie aufgrund mangelnder Aufenthalts- oder Bürgerechte. Diskriminierung, speziell Geschlechterdiskriminierung, hat vor allem Auswirkungen auf die Gesundheit und das emotionale Wohlbefinden junger Menschen. Ein Ausländerstatus ist ein wichtiger Grund für  materielle Armut, ebenso wie für einen geringen Bildungsstand. Dieser wiederum führt generell häufig dazu, dass junge Menschen nicht politisch partizipieren und sich wenig an Wahlen beteiligen. Und nicht zuletzt Arbeitslosigkeit und Armut in der Familie beeinträchtigen das Aufwachsen: Sie führen zu benachteiligenden Wohn- und Lebensumständen und zu medizinischer Unterversorgung.

  3.     All diese Faktoren, so das Papier, würden traditionell von Jugendarbeit bekämpft und erfolgreich abgemildert.

Youth Social Exclusion and Lessions from Youth Work

Quelle: JUGEND für Europa vom 06.10.2014

Info-Pool

EU-Jugendstrategie: Umsetzung in Deutschland

  • EU-Jugendstrategie 2019 - 2027
    Europaflagge vor blauen Himmel
    © moonrun - fotolia.com

    Mit der EU-Jugendstrategie legen die Mitgliedsstaaten der EU die Eckpunkte ihrer jugendpolitischen Zusammenarbeit bis zum Jahr 2027 fest. Der Rat hat die EU-Jugendstrategie am 26. November 2018 unter dem Titel „Entschließung des Rates der Europäischen Union und der im Rat vereinigten Vertreter der Regierungen der Mitgliedsstaaten über einen Rahmen für die jugendpolitische Zusammenarbeit in Europa: Die Jugendstrategie der Europäischen Union 2019-2027“ beschlossen.

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  • Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland
    Wehende Deutschlandfahne vor blauem Himmel
    mwillms - flickr.com

    Gemäß der föderalen Struktur der Bundesrepublik Deutschland sind sowohl der Bund als auch die Länder für die Umsetzung der EU-Jugendstrategie zuständig. Hierfür ergreifen Bund und Länder in ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen Maßnahmen unter Einbezug der Akteure der Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes sowie junger Menschen selbst.

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  • EU-Jugenddialog
    Logo des EU-Jugenddialogs
    © DBJR

    Junge Menschen haben das Recht, bei Entscheidungen, die ihr Leben betreffen, gefragt und einbezogen zu werden. Das gilt auch für die europäische Ebene. Die Beteiligung Jugendlicher an der Umsetzung der EU-Jugendstrategie geschah bis Ende 2018 im Rahmen des sogenannten Strukturierten Dialogs mit der Jugend. Seit 2019 heißt der Strukturierte Dialog nun EU-Jugenddialog.

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  • Youth Goals – Europäische Jugendziele
    Gelbes Logo der Youth Goals mit schwarzer Schrift
    Mireille van Bremen

    Die Youth Goals sind in die EU-Jugendstrategie 2019-2027 eingeflossen und damit in den Rahmen für die jugendpolitische Zusammenarbeit in Europa. Verantwortliche aus Politik und Verwaltung auf allen Ebenen sollen die Ziele als Anregung nutzen, um Politik im Sinne junger Menschen zu gestalten.

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  • Mehr Europa in der deutschen Kinder- und Jugendhilfe
    fünf Hände formen einen Stern
    © tbel - Fotolia.com

    Eine der vorrangigen Zielsetzungen der Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland ist es, mehr Europa in die Kinder- und Jugendhilfe zu bringen. Mehr Europa bedeutet, die alltägliche Arbeit in den Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe europäisch zu denken, zu verstehen und auszugestalten. In der Praxis gibt es bereits vielfältige europäische und internationale Projekte sowie transnationale Arbeitsansätze. Die Erfahrungen zeigen, dass dies eine Bereicherung für die Jugendhilfe darstellt. Der fachliche Mehrwert einer stärkeren europäischen Ausrichtung soll daher kommuniziert und beispielhaft vermittelt werden.

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Videos zur EU-Jugendstrategie

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