EU-Jugendstrategie / Europa

Erste Anzeichen: Studie untersucht Indikatoren für Jugendpolitik

In den meisten Mitgliedstaaten werden Indikatoren für die Bewertung von jugendpolitischen Entscheidungen eingesetzt. Die Kommission hätte gern eine Vereinheitlichung auf EU-Ebene.

Die EU-Jugendstrategie hat es vorgegeben: Die jugendpolitische Zusammenarbeit soll unter anderem dazu dienen, eine „evidenzbasierte Jugendpolitik“ in Europa zu entwickeln. Ein zentrales Instrument, um die Situation der Jugendlichen, ihre Belange und den politischen Handlungsbedarf, Politikziele und -erfolge messen zu können, sind `Indikatoren´. Indikatoren – verstanden als Kriterien, Messdaten oder Kennzahlen – dienen als Referenzgrößen, auf die sich unterschiedliche Politikressorts, unterschiedliche Professionen (z.B. Politiker, Forscher, Praktiker) beziehen können und an denen Defizite oder Erfolge einheitlich verglichen und bewertet werden können. Indikatoren können die Situation von Jugendlichen beschreiben helfen und sie können eine gemeinsame Basis bilden für die Formulierung von politischen Zielen, deren Umsetzung und ihrer Erfolgskontrolle.

Um Indikatoren zu finden, die Vergleiche auf EU-Ebene ermöglichen, wurde eine Expertenarbeitsgruppe zum Thema `Jugendindikatoren´ eingesetzt. Diese soll a) ein `Kennzahlen-Cockpit´ (dashboard, eine Art Überblicksmatrix oder Landkarte) vorschlagen und b) einen Überblick über mögliche neue Indikatoren für jugendpolitische Kernbereiche geben.

Parallel dazu wurde die Beratungsfirma ECORYS von der Generaldirektion Bildung und Kultur mit einer Studie beauftragt, die eine aktuelle Bestandsaufnahme in den Mitgliedstaten vornahm. Dafür wurden ca. 100 Experten in 23 Mitgliedsländern konsultiert. Drei der Mitgliedstaaten – die Niederlande, Schweden und Slowenien – wurden genauer untersucht, da sie als vorbildlich bzw. weit fortgeschritten bei der Anwendung von Indikatoren gelten.

Die Studie zeigt zunächst, wenig verwunderlich, dass eine auf `Jugend´ bezogene Politik in den Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich organisiert und angesiedelt ist. Es gibt eine große Bandbreite von Ministerien, Verwaltungsstellen für jugendpolitische Themen, mit Zuständigkeiten auf unterschiedlichen Ebenen: Lokal, regional und national. Kein Wunder, dass hier unter anderem Deutschland als ein Beispiel für die verzweigte Zuständigkeit auf der Grundlage eines Bundesgesetzes (SGB VIII) dargestellt wird. Ein „Mehrschichtensystem“ sei geradezu ein Kennzeichen der Politiklandschaft in Sachen Jugend, so der Bericht.

Die meisten Mitgliedstaaten sehen den Nutzen von Indikatoren und setzen sie auch ein. Allerdings tendieren sie dazu, diese eher ad hoc und reaktiv – als Antwort auf aktuelle Anforderungen – zu nutzen. Deswegen bleibt ihr Einsatz häufig auch auf einzelne Programme, Projekte oder Politikvorhaben begrenzt. In einigen Mitgliedstaaten aber werden systematisch und kontinuierlich Daten gesammelt. In diesen Fällen, so die Studie, betreffen die Indikatoren meistens alle Politikbereiche, die für Jugend relevant sind.

Profile der an der Studie beteiligten Mitgliedsländer - darunter Deutschland - und Fallbeispiele liefern ein Bild, wie und im Rahmen welcher Systeme und Zuständigkeiten jugendpolitische Themen auf nationaler Ebene anhand von Indikatoren bewertet werden. Dabei werden die Strukturen, nicht die Indikatoren selbst erläutert. Dennoch macht die Studie deutlich, dass  Qualität, Reichweite und Evidenz der Indikatoren sehr unterschiedlich sein können. Ihr Nutzen und ihre Vergleichbarkeit finden dort ihre Grenzen, wo es Definitionsschwierigkeiten gibt (z.B. bei `Partizipation´) oder wo die Erhebungsbasis unklar oder uneinheitlich ist.

Die Studie warnt auch ausdrücklich davor, politische Entscheidungen, ihr Monitoring und Evaluationen allein auf der Basis von Indikatoren vorzunehmen. Die Berücksichtigung länderspezifischer Kontexte, qualitative Tiefenforschung, und vor allem die Einbeziehung von Zielgruppen und Stakeholdern seien für eine `evidenzbasierte Politik´ unverzichtbar. Dennoch ahnt man, was kommt: Schon jetzt stellt die Studie Wechselwirkungen zwischen der Werbung für Indikatoren auf der EU-Ebene und ihrem Einsatz auf nationaler Ebene fest - erste Anzeichen für die Durchsetzung des Kommissions-Traums von der Vergleichbarkeit der Jugendpolitik in der EU.

Die Studie können Sie hier herunter laden.


Quelle: jugendpolitikineuropa.de

EU-Jugendstrategie: Informationen zur Umsetzung

  • EU-Jugendstrategie 2019 - 2027
    Europaflagge vor blauen Himmel
    © moonrun - fotolia.com

    Mit der EU-Jugendstrategie legen die Mitgliedsstaaten der EU die Eckpunkte ihrer jugendpolitischen Zusammenarbeit bis zum Jahr 2027 fest. Der Rat hat die EU-Jugendstrategie am 26. November 2018 unter dem Titel „Entschließung des Rates der Europäischen Union und der im Rat vereinigten Vertreter der Regierungen der Mitgliedsstaaten über einen Rahmen für die jugendpolitische Zusammenarbeit in Europa: Die Jugendstrategie der Europäischen Union 2019-2027“ beschlossen.

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  • Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland
    Wehende Deutschlandfahne vor blauem Himmel
    mwillms - flickr.com

    Gemäß der föderalen Struktur der Bundesrepublik Deutschland sind sowohl der Bund als auch die Länder für die Umsetzung der EU-Jugendstrategie zuständig. Hierfür ergreifen Bund und Länder in ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen Maßnahmen unter Einbezug der Akteure der Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes sowie junger Menschen selbst.

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  • EU-Jugenddialog
    Logo des EU-Jugenddialogs
    © DBJR

    Junge Menschen haben das Recht, bei Entscheidungen, die ihr Leben betreffen, gefragt und einbezogen zu werden. Das gilt auch für die europäische Ebene. Die Beteiligung Jugendlicher an der Umsetzung der EU-Jugendstrategie geschah bis Ende 2018 im Rahmen des sogenannten Strukturierten Dialogs mit der Jugend. Seit 2019 heißt der Strukturierte Dialog nun EU-Jugenddialog.

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  • Youth Goals – Europäische Jugendziele
    Gelbes Logo der Youth Goals mit schwarzer Schrift
    Mireille van Bremen

    Die Youth Goals sind in die EU-Jugendstrategie 2019-2027 eingeflossen und damit in den Rahmen für die jugendpolitische Zusammenarbeit in Europa. Verantwortliche aus Politik und Verwaltung auf allen Ebenen sollen die Ziele als Anregung nutzen, um Politik im Sinne junger Menschen zu gestalten.

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  • Mehr Europa in der deutschen Kinder- und Jugendhilfe
    fünf Hände formen einen Stern
    © tbel - Fotolia.com

    Eine der vorrangigen Zielsetzungen der Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland ist es, mehr Europa in die Kinder- und Jugendhilfe zu bringen. Mehr Europa bedeutet, die alltägliche Arbeit in den Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe europäisch zu denken, zu verstehen und auszugestalten. In der Praxis gibt es bereits vielfältige europäische und internationale Projekte sowie transnationale Arbeitsansätze. Die Erfahrungen zeigen, dass dies eine Bereicherung für die Jugendhilfe darstellt. Der fachliche Mehrwert einer stärkeren europäischen Ausrichtung soll daher kommuniziert und beispielhaft vermittelt werden.

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Videos zur EU-Jugendstrategie

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