Kinder- und Jugendhilfetag / EU-Jugendstrategie

Programmvorschau DJI: Europäische Jugendpolitik in der Praxis – die EU-Jugendstrategie auf der kommunalen Ebene

Jugendliche unterschiedlicher Hautfarbe sitzen auf einer Bank
Bild: © Franz Pfluegl - Fotolia.com

Die deutsche Umsetzung der EU-Jugendstrategie findet bislang vor allem auf Bundes- und Landesebene statt. Vor diesem Hintergrund stellen sich Fragen: Wie fließen europäische Impulse in die deutsche jugendpolitische Praxis ein? Wie sieht die konkrete Umsetzung auf der kommunalen Ebene aus? Das Deutsches Jugendinstitut begleitet die Umsetzung der EU-Jugendstrategie seit Beginn und hat auf dieser Basis eine Typologie konkreter Umsetzungsbeispiele entwickelt. Diese wird am 29.03. auf dem DJHT in einem Workshop vorgestellt.

Die Entwicklung der Typologie ist nun so weit vorangeschritten, dass sie mit Fachkräften, Expertinnen und Experten sowie Entscheidungsträgerinnen und -trägern aus der Praxis diskutiert werden kann.

Auf dem 16. DJHT soll die Typologie einem breiten Publikum vorgestellt werden, um Anregungen zu erhalten, wie die Typologie weiterentwickelt werden kann. In Bezug auf die Weiterentwicklung stellen sich beispielsweise folgende Fragen: Ist die Beschreibung der Umsetzungstypen passend? Gibt es aus Sicht der Fachkräfte, Expertinnen und Experten sowie Entscheidungsträgerinnen und -träger weitere Umsetzungstypen? Welche Umsetzungstypen haben die größte Aussicht auf Erfolg?

Europäische Jugendpolitik in der deutschen Praxis – Die EU-Jugendstrategie auf der kommunalen Ebene

Nicht erst seit der aktuellen Diskussion um den Brexit oder die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen ist Europa ein Thema in der deutschen Kinder- und Jugendhilfe. Schon 2001 veröffentlichte die Europäische Kommission ihr Weißbuch "Neuer Schwung für die Jugend Europas" und begründete damit eine eigene europäische Jugendpolitik, die in Deutschland mit dem Programm "JUGEND in Aktion" umgesetzt wurde.

Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland

Lange wurden europäische Initiativen in Deutschland überwiegend über Projekte und Maßnahmen umgesetzt. Ab 2009 fand ein Umdenken statt: Die Verabschiedung der EU-Jugendstrategie in dem Jahr wurde zum Anlass genommen, jugendpolitische Themen nun nicht mehr projektbezogen umzusetzen, sondern in gemeinsamer Koordination zwischen Bund, Ländern und Trägern zu bearbeiten.

In Bezug auf die Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland formulierten Bund und Länder das Ziel, nachhaltige Impulse für die deutsche Kinder- und Jugendpolitik zu setzen. Die gemeinsame politische Koordination beinhaltet auch den Versuch, alle Ebenen der Kinder- und Jugendhilfe – insbesondere auch die kommunale Ebene – in den Prozess der Politikgestaltung einzubeziehen. Dafür wurden unterschiedliche Umset-zungsgremien und Veranstaltungsformate eingerichtet, die zu drei Themenkorridoren arbeiten: Partizipation, Soziale Integration und gelingende Übergänge in Arbeit, und Aufwertung und Anerkennung informeller und nichtformaler Bildung unter Wahrung der Standards und Konzepte der Jugendarbeit.

Wissenschaftliche Begleitung der Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland

Das Projekt "Wissenschaftliche Begleitung der Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland" ist am Deutschen Jugendinstitut e. V. angesiedelt und begleitet und evaluiert diese Umsetzung seit 2010. Das bedeutet zweierlei: Erstens wird der Umsetzungsprozess betrachtet und es wird analysiert, wie dieser funktioniert. Auf Basis der so gewonnenen empirischen Daten werden zweitens die Akteure im Umsetzungsprozess zur Weiterentwicklung des Prozesses beraten.

Bisher liegen Ergebnisse darüber vor, wie sich die Umsetzung gestaltet und wie die Zusammenarbeit und die neue Art der Politikgestaltung funktioniert (vgl. Baumbast et al. (2015): Wissenschaftliche Begleitung der Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland. Abschlussbericht der ersten Projektphase).

Es wurde außerdem untersucht, welche Maßnahmen von unterschiedlichen Akteuren ergriffen wurden und werden, um den Umsetzungsprozess weiter voranzubringen und die EU-Jugendstrategie auf kommunaler Ebene zu verankern. Diese Maßnahmen wurden in einer Typologie dokumentiert, mit der aufgezeigt werden kann, welche Wege und Möglichkeiten zur kommunalen Verankerung der EU-Jugendstrategie es gibt.

Die Typologie

Die entwickelte Typologie bezieht sich ausschließlich auf Aktivitäten im Themenkorridor Partizipation. Aktuell besteht die Typologie der Umsetzungswege aus sechs Umsetzungstypen:

  • Elektronische Dokumente als unverbindlich bereitgestellte Informationen, die allen Interessierten online zugänglich sind;
  • Veranstaltungen, auf denen sich Fachkräfte wie Jugendliche gebündelt Informa-tionen (auch zu speziellen Themen, bspw. dem Strukturierten Dialog) abholen können;
  • Projekte mit einer beschränkten Laufzeit bearbeiten Fragestellungen zum Themenbereich Partizipation und dienen auch dem Einbezug verschiedener Adressaten (insbesondere Jugendlicher);
  • Coachings dienen der Beratung und Qualifizierung von Fachkräften;
  • Politische Impulsgebung geht punktuell von der politischen Ebene aus und soll den ausführenden Akteuren Anregungen geben und sich umgekehrt auch von unterschiedlichen Akteuren Anregungen einholen, um das Thema Partizipation und dessen Bearbeitung im Land zu verstärken;
  • Errichtung von Strukturen findet über auf Dauer eingerichtete Arbeitsgruppen oder Fach-/Beratungsstellen statt, die Jugendlichen und Fachkräften als kontinuierliche Anlaufstellen zur Verfügung stehen (zur Beantwortung von Fragen, zur Beratung oder als Anbieter von Unterstützungsleistungen, bspw. bei der Beantragung von Projekten).

Die wichtigsten Daten auf einen Blick

"Europäische Jugendpolitik in der deutschen Praxis – die EU-Jugendstrategie auf der kommunalen Ebene"

Workshop am Mittwoch, 29.03.2017 von 16:00-17:00 Uhr
Ort: CCD Congress Center Düsseldorf, Raum 15
Moderation: Dr. Frederike Hofmann-van de Poll

Quelle: Deutsches Jugendinstitut e.V.

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