Gaming

Zocken was das Zeug hält – „Eltern-LAN“ bietet Eltern Einblicke

Erwachsene spielen in einem Seminarraum an mehreren Computern.
Bild: Initiativbüro „Gutes Aufwachsen mit Medien“ – Jürgen Sleegers

Die Faszination an digitalen Spielen verstehen, sich über Inhalte und Wirkungen digitaler Spiele informieren und reflektieren – all das ermöglicht das Format des Eltern-LAN, eine medienpädagogische Veranstaltungsreihe der Bundeszentrale für politische Bildung.

In aufregende Welten eintauchen, Abenteuer erleben und gemeinsam mit anderen das nächste Level erreichen: Digitale Spiele gehören bei vielen Kindern und Jugendlichen zum Medienalltag dazu, wie auch die aktuelle JIM-Studie zeigt. Eltern und Erziehenden fällt es nicht immer leicht nachzuvollziehen, worin die Faszination an Games besteht. Genau hier setzt die von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) angebotene medienpädagogische Veranstaltungsreihe des Eltern-LAN (LAN=lokales Netzwerk in der Computertechnik) an, die sich vor allem an Eltern und pädagogische Fachkräfte richtet. Ziel ist es, einen Raum zu schaffen, in dem Erziehende eigene Spielerfahrungen sammeln und sich über die Inhalte und Wirkungen digitaler Spiele informieren, austauschen und reflektieren können. Über das Format des Eltern-LAN sprach das Initiativbüro „Gutes Aufwachsen mit Medien“ mit Matthias Thanos, der als wissenschaftlicher Referent im Fachbereich Zielgruppenspezifische Angebote der bpb tätig ist und das Projekt „Eltern-LAN“ leitet.

Was ist Eltern-LAN?

In Kooperation mit Schulen veranstaltet die bpb seit 2009 Eltern-LANs. Das sind drei- bis vierstündige Elternabende, in deren Rahmen die Teilnehmenden einen Einblick in jugendliche Medienwelten erhalten. Eine Veranstaltung, an der zwölf bis 30 Interessierte teilnehmen können, wird von zwei medienpädagogischen Fachkräften angeleitet, die im bundesweiten medienpädagogischen Netzwerk der bpb aktiv sind und im Auftrag der Bundeszentrale die Elternabende in Schulen durchführen.

Wie sieht eine Eltern-LAN-Veranstaltung konkret aus?

Viele Teilnehmende des Eltern-LANs haben noch keine eigenen Spielerfahrungen mit digitalen Spielen gemacht. Zudem stellen wir fest, dass es auch Eltern gibt, die Berührungsängste mit Games haben. Genau dort wollen die Eltern-LANs ansetzen und einen Raum für die kritische Auseinandersetzung schaffen.

Die Elternabende vermitteln zunächst ein Überblick über das Phänomen des Gamings. Zentrale Fragen lauten hier: Was ist Gaming? Wer spielt digitale Spiele? Worin besteht die Faszination an digitalen Spielen? Geht es um die Reflexion über das eigene Spielverhalten, stellen viele Teilnehmende fest, dass es in ihrem Alltag doch Berührungspunkte gibt, ohne dass sie sich dessen überhaupt bewusst sind. Das fängt bei Retroklassikern, wie beispielsweise dem Computer- und Handyspiel „Snake“ an, welches in den 90er-Jahren populär war. An die Reflexion anknüpfend verschaffen sich die Teilnehmenden dann einen Überblick über die das vielfältige Angebot an Spielen, über die verschiedenen Genres und Phänomene des Gamings wie zum Beispiel Let’s Plays oder eSport-Turniere.

Anschließend wechseln die Eltern-LANs dann in eine aktive und vielfältige Spielphase. Dafür werden Notebooks zur Verfügung gestellt. Der Einstieg erfolgt zurzeit mit dem Spiel TrackMania, einem Spiel, das auch von Personen ohne jegliche Spielerfahrung gespielt werden kann. Das Spiel ist mit nur vier Tasten leicht bedienbar und zugleich können die Teilnehmenden ein Gefühl für einen dreidimensionalen, virtuellen Raum bekommen. Zudem können erste Erfolgserlebnisse erfahren werden, zum Beispiel, wenn man einen Looping im Spiel schafft. Je nach individuellen Bedürfnissen und Interessen der Teilnehmenden wird dann in der Regel nach rund 15 Minuten Spielzeit ein anderes Spiel gespielt. Zum Standardangebot der Elternabende gehören sogenannte Shooter-Spiele, in denen Spielende mithilfe verschiedener Waffen gegen feindliche Gruppen vorgehen. Hier spielen die Veranstalter mit den Teilnehmenden des Eltern-LANs das derzeit beliebte Spiel Counter-Strike oder eine ältere Version von „Call of Duty“. Die Spielenden werden in zwei Gruppen eingeteilt, die dann gegeneinander spielen. Hier ist oft ein interessanter Lerneffekt und Perspektivwechsel zu beobachten: Eltern und pädagogische Fachkräfte nehmen dadurch, dass sie selbst spielen, nicht mehr nur die Beobachterperspektive ein, sondern tauchen selbst ins Spiel ein. Oft dauert es eine Weile, sich mit Maus und Tastatur im dreidimensionalen Raum zurechtzufinden und zu bewegen. Wenn Eltern von jüngeren Kindern, die noch zur Grundschule gehen, an der Eltern-LAN teilnehmen, werden entsprechend andere altersgerechte Spiele wie zum Beispiel das Abenteuerspiel Minecraft gespielt.

In Anschluss an die aktiven Spielphasen findet ein Austausch über die Spielerlebnisse statt. Außerdem werden die gängigen Wirktheorien von digitalen Spielen vorgestellt und Raum für Themen, die die Teilnehmenden beschäftigen, gelassen. Das sind oft Themen wie der Umgang mit gewaltverherrlichenden Inhalten und die Spieldauer. Aber auch andere Aspekte, die im Kontext von Gaming auftauchen, so zum Beispiel Cybergrooming und sexuelle Kontaktanbahnung und Belästigung, die im Rahmen von Game-Chats vorkommen kann, sind oft Thema.

In einer Abschlussdiskussion geht es am Ende des Elternabends dann auch um Medienerfahrungen in der Familie. Die medienpädagogischen Fachkräfte geben nützliche Tipps an die Hand, beispielsweise, dass ein Mediennutzungsvertrag helfen kann, Regeln zur Mediennutzung aufzustellen. Zudem wird die eigene Vorbildfunktion im Hinblick auf die Mediennutzung reflektiert und über kreative Mediennutzung gesprochen.

Welche Möglichkeiten und Potenziale bieten Eltern-LAN-Veranstaltungen?

Ziel der Veranstalter ist es, dass Eltern und pädagogische Fachkräfte Einblicke in digitale Spielewelten erhalten und eine fundierte pädagogische Haltung entwickeln können. Es geht insbesondere darum, die Erfahrung zu machen, wie es sich anfühlt, ein digitales Spiel zu spielen und im Wettbewerb zu anderen zu stehen. Denn der Wettbewerbscharakter, den Spiele wie beispielsweise „Fortnite“, „Counter-Strike“ oder „Call of Duty“ haben, kann ein besonderer Reiz sein. Darüber hinaus bietet die Eltern-LAN-Veranstaltung Eltern und pädagogischen Fachkräften die Möglichkeit, kompetenter mit dem Thema Games umzugehen, da auch theoretischer Input gegeben und aufgezeigt wird, wie vielfältig das Medium Games ist. Die Mischung aus eigener Erfahrung und neuem Wissen kann einen offenen Austausch zwischen Eltern und Kindern fördern und dazu beitragen, in den Dialog zu gehen.

Welche Herausforderungen für das Format des Eltern-LAN haben sich durch die Coronapandemie ergeben?

Aufgrund der Coronapandemie konnte das Format nicht mehr wie gewohnt als Präsenzveranstaltung durchgeführt werden. Stattdessen wurde ein Onlineformat entwickelt. Die Spiele werden dabei live in einem sogenannten „Let’s Plays“-Videostream zu zeigen. In „Let’s Play“-Videos filmen sich Spielende und kommentieren dabei das Spielgeschehen. In diesem Format sind das Medienpädagogen, die auch selbst als „Let’s Player“ aktiv sind. So erhalten die Teilnehmenden – auch wenn sie nicht selbst spielen können – einen Eindruck vom Spiel und können erfragen, wie zum Beispiel bestimmte Funktionen im Spiel gestaltet sind. Grundsätzlich eignen sich Let’s Plays übrigens gut, wenn sich Eltern oder Erziehende einen Überblick zu einem bestimmten Spiel verschaffen möchten.

Was tun, wenn Erziehende mit gemischten Gefühlen auf das Thema digitale Spiele schauen?

Wichtig ist zu betonen, dass mit dem Format des Eltern-LANs niemanden bekehrt werden soll. Wenn jemand zum Beispiel nichts von Shooter-Spielen hält und diese auch nicht spielen möchte, dann wird das bei den Eltern-LAN akzeptiert. Eltern, die Berührungsängste mit dem Thema Games haben, raten die Veranstalter, sich darauf einzulassen und sich von ihrem Kind zeigen zu lassen, wie das Spiel funktioniert und was man damit machen kann. Im besten Fall spielen Eltern und Erziehende einmal mit, um das Spiel selbst zu erleben und um besser zu verstehen, warum es so spannend sein kann. Es geht also vor allem darum, dass Eltern und Kinder miteinander in Interaktion treten und Eltern ansprechbar sind und so auch wahrgenommen werden.

Mehr Informationen

  • Das Format des Eltern-LAN findet derzeit weiterhin nur online statt. Es ist allerdings möglich, einen Termin für das erste Quartal 2022 oder später vormerken zu lassen. Interessierte wenden sich direkt an die bpb, deren Kontaktdaten auf der Webseite zu finden sind.
  • Informationen und Tipps rund um das Thema Gaming und zu digitalen Spielen gibt es auch auf spielbar.de, einer Plattform der Bundeszentrale für politische Bildung.
  • Apps für Kinder empfiehlt auch klick-tipps.net, ein Angebot für Kinderangebote im Netz von jugendschutz.net.

Quelle: Initiativbüro Gutes Aufwachsen mit Medien vom 06.08.2021

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