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Planung eines Jugendbarcamps – Erste Schritte

Ein orangefarbenes Banner mit der Beschriftung "Planung eines Jugendbarcamps - Erste Schritte" und einer Lupe mit einem Fragezeichen in der Mitte. In der linken oberen Ecke befindet sich das Projektlogo mit dem Schriftzug "jugend.beteiligen.jetzt".
Bild: © jugend.beteiligen.jetzt

Im ersten Beitrag dieser Artikelserie ging es um Prinzipien und Merkmale von Jugendbarcamps. Bevor dieser Artikel die ersten Schritte der Planung mit Themenfindung und Konzeption thematisiert, soll erst einmal die Frage beantwortet werden, wie ein Barcamptag üblicherweise abläuft. Denn auch wenn ein Barcamp ein offenes Format ist, heißt das nicht, dass es keine Struktur und Verabredungen hat.

Wie sieht ein Barcamptag üblicherweise aus?

Zu Beginn eines jeden Barcamptags steht ein gemeinsamer Start mit allen Teilnehmenden und eine Begrüßung durch den/die Moderator/-in, mit ein paar organisatorischen Hinweisen sowie dem Tagesprogramm (Programmpunkte wie Essenszeiten oder Warm-Ups, die um das Barcamp herum stattfinden). Dazu gehört auch eine Einführung in das Format Barcamp mit seinen Regeln und Prinzipien und eine Vorstellungsrunde, in der sich jede/jeder mit Namen und drei Schlagwörtern („Hashtags“) zu oder über sich vorstellt. Mit diesem Vorgehen ist die Vorstellungsrunde auch bei größeren Veranstaltungen schnell und kurzweilig geschafft. Die Sessions sind die „Workshops“, aus denen das Barcamp besteht und in denen die Menschen zusammenkommen, um sich über ein Thema auszutauschen. Im Anschluss folgt die zeitliche und thematische Planung der Sessions, mit der das Programm des Tages festgelegt wird. Danach beginnt das Barcamp mit den verschiedenen Session-Slots. Üblicherweise kommen zum Abschluss der Veranstaltung alle zu einer Abschlussrunde zusammen, um das Barcamp gemeinsam zu reflektieren.

Um was geht es bei einem Jugendbarcamp inhaltlich?

Die Themenfindung

Das Format Barcamp und sein Thema stehen in einer Wechselwirkung:

  • Thema → Format: Jugendliche oder/und Erwachsene möchten über ein bestimmtes Thema sprechen (z.B. die Neugestaltung des Jugendzentrums) und wählen dafür das Veranstaltungsformat Barcamp.
  • Format → Thema: Das Veranstaltungsformat Barcamp soll ausprobiert werden und die Suche nach einem geeigneten Thema beginnt mit der Planung der Veranstaltung.
  • Format ↔ Thema: Der strukturierte Austausch im Veranstaltungsformat Barcamp über Thema XY ist nur in dieser Form möglich.

Dass sich eigentlich jedes Thema für ein Jugendbarcamp eignet, zeigt die kleine Auswahl an bereits exisitierenden Jugendbarcamps:

Die einzelnen Jugendbarcamps werden im Laufe der Artikelserie in Form von Audiointerviews genauer vorgestellt.

Die Einbindung von Jugendlichen

Ein Barcamp ist partizipativ – und das nicht erst in seiner Durchführung, sondern schon in der Konzeption, Planung und Organisation. Bei einem Jugendbarcamp bietet es sich an, aus Sicht der Jugendlichen zu denken, von Beginn an mit ihnen gemeinsam zu arbeiten und sie bereits in die Themenfindung einzubeziehen. Durch die Einbindung von Jugendlichen von Anfang an, stehen stets ihre Ideen, Interessen und Themen im Fokus. Der Austausch und die Diskussionen untereinander sowie mit Erwachsenen, eröffnen neue Wege und Einsichten, die bisher nicht entdeckt wurden. Die Freiräume, die mit diesem Format gegeben werden, müssen sich junge Menschen oft erst aneignen und ihnen sollten Möglichkeiten gegeben werden, sich an diese Freiräume zu gewöhnen, die sie oft aus ihrem Alltag nicht kennen.

Was braucht man für ein Jugendbarcamp?

Die Konzeption

Bevor das Barcamp starten kann, steht die Konzeptarbeit. Zentral hierbei ist zu Anfang die Klärung folgender Fragen: Was ist das Ziel und wer ist die Zielgruppe? An wen soll sich das Jugendbarcamp (außerdem) richten? Und um was soll es uns gehen? Ist es öffentlich oder für eine bestimmte Gruppe Jugendlicher bestimmt, z.B. eine Jugendgruppe oder einen Sportverein?

Zudem werden die wichtigsten Rahmenbedingungen festgelegt. Dazu gehören das Thema sowie die räumlichen und zeitlichen Kapazitäten, welche die Größe des Barcamps mitbestimmen.

Um sich auf die Offenheit des Formates einzustellen und den Raum für Ideen und Freiräume nutzen zu können, kann das Barcamp über anderthalb oder zwei Tage geplant werden und/oder können mehrere Sessionplanungen an einem Tag durchgeführt werden. Damit kann es sich entwickeln und ein Wohlfühlgefühl einstellen.

Partizipative Konzeption und Planung

Um die Konzeption und Planung eines Jugendbarcamps erfolgreich partizipativ durchzuführen, ist ein gutes Kennenlernen des Formats wichtig. Hier bietet sich ein Vorbereitungsworkshop mit ein paar wenigen Jugendlichen an, die damit in die Organisation eingebunden werden und das Barcamp von Anfang an mit ausgestalten. Bei dem Vorbereitungsworkshop sollte genau geklärt werden, was ein Barcamp ist, damit die Jugendlichen die Idee und das Vorhabens weitertragen können. Außerdem können schon einmal Themen und Anliegen gesammelt werden, die die Jugendlichen interessieren.

Darüber hinaus können Arbeitsteams gebildet werden, die jeweils eine bestimmte Aufgabe im Vorfeld des Barcamps übernehmen. Hierbei bieten sich konkret folgende Gruppen für die Konzeption, die Organisation (Raumplanung, Catering), Werbung und Öffentlichkeitsarbeit, Technik sowie Finanzierung an.

Feste Rahmung des Barcamps

Ein Barcamp kann durch seine Offenheit auch verunsichern. Die Freiräume für eigene Ideen und die eigene Ausgestaltung sind für viele ungewohnt. Viele Jugendliche müssen an diese Form der Veranstaltung erst herangeführt werden, damit ihnen deutlich wird, dass es wirklich um sie geht und sie hier mit anderen zusammen neue Möglichkeiten haben, ihre Anliegen zu besprechen. Hier können Hilfestellungen gegeben werden, indem z.B. einige Jugendliche sehr stark in die Konzeption und Planung eingebunden und somit zu Multiplikator/-innen der Veranstaltung werden. Eine andere Möglichkeit ist die der vorab von Jugendlichen, Kooperationspartner/-innen oder Erwachsenen geplanten Workshops, als fester Bestandteil an einem der Veranstaltungstage. Diese Fixpunkte können als Input und zur Inspiration dienen. Zusätzlich können Erwachsene mit einer bestimmten Expertise zum Barcamp eingeladen werden, die in den Sessions von Jugendlichen in Anspruch genommen werden, wenn sie Unterstützung benötigen.

Im nächsten Artikel folgt eine detaillierte Beschreibung der Planung und Organisation eines Jugendbarcamps.

 

Jugendbarcamps – Neue Artikelserie von jugend.beteiligen.jetzt

Das Projekt jugend.beteiligen.jetzt startet eine Artikelserie rund um das Thema Jugendbarcamp, einem offenen Veranstaltungsformat für und mit Jugendlichen. Im zweiwöchigen Rhythmus erscheinen insgesamt acht Beiträge mit allem Wissenswerten, um selbst ein Jugendbarcamp durchführen zu können. Die Artikel werden begleitet von spannenden Interviews mit Einblicken in die Praxis. Menschen, die bereits Jugendbarcamps durchgeführt haben, berichten von ihren Erfahrungen, Erfolgen wie auch von den Do’s and Don’ts der Barcamp-Welt.

Feedback – eine partizipative Broschüre

Zu jedem Artikel gibt es die Möglichkeit, eigene Ideen und Erfahrungen zu teilen und Verbesserungen oder Ergänzungen zu den Artikeln zu geben. Hierfür steht ein Padlet, eine digitale Pinnwand zur Verfügung. Zum Ende der Artikelserie entsteht eine Barcamp-Broschüre, in die die Kommentare und Anregungen einfließen werden.

Quelle: jugend.beteiligen.jetzt Für die Praxis digitaler Partizipation

DE 3.0 – Namensnennung CC BY 3.0
Der Artikel "Planung eines Jugendbarcamps – Erste Schritte" von jugend.beteiligen.jetzt steht unter der DE-3.0-BY Lizenz. Urheberrechtliche Angaben zu Bildern und Grafiken finden sich direkt bei den Abbildungen.

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