Digitalisierung und Medien / Kinder- und Jugendschutz

MOOC zu Daten- und Verbraucherschutz – Online-Kurs erfolgreich erprobt

 Der Youtuber und Fersehmoderator Philipp Walulis im Interview
Bild: © Kristin Narr Für die Lernvideos des Online-Kurses wurden Interviews geführt - hier mit dem Youtuber und Fersehmoderator Philipp Walulis

Im Rahmen des IJAB-Projekts WebDays fand im Herbst 2018 der erste Online-Kurs für Jugendliche zum Thema Datenschutz – der WebDaysMOOC – statt. Der Online-Kurs richtete sich an Jugendliche ab 14 Jahren und dauerte insgesamt über 4 Wochen. Im Fokus standen Themen rund um jugendgerechten Daten- und Verbraucherschutz.

MOOC steht für “Massive Open Online Course”.

  • Massive, weil er sich an eine große Zielgruppe richtet
  • Open, weil er allen offen steht
  • Online, weil er über das Internet angeboten wird
  • Course, weil er ein festes Start- und Enddatum hat, in dessen Zeitraum sich die Lerngruppe austauscht und zusammenarbeitet. Und auch, weil nach erfolgreichem Abschluss ein Zertifikat vergeben wird.

Zum WebDaysMOOC meldeten sich über 350 Menschen an, vor allem Jugendliche, die sich mit dem Thema Datenschutz kritisch auseinandersetzen wollten. Der Online-Kurs fand auf der Plattform oncampus statt.

Direkte Beteiligung junger Menschen bei Konzeption und Umsetzung

In jeder Projektphase, von der Konzeption über die Erstellung der Produkte für den Kurs bis hin zu Plänen der Weiterentwicklung, wurden junge Menschen aktiv beteiligt.

Die erste Konzeptionsphase fand im Frühjahr 2018 statt. Im Rahmen eines Konzeptionswochenendes mit Jugendlichen, die bereits an der Konferenz WebDays teilgenommen hatten, wurden die Themen, Inhalte und einzelne Elemente des Online-Kurses festgelegt. Im Sommer 2018 arbeiteten die Jugendlichen weiter am Konzept mit und entwickelten Ideen zur genaueren Ausgestaltung der Inhalte.

Im Herbst 2018 folgte die Produktionsphase. Die Jugendlichen trafen sich in Leipzig, um mit Unterstützung der Medienwerkstatt Leipzig, einen Teil der Videos für den Online-Kurs zu produzieren.

Auf den WebDays in Mannheim fand zudem ein Workshop zur Weiterentwicklung des WebDaysMOOC statt, in dem einige Jugendliche, die bereits in der Konzeptionsphase beteiligt waren, zusammen mit anderen arbeiteten.

Vier Wochen, vier Aspekte von Daten- und Verbraucherschutz

Woche 1 nannte sich „Influencer, Social Bots & Co“. Als Einstiegswoche ging es zunächst um das „Abholen“ und das „Andocken“ an für Jugendliche bekannte Phänomene, wie Influencer auf YouTube, und dahingehend vor allem um das Erkennen, wie die Beeinflussung durch andere Menschen und Maschinen funktioniert.

Woche 2 handelte von „Datenspuren & Datenvernetzung“ und sie verfolgte das Ziel, zu verstehen, welche Daten über einen selbst und uns alle existieren und wie Daten verknüpft werden (können). Ein typischer Tag eines Jugendlichen wurde filmisch aufbereitet und es wurde dargestellt, an welchen Stellen Daten sichtbar und unsichtbar erhoben werden.

Die dritte Woche mit dem Titel „Unsere vernetzte Welt in 2038“ eröffnete ein eigens für den WebDaysMOOC erstelltes, interaktives Spiel. Demnach ging es um das Spielen in einer erschaffenen Welt, die in dem konkreten Fall in der Zukunft in 20 Jahren liegt. Die Kursteilnehmer/-innen durchliefen verschiedene Zukunftsszenarien, die auf der Grundlage aktuelle technische Entwicklungen und im Sinne der zunehmenden Kontrolle und Überwachung mit Hilfe von Technik, entwickelt worden sind.

Die vierte und letzte Woche galt der Konkretisierung in Form von speziellen Tools zur eigenen digitalen Selbstbestimmung und dem Gestalten der eigenen digitalen Umgebung. Die Kursteilnehmer/-innen lernten Werkzeuge kennen, befassten sich mit Einstellungen wie dem Deaktivieren der Ortungsdienste und mit alternativen Suchmaschinen. Zum Abschluss der gemeinsamen Kurszeit gab es eine kleine Abschlussfeier in Form einer Online-Livesession, gemeinsam mit Steffen Haschler von Chaos macht Schule und wiederum zahlreichen Tipps zum Vertiefen und Weitermachen.

In jeder Woche gab es mindestens einen Badge. Badges sind digitale Lernabzeichen, die die Lernziele kontrollieren, gleichzeitig motivieren, weiterzumachen und die individuelle Beteiligung deutlich machen. Badges bekamen die Teilnehmer/-innen, wenn sie sich bestimmte Videos angesehen und einzelne Aufgaben erledigt hatten. Am Ende erhielten die Kursteilnehmer/-innen für ihre Teilnahme ein Zertifikat.

Wie kam der MOOC bei der Zielgruppe an?

Im Rahmen einer Masterarbeit an der Universität Leipzig wird der WebDaysMOOC aktuell wissenschaftlich begleitend ausgewertet, um Erkenntnisse zu den Erfahrungen der Jugendlichen mit dem Lernformat zu gewinnen. Im Dezember 2018 wurde mit der Datenerhebungsphase begonnen, die voraussichtlich im März 2019 abgeschlossen sein wird.

Die 365 Angemeldeten (Stand: 08.01.2019) lassen sich in Deutschland, Österreich, Luxemburg, Belgien und England verorten. Ein Zertifikat für die erfolgreiche Teilnahme erhielten 80 der Angemeldeten (Stand: 08.01.2019). 28 Teilnehmer/-innen haben bereits an der Befragung teilgenommen. Davon sind 57% weiblich und 43% männlich; der Großteil (75%) besucht das Gymnasium. Die am häufigsten vertretenen Altersgruppen sind die Teilnehmer/-innen im Alter von 14 und 17 Jahren. Das Interesse am Thema, die Erweiterung des Vorwissens und der Austausch mit anderen und die Motivation durch Eltern und Lehrer/-innen wurden mit jeweils 31,03% gleichwertig genannt.

Aus Sicht der Kursteilnehmer/-innen lässt sich der Gesamteindruck des WebDaysMOOC bisher insgesamt als sehr positiv bezeichnen. 56% der Teilnehmer/-innen bewerteten den Online-Kurs als „sehr gut“ und 44% als „gut“. Es gab bislang keine negativen Bewertungen.

Aspekte, die die Jugendlichen motivierten, alle vier Wochen des Kurses zu bearbeiten, waren das große Interesse am Thema „Datensouveränität und digitale Selbstbestimmung“ und das Erhalten des Zertifikats.

2019 geht es weiter

Auch nach Ende des betreuten Kurses, steht der WebDaysMOOC als Selbstlernangebot zur Verfügung und kann weiterhin kostenlos genutzt werden.

Darüber hinaus wird es in diesem Jahr einen weiteren WebDaysMOOC geben. Die Ergebnisse aus dem Online-Fragebogen und aus den mit den Jugendlichen geführten Einzelinterviews werden als Empfehlungen in die Entwicklung des Konzepts für den WebDaysMOOC 2019 einfließen.

Weitere Informationen zum Projekt WebDays stehen bei IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit zur Verfügung. Der WebDaysMOOC findet sich bei oncampus.

Quelle: IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V., Janina Carmesin und Kristin Narr

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