Sie sind hier: Startseite  Im Fokus  Coronavirus

Coronavirus / Digitalisierung und Medien

Wichtige Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und von Tageszeitungen während der Corona-Pandemie

Ein Zeitungsjunge hält die neueste Ausgabe in die Luft.

Ein Forschungsteam vom Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie der Universität Hildesheim untersuchte in einer Studie das Informationsverhalten in Krisenzeiten. Die Ergebnisse unterstreichen die bedeutende Rolle seriöser Quellen in der Informationsversorgung während Krisenzeiten. Über 75% der Befragten gaben an, seit Beginn der Coronavirus-Pandemie mehr Nachrichten und Informationen zu konsumieren.

Die Studie der Universität Hildesheim zeigt, dass Bürger/-innen während der Covid-19 Pandemie vermehrt aktuelle und qualitativ hochwertige Information schätzen und nutzen, insbesondere des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und von Tageszeitungen. 84% gaben an mit der Informationsversorgung zufrieden zu sein. Ein interessanter Zusammenhang zeigt sich hierbei zwischen Zufriedenheit und Mediennutzung: Personen mit geringer Zufriedenheit mit der Informationsversorgung zu Covid-19 nutzen auch signifikant weniger den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Tageszeitungen. Dies unterstreicht die bedeutende Rolle seriöser Quellen in der Informationsversorgung zu Krisenzeiten.

Wie glaubwürdig und zuverlässig sind gefundene Informationen im Netz?

Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass sich mit Beginn der Corona-Krise erhöhte Zugriffe bei fast allen Nachrichten-Angeboten zeigten, aber seriöse Quellen wie deutschlandfunk.de und auch lokale Sites wie br.de oder ndr.de erhalten weitaus mehr Zugriffe.

„Im Kern stand die Hypothese, dass seriöse Informationen in Zeiten der Corona-Pandemie wieder ernst genommen werden“, sagt Professor Dr. Thomas Mandl. Der Informationswissenschaftler erforscht unter anderem seit vielen Jahren das Informationsverhalten und befasst sich mit der Frage, wie glaubwürdig und zuverlässig gefundene Informationen im Netz sind.

Eine Online-Umfrage sollte untersuchen, inwieweit Menschen ihr Informationsverhalten während der Krise wahrnehmen und welche Kriterien sie bei Informationsquellen als wichtig erachten. Dazu gaben die Teilnehmer/-innen an, welche Informationsquellen sie regulär und welche sie während Covid-19 nutzten, um eine Veränderung zu erkennen. Zudem wurde der Erhalt von Fake News berücksichtigt. Ein Wissenstest prüfte den Kenntnisstand der TeilnehmerInnen in Bezug auf den Virus. Die Umfrage wurde im Zeitraum vom 12. April bis zum 17. Mai 2020 in den deutschsprachigen Ländern durchgeführt. Teilgenommen haben über 308 Personen, davon waren 60% weiblich.

Coronavirus-Pandemie: Erhöhter Bedarf an Informationen

Die Ereignisse belegen zunächst den erhöhten Bedarf an Informationen. Über 75% der Befragten gaben an, seit Beginn der Krise mehr Nachrichten und Informationen zu konsumieren. Über 72% arbeiteten im Homeoffice, und 20% zählen sich zu Risikogruppen. Die Häufigkeit der Mediennutzung änderte sich am stärksten für offizielle Quellen wie beispielsweise das Robert-Koch-Institut, gefolgt vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Tageszeitungen. „Konform mit anderen Mediennutzungsstudien, greifen auch während der Krise ältere Personen tendenziell eher auf Zeitungen und Fernsehen zurück“, so Studien-Co-Autorin Sophie März. Jüngere Teilnehmer/-innen bevorzugen teils eher soziale Medien und Streaming Dienste. Soziale Netzwerke werden jedoch auch zum Großteil genutzt, um öffentlich-rechtlichen Kanälen und seriösen Quellen zu folgen. Die Informationsqualität kann somit nicht mehr nur durch das Medium unterschieden werden. Als Kriterien für die Auswahl von Informationsquellen werden Glaubwürdigkeit und journalistische Qualität am wichtigsten eingeschätzt. Die Personen, die sich der Risikogruppe zugehörig fühlen, legen signifikant mehr Wert auf regionale Information, die Eignung für die Familie und gute Unterhaltung.

84% gaben an mit der Informationsversorgung zu Covid-19 zufrieden zu sein. In Bezug auf die Zufriedenheit mit der Informationsversorgung während der Krise können weitere Zusammenhänge festgestellt werden. Personen, die unzufrieden waren, nutzen signifikant weniger den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, Tageszeitungen und offizielle Quellen wie beispielsweise das Robert-Koch-Institut. Personen, die unzufrieden waren, gaben generell an weniger Wert auf offizielle Quellen und mehr Wert auf die Bedeutung von Eignung für die Familie zu legen. Das persönliche Kennen des Autors, die Unabhängigkeit von Staat, Politik und Wirtschaft und die Möglichkeit, dass Meinungen geäußert werden dürfen werden von dieser Gruppe ebenfalls als wichtiger erachtet.

Fake News und Omnipräsenz in den Medien

Ungefähr 80% der Teilnehmer/-innen gaben an, bereits mit Fake News zu Covid-19 konfrontiert worden zu sein, insbesondere in Sozialen Medien. Somit scheinen die Anstrengungen der sozialen Medien bei weitem nicht auszureichend, um diese einzudämmen. Der Wissenstest wurde von fast allen TeilnehmerInnen korrekt gelöst, was für einen generellen guten Informationsstand spricht.

Die Ergebnisse zeigten aber auch, dass die Omnipräsenz von Covid-19 und daraus resultierende große Informationsmenge insbesondere in der Anfangsphase der Krise bei einigen Personen zu einem Gefühl der Hilflosigkeit und Überforderung führte, was teilweise auch zu einer bewussten Einschränkung des Medienkonsums führte. So der Studien-Co-Autor Dr. Stefan Dreisiebner, welcher mit einigen Teilnehmer/-innen auch Interviews führte: „Etliche Teilnehmer/-innen berichteten von einem Gefühl der Erleichterung, als Corona-Berichte im Laufe des Mai/Juni wieder zunehmend von anderen Schlagzeilen abgelöst wurden“.

Einschränkend ist anzumerken, dass 70% der Teilnehmer/-innen über einen Universitätsabschluss verfügten, weshalb die Ergebnisse der Studie nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sind. Der vollständige wissenschaftliche Artikel ist unter folgender Adresse zu finden: http://arxiv.org/abs/2007.13833 

Quelle: Stiftung Universität Hildesheim vom 11.08.2020

Info-Pool