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Pandemiegeschehen

WHO plädiert Schulen in diesem Winter offen zu halten

Ein Kind sitzt an einem Tisch und schreibt in ein Heft, eine erwachsene Person schaut ihm über die Schulter
Bild: August de Richelieu - picnoi.com | cut to size   Lizenz: INT 4.0 – Namensnennung CC BY 4.0

Die WHO/Europa (Weltgesundheitsorganisation Regionalbüro Europa) fordert dazu auf, die Schulen offen zu halten – unter Einhaltung angemessener Vorsorge- und Gegenmaßnahmen –, während die Europäische Region der WHO als einzige Region der WHO in der vierten Woche in Folge steigende Übertragungsraten bei COVID-19 registriert. In der dritten Oktoberwoche entfielen 57% aller neuen Fälle weltweit auf diesen Anstieg der Fallzahlen.

Der Winter steht kurz bevor und in der vergangenen Woche verzeichnete mehr als die Hälfte der 53 Länder in der Europäischen Region der WHO einen deutlichen Anstieg der COVID-19-Infektionen in allen Altersgruppen. Während die Zahl der neuen Fälle in der Europäischen Region um 18% stieg, meldeten die fünf anderen Regionen der WHO einen Rückgang der Fallzahlen.

Sieben Länder der WHO haben erneut Schulen geschlossen

Infolgedessen wurden von nationalen und kommunalen Behörden in der Europäischen Region Gegenmaßnahmen ergriffen. Insgesamt 45 Länder und Gebiete empfahlen, die Schulen für den Präsenzunterricht unter Ergreifung angemessener Maßnahmen zur Infektionsprävention und -bekämpfung offen zu halten, sieben Länder entschieden sich für eine vollständige oder teilweise Schulschließung, entweder auf nationaler oder subnationaler Ebene, und zwei Länder empfahlen Fernunterricht.

Schulen sollten zuletzt schließen und zuerst öffnen

Sofern und sobald Beschränkungen verhängt werden, um die Übertragungsraten einzudämmen oder unter Kontrolle zu bringen, sollten Schulen die letzten Orte sein, die ihre Türen schließen, und die ersten, die unter Einhaltung angemessener Maßnahmen zur Infektionsprävention wieder geöffnet werden. Kurz gesagt: Die Unterbrechung der Bildung von Kindern sollte nur als letzter Ausweg in Betracht gezogen werden.

Nicht die gleichen Fehler wiederholen wie zu Beginn der Pandemie

„Die umfassenden Schulschließungen im vergangenen Jahr, durch die die Bildung von Millionen von Kindern und Jugendlichen unterbrochen wurde, haben mehr geschadet als genutzt, insbesondere im Hinblick auf das geistige und soziale Wohlbefinden der Kinder. Wir dürfen nicht die gleichen Fehler wiederholen“, erklärt Dr. Hans Henri P. Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa.

Gesamtgesellschaftlichen Ansatz zur Eindämmung der Übertragungsraten nutzen

Anstatt Bildungseinrichtungen zu schließen, empfiehlt die WHO einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz zur Eindämmung der Übertragungsraten durch die Ergreifung einer Vielzahl von Maßnahmen, je nach Ausmaß der Übertragung. Dies umfasst auch schulische Umfelder, in denen Abstandhaltung, häufiges Händewaschen, das Tragen von Schutzmasken, die Gewährleistung einer angemessenen Belüftung in Klassenzimmern und ein verbesserter Zugang zu Tests besonders wichtig sind, insbesondere dort, wo eine hohe Prävalenz des Virus verzeichnet wird.

„Um die Auswirkungen von COVID-19 in den kommenden Monaten einzudämmen, ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Entscheidungen von Regierungen wie auch der Öffentlichkeit sich auf Daten und Erkenntnisse stützen und allen bewusst ist, dass sich die epidemiologische Situation verändern kann und wir unser Verhalten entsprechend anpassen müssen. Der Wissenschaft muss mehr Bedeutung eingeräumt werden als der Politik, und die langfristigen Interessen der Kinder müssen eine Priorität bleiben – insbesondere jetzt, wo eine Reihe von Ländern einen Anstieg der Übertragungsraten verzeichnen. Uns stehen effizientere Instrumente zur Verfügung, um diesen Anstieg zu bekämpfen, als die Schulen zu schließen“, fügt Dr. Kluge hinzu.

Dieser Ansicht ist auch Julie Green, eine Schulleiterin, die an der Grundschule Baxenden St John’s Church of England Primary School in Lancashire (Vereinigtes Königreich) mit Kinder im Alter zwischen 4 und 11 Jahren arbeitet.

„Die Rückkehr zur Schule und zum Präsenzunterricht mit ihren Lehrern war für viele Kinder die einzige Gewissheit in einer sehr ungewissen Zeit. Als Pädagogin und Mutter bin ich der Überzeugung, dass Kinder im Klassenzimmer am besten lernen. Die Pandemie ist noch nicht vorbei und natürlich müssen wir Maßnahmen ergreifen, um Kinder und Lehrer so gut wie möglich vor dem Virus zu schützen, doch im Interesse der Bildung und allgemeinen Entwicklung der Kinder sollten die Schulen offen bleiben“, erklärt Frau Green.

Neben der Impfung von vorrangigen Bevölkerungsgruppen und Lehrern empfehlen die WHO und der Europäische Beirat für Immunisierungsfragen (ETAGE) die Impfung junger Menschen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren, die unter Vorerkrankungen leiden oder in Kontakt zu immungeschwächten Menschen stehen.

Die WHO empfiehlt die Nutzung des Impfstoffs von Pfizer/BioNTech für Jugendliche im Alter zwischen 12 und 17 Jahren. Für Kinder unter 12 Jahren wird die WHO weitere Empfehlungen zur Nutzung von Impfstoffen ausgeben, sobald neue Erkenntnisse aus Impfstudien vorliegen.

Gegenwärtig wurden in der Europäischen Region der WHO 76 Millionen Fälle von COVID-19 und 1,4 Millionen Todesfälle gemeldet.

Quelle: WHO-Regionalbüro für Europa vom 29.10.2021

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