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Coronavirus / Kindheitsforschung

Umfrage-Ergebnisse: Kindheit in Zeiten von Corona

Junge sitzt allein auf einem Treppenabsatz und schaut auf sein Smartphone
Bild: Gaelle Marcel - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Die Kinder im Blick – das war die Basis einer Online-Umfrage des „SIN – Studio im Netz e.V.“ zu Ausgangsbeschränkungen im Rahmen der Corona-Pandemie, die sich an Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 16 Jahren richtete. Gefragt wurde, wie Kinder und Jugendliche die Zeit der Ausgangsbeschränkungen, Schulausfall und der vielen erschreckenden Nachrichten über Todeszahlen und Erkrankten erleben und welche Gedanken und Ängste sie haben.

„So viel Gartenarbeit habe ich lange nicht mehr gemacht…“

Die gesellschaftlichen Auswirkungen von Corona sind enorm. Man hört vom Einbrechen der Wirtschaft und der ständigen Gefahr, der sich die sogenannten Risikogruppen aussetzten, wenn sie beispielsweise zum Einkaufen gehen oder den Öffentlichen Nahverkehr nutzen. Auch Eltern stoßen in Zeiten von „Home Schooling“ recht schnell an ihre Grenzen, wenn es darum geht, das Arbeiten im „Home Office“ und die Heimbeschulung ihrer Kinder unter einen Hut zu bekommen. Aber was ist eigentlich mit den Kindern und Jugendlichen, die nicht rausgehen, auf dem Spielplatz spielen oder ihre Freundinnen und Freunde treffen dürfen? Die Ausgangsbeschränkungen gehen sicherlich nicht spurlos an ihnen vorbei. Jedoch wird dieses Thema relativ wenig in den Medien bearbeitet.

Einblick in die Gefühlswelt von Kindern und Jugendlichen

Das SIN – Studio im Netz, eine gemeinnützige, medienpädagogische Einrichtung mit Sitz in München, hat Kindern und Jugendlichen per Online-Umfragen die Möglichkeit gegeben, die eigenen Antworten zu ihrer Situation zu geben. So entstand eine Art Stimmungsbild, wie diese gerade mit den Ausgangsbeschränkungen, den Schulschließungen und Kontakteinschränkungen klarkommen. Aber auch ein paar Aspekte zu Gefühlslage in einer Krisenzeit wurden deutlich.

Diese Umfrage hat zwar keinen repräsentativen Charakter und ist daher nicht wissenschaftlich zu betrachten, gibt aber einen kleinen Einblick in die Gefühlswelt der Kinder und Jugendlichen. Insgesamt wurden 316 Stimmen ausgewertet. Die Umfrage für Kinder erfolgte im März/April 2020 über die Kinder-App „Kabu“, die Jugend-Umfrage im gleichen Zeitraum über das Tool UmfrageOnline.

Frage: Wie geht es dir, wenn du an das Corona-Virus denkst?

Die Antwort „Ich habe schon etwas Angst“ haben 47 Prozent der Kinder angekreuzt. Bei den Befragten Jugendlichen sind es hierbei nur rund ¼ der Befragten, die Angaben, Angst zu haben. Manche finden die Abstandsregelungen „komisch“ und dass man sich nun nichtmehr berühren dürfe. Außerdem fühlen sich viele von den Informationen durch Bekannte und durch verschieden Medien geradezu „überflutet“. Nur 38 Prozent der Kinder denken, dass ihnen nichts passieren wird.

Wie ist die Zeit zuhause?

Rund die Hälfte der befragten Jugendlichen findet es schön, dass sie mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen können. Etwa 40 Prozent der befragten Kinder war derselben Meinung. Allerdings sind 20 Prozent von der vielen Zeit zuhause gelangweilt bzw. genervt.

Derzeit ist keine Schule. Wie findest du das?

Sowohl die Kinder als auch die Jugendlichen verstehen die Notwendigkeit und haben Verständnis dafür. Wer allerdings meint, die Kinder sind froh darüber, dass sie nicht in die Schule gehen müssen, der irrt. Rund 30 Prozent langweilen sich. Rund 50 Prozent fehlen die Freundinnen und Freunde in der Schule. Es gab auch die ein oder andere Stimme, die gesagt hat, dass die Schulschließungen eindeutig zu spät kamen.

Wie versorgt dich die Schule mit Infos und Hausaufgaben?

Die Antworten haben uns überrascht. 40 Prozent erhalten die Aufgaben ihrer Lehrkräfte per E-Mail. Vor allem bei der Gruppe der Jugendlichen ist klar zu sehen, dass fast ¾ der Befragten ihre wöchentlichen Aufgaben auf diesem Wege erhalten. Bei den Kindern ist es nicht so eindeutig. Zwar bekommen ungefähr 40 Prozent der Befragten ihr Aufgaben per E-Mail zugesandt, Da die Kinder oftmals keine Mail-Accounts haben werden die Hausaufgaben und Informationen über die Eltern weitergeleitet. Bei dieser Frage gab es aber auch die Aussage, dass er oder sie überhaupt gar keine Aufgaben oder Infos von der Schule erhält. Der überwiegende Kontakt mit der Schule ist eher unpersönlich. Nur 10 Prozent geben an, dass sie auch via Online-Tools (Videos, Meetings, etc.) in Kontakt sind und mit Informationen versorgt werden.

Wenn du Fragen hast, kannst du mit einer Lehrkraft Kontakt aufnehmen?

Hier gab es sehr unterschiedliche Antworten. Mehr als 80 der befragten Kinder können ihre Lehrkraft jederzeit erreichen. Bei den befragten Jugendlichen waren es stattliche 60 Prozent, Ca. 20 Prozent der befragten Kinder gaben an, ihre Lehrkraft nur in äußersten Notfällen oder schlicht gar nicht erreichen zu können.

Hast du für die Schule viele Aufgaben zu erledigen?

Auf die Frage hin, ob die Befragten seit den Schulschließungen viele Hausaufgaben zu bearbeiten hätten, erkennt man, dass diese sich mittlerweile damit abgefunden haben. Rund die Hälfte aller befragten Kinder gaben an, dass der Umfang der Aufgaben „schon ok!“ sei. Rund ein Viertel findet den Umfang jedoch zu viel.
Interessanterweise sagen ca. 15 Prozent: „So gut wie jetzt habe ich noch nie gelernt“.

Lernst du auch neue Inhalte?

Bei der Frage, ob neue Inhalte während des „Home Schoolings“ bearbeitet werden, gehen die Antworten bei beiden Gruppen doch recht deutlich auseinander. Während 60 Prozent der Kinder auch neue Inhalte bearbeiten, sind es bei den Jugendlichen 80 Prozent – also die deutliche Mehrheit.

Wie bleibst du mit deinen Freundinnen/Freunden und Klassenkamerad(inn)en in Kontakt?

Wie bleiben die Befragten in diesen schwierigen Zeiten mit ihren Freunden und Freundinnen aus der Schule im Kontakt? Ganze 20 Prozent der befragten Kinder gaben an, dass sie während dieser Zeit gar keinen Kontakt zu diesen haben. Bei den Jugendlichen waren es hingegen nur 6 Prozent. Der Großteil beider Gruppen (jeweils rund die Hälfte aller Befragten) gab an, ihre SchulkameradInnen per WhatsApp zu erreichen. Hierbei wird vor allem die Videochat-Funktion genutzt, die WhatsApp bietet. Interessant ist auch, dass etwa 20 Prozent beider Gruppen auf das gute alte Telefon als Mittel zur Kontaktaufnahme zurückgriffen.

Offene Statements

Jugendlicher: „Ich finde es schade, dass manche das Thema seit Anfang an nicht ernstgenommen haben oder auch immer noch nicht ernst nehmen. Diese Leute haben leider zur Ausbreitung geführt. Die Ausgangssperre sowie den Schulausfall finde ich gut und hoffe auch das das Kulturministerium die Schulen geschlossen hält bis die Gefahr wirklich vorbei ist.“

Kind: „Ich finde die Sicherheitsmaßnahmen wichtig und ich bin froh, dass ich über Nachrichten, Telefon und SMS mit meinen Freundinnen in Kontakt bleiben kann. Und dass ich mit lesen, Spiele spielen und meiner Familie meine Zeit vertreiben kann.“

Kind: „Ich hoffe, dass alle was draus lernen.“

Quelle: SIN - Studio im Netz e.V.

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