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Coronavirus / Kinder- und Jugendarbeit

Deutsche Landjugend fordert Auffangnetz für Jugendverbands- und Jugendarbeit

Sieben Papierfiguren in unterschiedlichen Farben stehen in einem Kreis und halten sich an der Hand.
Bild: © New Africa - fotolia.com

Wegen des neuartigen Coronavirus sind Gruppenstunden und Vereinsfeierlichkeiten, Lehrfahrten und Festivals, Großveranstaltungen, Fortbildungen und Mitgliederversammlungen untersagt. Im schlimmsten Fall sei dadurch die Existenz vieler Landjugendgruppen bedroht, da große Projekte oder Festivals für sie eine zentrale Einnahmequelle darstellen. Der Bund der Deutschen Landjugend fordert deshalb unbürokratische finanzielle Unterstützung für Jugendverbände und Jugendarbeit.

„Wie bunt und abwechslungsreich wir Landleben gestalten, spüren wir jetzt besonders. Plötzlich sitzen wir zuhause fest“, umreißt Sebastian Schaller, Vorsitzender des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL) e.V. die aktuelle Situation aus jugendverbandlicher Sicht. Wegen des neuartigen Coronavirus sind Gruppenstunden und Vereinsfeierlichkeiten, Lehrfahrten und Festivals, Großveranstaltungen, Fortbildungen und Mitgliederversammlungen untersagt. Das wirke sich direkt und massiv auf die Strukturen von Jugendverbänden und die Angebote der Jugendarbeit aus und bedrohe im schlimmsten Falle die Existenz, so Schaller.

Dass viele Angebote ausfallen bzw. verschoben werden müssen, steht für ihn wie den BDL außer Frage. Das gelte auch für große Projekte oder Festivals, die Landjugendgruppen einmal im Jahr für die Leute aus der Region und darüber hinaus veranstalten. Zugleich sind diese ihre zentrale Einnahmequelle. Damit decken sie die laufenden Kosten für Räume, Fahrten, Angebote, Büroaufwände usw.

Aber Fördermittelempfänger wie gemeinnützige Einrichtungen konnten und durften kein finanzielles Polster anlegen, um sich auf eine Krise wie diese vorzubereiten. „Sie sitzen nun buchstäblich auf dem Trocknen und brauchen dringend unbürokratische finanzielle Unterstützung“, mahnt der BDL-Bundesvorsitzende stellvertretend für die 18 Landesverbände des Bundesverbands.

Lobend hebt er die schnelle Reaktion des Bundesverwaltungsamts, des Bundesjugend- und Bundeslandwirtschaftsministeriums, des Deutsch-Französischen Jugendwerks und der Landwirtschaftlichen Rentenbank hervor: „Sie haben bemerkenswert schnell und unkompliziert festgelegt, wie die Fördermittelnehmer in dieser Situation mit den abzusagenden Veranstaltungen und den damit einhergehenden Ausfallkosten umgehen sollen.“ In einem Rundschreiben hatte das Bundesverwaltungsamt geregelt, wie Ausfallkosten über den Verwendungsnachweis nachgewiesen und abgerechnet werden können.

Auf Landesebene sei dies leider nicht überall der Fall, berichten die BDL-Landesverbände. „Es ist unverantwortlich, jetzt noch aus förderrechtlichen Gründen an der Durchführung von Maßnahmen festhalten zu müssen. Die teils immensen Kosten müssen über Fördermittel abzurechnen sein“, drängt der BDL-Vorstand.

„Wir wollen unsere vielgestaltige Jugendarbeit erhalten. Das geht nur, wenn wir Jugendverbände und Jugendarbeit finanziell am Leben erhalten. Andernfalls sind viele Einrichtungen innerhalb kürzester Zeit bankrott. Was das für die Zeit nach der Pandemie für unsere Demokratie heißt, möchte ich mir lieber nicht ausmalen“, warnt Sebastian Schaller eindringlich.

Der BDL fordert daher

  1. Bundesländer, die Fördermittel für Jugendverbandsarbeit und Jugendarbeit vergeben, müssen ermöglichen, dass Ausfallkosten von Maßnahmen und Projekten förderfähig sind und mittels Verwendungsnachweis abgerechnet werden können.
     
  2. Die Bundesländer müssen umgehend grundlegende Klarheit und Sicherheit für alle Träger der außerschulischen Bildung und Jugendarbeit herstellen.
     
  3. Für Vereine und Jugendverbände muss auf Orts-, Landes- und Bundesebene dringlich ein Fonds angelegt werden, mittels dessen massive Härte- und Eigenmittelausfälle aufgrund abgesagter Festivals, Projekte, Großveranstaltungen, Feten und Feste abgemildert und unbürokratisch aufgefangen werden.
     
  4. Viele Jugendorganisationen beschaffen sich ihre Eigenmittel, durch die sie die Jugendarbeit finanzieren, indem sie Veranstaltungen für das Gemeinwesen organisieren. Der Ausfall dieser Maßnahmen führt unweigerlich dazu, dass Jugendverbände und Vereine in die Insolvenz getrieben werden. Hier muss auf Bundes- und Landesebene dringend unbürokratische und einfache Hilfe geboten werden, wenn man nicht möchte, dass die soziale Infrastruktur in den Kommunen und auf Landes- und Bundesebene massiv beschädigt wird.
     
  5. Auch während der Einschränkungen durch die Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19 sind viele Ehrenamtliche und Vereine weiterhin aktiv und stemmen Angebote virtuell. Diese Eigeninitiative gilt es zu würdigen. Für die massiven Umstellungen auf digitale Tools und Dienste braucht es finanzielle und strukturelle Unterstützung und Beratungsangebote.

„Wir sind schon immer stolz auf die lebendige Vereinskultur und Zivilgesellschaft in unserem Land. Mit enorm viel Kreativität und digitaler Unterstützung erhalten wir virtuell unsere sozialen Kontakte, teilweise auch Angebote und vor allem Austausch aufrecht. Stellt sicher, dass wir nach Corona weiterhin eine lebendige Zivilgesellschaft vorfinden!“, fordert der BDL-Bundesvorsitzende Sebastian Schaller die Entscheidungsträger in Ministerien und Verwaltung auf Bundes- und Landesebene eindringlich auf.

Quelle: Bund der Deutschen Landjugend e.V. (BDL) vom 23.03.2020