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Schulbarometer

Abgehängt in der Krise – Umfrage zeigt Ungerechtigkeiten schonungslos auf

Mann mit Jeansjacke und Mundschutz vor einer Holzwand
Bild: Hamza Nouasria - unsplash.com

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) stellte mit Blick auf die Ergebnisse des Schulbarometers fest, dass die Politik zugelassen hat, dass diejenigen, die sowieso schon in schwierigen sozialen Lagen aufwachsen, durch die Krise noch weiter abgehängt wurden.

An Schulen, an denen mehr als 50 Prozent der Kinder und Jugendlichen Eltern haben, die Transferleistungen beziehen, ist die Ausstattung mit Luftfiltern und digitalen Endgeräten schlechter. Sie haben höhere Lernrückstände und zeigen deutlicher Probleme bei der Bewältigung der Krise und der Wiederaufnahme des geregelten Unterrichts: Motivationsprobleme, Konzentrationsmängel und Absentismus sind deutlich angestiegen. Der Bundesvorsitzende Udo Beckmann unterstrich:

„Hier zeigt sich, dass das Aufholprogramm der Bundesregierung den wahren Kern des Problems nicht trifft. Im deutschen Bildungssystem sind wir in der Regel fähig und ausreichend flexibel, Lernrückstände aufzuholen oder schlicht Kompetenzen in einer anderen Klassenstufe zu vermitteln. Wie aber sollen wir die emotionalen und sozialen Beeinträchtigungen, die insbesondere während der Schulschließungen entstanden, ausgleichen? Der von den Kultusministerien gesetzte Fokus auf Lernen und Wissenserwerb muss unbedingt durch Möglichkeiten ergänzt werden, um die individuelle Förderung umzusetzen und Freiräume zu schaffen für die Herstellung von guten Beziehungen, Vertrauen und Strukturen zur Stärkung der emotionalen und sozialen Kompetenzen.“

Ebenso zeigt das Schulbarometer, wie weit Versprechen der Politik und Realität vor Ort auseinanderklaffen. Zwar werden Luftfilter mehrheitlich als geeignete Schutzmaßnahme identifiziert, aber nur an 26 Prozent der Schulen gibt es auch welche.

„Die Subventionen kommen einfach nicht an“, stellte Beckmann fest. Er begründete: „Im laufenden Haushaltsjahr können vielfach auch die 20 Prozent des Investitionsbetrags, der nicht vom Bund übernommen wird, nicht gestemmt werden. Zudem fehlt den Schulleitungen die Zeit für die Beantragung, den Kommunen das Personal zur Antragsbearbeitung und den Gewerken die freien Ressourcen, um die (teilweise mit hohen Lieferverzögerungen) bereitgestellten Geräte anzuschließen. Bei diesen vielfältigen Gründen allerdings in der Öffentlichkeit stets mit dem Finger auf Schule zu zeigen, wird der komplexen Herausforderung nicht gerecht und verkennt mal wieder die Realität.“

Apropos Realität: Beckmann bekräftigte, dass die vielfältigen Unkenrufe nach einer Impfpflicht von Lehrkräften durch die Umfrage eine weitere Bremse bekommen würden. 95 Prozent der Befragten gaben bereits im September an, geimpft zu sein. Dies deckt sich mit den Eindrücken des VBE und weiteren Erhebungen, die teilweise nur länderspezifisch veröffentlicht sind. „Wer weiter eine Impfpflicht für Lehrkräfte fordert, trägt Eulen nach Athen – und macht sich lächerlich“, ergänzte Beckmann seine bisherigen Äußerungen hierzu.

Quelle: Verband Bildung und Erziehung vom 27.10.2021

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