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UNESCO zieht kritische Bilanz zum globalen Aktionsprogramm "Bildung für alle"

Viele Hände halten die Welt
Bild: Monisha.pushparaj /commons.wikipedia.org   Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung – nicht kommerziell CC BY-NC 3.0

Trotz einiger Fortschritte hin zu einer "Bildung für alle": Nur ein Drittel der Weltgemeinschaft hat die sechs Bildungsziele erreicht, zu denen sie sich im Jahr 2000 selbst verpflichtet hat. Lediglich in der Hälfte der Länder erhalten alle Kinder eine Grundschulbildung.

Der aktuelle UNESCO-Weltbildungsbericht, der am 9. April in Paris, Neu Delhi und New York vorgestellt wurde, zieht die Bilanz des weltweiten UN-Aktionsprogramms "Bildung für alle", in dem vor 15 Jahren verbindliche Ziele für das Jahr 2015 festgeschrieben wurden:

  • Ausbau der frühkindlichen Bildung
  • Grundschulbildung für alle Kinder
  • Absicherung der Lernbedürfnisse Jugendlicher
  • die Reduzierung der Analphabetenrate unter Erwachsenen um die Hälfte
  • die Überwindung von Geschlechterdisparitäten
  • die Verbesserung der Bildungsqualität

Laut UNESCO muss die internationale Gemeinschaft zusätzlich 22 Milliarden US-Dollar pro Jahr aufbringen, um frühkindliche Bildung und Grundbildung für alle Menschen weltweit sicherzustellen.

Große Fortschritte hin zu "Bildung für alle"

"Die Welt hat große Fortschritte hin zu 'Bildung für alle' gemacht", sagt die UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova. "Millionen mehr Kinder besuchen eine Schule als es nach Trends der 1990er Jahre der Fall wäre. Doch sind wir weit davon entfernt, unsere Ziele erfüllt zu haben. Die Weltgemeinschaft braucht spezifische, mit ausreichenden finanziellen Mitteln vorangebrachte Strategien, welche den Schwerpunkt auf die Ärmsten – insbesondere Mädchen – legen, die Bildungsqualität verbessern und die Analphabetenrate reduzieren."

Positiv wird vermerkt, dass heute etwa 50 Millionen mehr Kinder in die Schule gehen als noch 1999. In 52 Prozent der Länder werde das Ziel der universellen Grundschulbildung erreicht, so der Bericht. Dies bedeute aber auch, dass immer noch 100 Millionen Kinder weltweit die Grundschule nicht abschließen. Da man sich zu wenig um Kinder in schwierigen Lebensumständen kümmere, sei die Wahrscheinlichkeit, die Grundschule abzuschließen, unter den Ärmsten global fünfmal geringer als unter den Reichsten. Ein Drittel aller Kinder, die weltweit nicht zur Schule gehen, lebt in konfliktreichen Regionen.

Weiterhin viele Analphabeten im Erwachsenenalter

Nur einem Viertel der Länder ist es gelungen, in den 15 Jahren des Aktionsprogramms die Analphabetenrate unter Erwachsenen um 50 Prozent zu senken. Zwar fiel die Analphabetenrate unter Erwachsenen in diesem Zeitraum von 18 Prozent auf 14 Prozent. Dieser Fortschritt sei aber fast vollständig darauf zurückzuführen, dass besser gebildete junge Menschen das Erwachsenenalter erreichten. Nach wie vor sind fast zwei Drittel der Analphabeten Frauen. So kann in Subsahara-Afrika jede zweite Frau nicht lesen und schreiben.

Zu wenig Lehrer, große Finanzlücke

Die Schüler-Lehrer-Relation verbesserte sich zwischen 1990 und 2012 in 121 von 146 erfassten Ländern. Allerdings werden immer noch vier Millionen zusätzliche Lehrer benötigt, um alle Kinder zu beschulen.

Seit 2000 haben viele Regierungen ihre Bildungsausgaben wesentlich erhöht, 38 Länder um mindestens ein Prozent ihres Bruttonationaleinkommens. Dennoch bleibt die Finanzierung das größte Hindernis, um die grundlegenden Bildungsziele zu erreichen. Die internationale Gemeinschaft müsse gemeinsam mit den Regierungen Möglichkeiten finden, die jährliche Finanzlücke von 22 Milliarden US-Dollar zu schließen, so der Weltbildungsbericht.

Die Autoren fordern, dass die zurzeit verhandelte UN-Agenda für nachhaltige Entwicklung die Erkenntnisse des Berichts berücksichtigt. Zukünftige Bildungsziele müssten spezifisch, relevant und realistisch sein und einen Schwerpunkt auf Bildung für benachteiligte Gruppen legen.

Deutscher Launch des UNESCO-Weltbildungsberichts am 21. April

Am 21. April stellen das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und die Deutsche UNESCO-Kommission den Weltbildungsbericht in Deutschland vor. Der Direktor des Berichts, Aaron Benavot, wird die Ergebnisse im Rahmen eines Fachgespräches im BMZ in Bonn präsentieren und die Erkenntnisse mit deutschen Experten aus der Entwicklungszusammenarbeit diskutieren.

Die Deutsche UNESCO-Kommission und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung werden im Mai eine deutsche Kurzfassung des Berichts veröffentlichen.

Weitere Informationen:

Quelle: Deutsche UNESCO-Kommission e.V. vom 09.04.2015