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Jugendamtsmonitor

Offensive der BAG Landesjugendämter – Interview und lokale Aktionswochen

Ausschnitt eines Kampagnenplakats auf der eine lächelnde Familie zu sehen ist
Bild: BAG LJÄ Ausschnitt eines Plakats der Kampagne "Das Jugendamt. Unterstützung die ankommt" - Von den Frühen Hilfen über die Kinderbetreuuung bis zur Familienberatung begleitet Sie das Jugendamt.

Die von der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Landesjugendämter gemeinsam mit Jugendämtern getragene deutschlandweite Offensive unter dem Motto „Das Jugendamt. Unterstützung, die ankommt“ ist mit der Veröffentlichung des Jugendamts-Monitors gestartet. Ziel der Offensive zur Arbeit der Jugendämter ist es, die Leistungen und die gesellschaftliche Bedeutung der Jugendämter in positiver Weise ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Die BAG Landesjugendämter knüpft dabei an die Aktionswochen der vergangenen 10 Jahre an, in denen Jugendämter sich alle zwei Jahre zu verschiedenen Schwerpunktthemen gemeinsam öffentlich präsentiert haben.

Der Jugendamts-Monitor

Für die Jahre 2020/2021 wird die Offensive mit Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Die BAG Landesjugendämter hat damit erweiterte Möglichkeiten für die professionelle Ausgestaltung. So konnte die BAG Landesjugendämter erstmals im Rahmen der Jugendamts-Offensive eine wissenschaftliche Arbeit zu den Jugendämtern präsentieren. Heinz Müller vom Institut für sozialpädagogische Forschung Mainz gGmbH hat im Auftrag der BAG Landesjugendämter einen Jugendamts-Monitor erstellt und präsentiert darin Zahlen und Fakten sowie Grundsätz-liches zur Geschichte und zur Bedeutung der Jugendämter.

Interview: Daten und Fakten zu einer ganz besonderen Behörde

Im Interview spricht Heinz Müller vom Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz gGmbH über zentrale, aber auch überraschende Ergebnisse und über die Bedeutung des Jugendamts-Monitors für die Arbeit der Jugendämter.

Warum ist dieser Monitor wichtig?

Heinz Müller: Es handelt sich in der Tat um den ersten Jugendamtsmonitor in Deutschland. Die 559 Jugendämter in den Städten und Landkreisen sind zu einer zentralen Agentur für Kinder, Jugend-liche und Familien geworden, die die Bedingungen des Aufwachsens ganz massiv mitgestalten. Doch kaum jemand weiß, was die konkreten Aufgaben und Funktionen von Jugendämtern sind und was sie über den Kinderschutz hinaus leisten. Der Monitor gibt mit Daten und Fakten, mit einer Beschreibung der unterschiedlichen Handlungsfelder und mit Erläuterungen zum Aufbau und zu Arbeitsweisen von Jugendämtern einen ersten Überblick über die Jugendamtslandschaft in Deutschland. Der Monitor schafft Transparenz über eine ganz besondere Behörde und gibt Einblicke in ihr Innenleben.

Welche Ergebnisse haben Sie überrascht?

Müller: Nicht überraschend, aber dann doch sehr erstaunlich zeigt der Monitor über die verschie-denen Handlungsfelder von Jugendämtern, dass diese etwa ein gutes Drittel der Bevölkerung – also etwa 27 Millionen Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene, Mütter und Väter – auf vielfältige Art erreichen, unterstützen, beraten oder Hilfen zuteilwerden lassen. Die Jugendämter gestalten, planen und steuern den drittgrößten Sozialleistungsbereich, den wir in Deutschland haben und verantworten so etwa 56 Mrd. Euro jährlich – mit stetig steigender Tendenz.

Was sind die zentralen Ergebnisse?

Müller: Es ist schwierig, nur wenige Ergebnisse zu benennen. Viele Leserinnen und Leser werden ihr Jugendamt nach der Studie des Monitors mit ganz anderen Augen sehen. Wer weiß außerhalb des Jugendamts schon, dass Jugendämter eine sehr demokratisch aufgestellte Behörde mit einem politischen Jugendhilfeausschuss an ihrer Seite sind? Wer weiß schon, dass die Jugendämter den höchsten Anteil an Akademikerinnen und Akademikern unter den Beschäftigten von allen Kommu-nalverwaltungen haben? Wer weiß schon, dass die Arbeit der Jugendämter in sehr viele Poli-ikfelder hineinwirkt, um die großen gesellschaftspolitischen Themen wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Sicherung von Teilhabechancen für alle Kinder und Jugendlichen, die Integration von Migrierten und den demographischen Wandel zu gestalten? Das alles tun Jugendämter mit den ihnen zur Verfügung stehenden Instrumenten, die durch Recht und Fachlichkeit abgesichert sind.

Wie profitiert die Arbeit der Jugendämter von den Ergebnissen?

Müller: Der Jugendamtsmonitor stellt Transparenz her. Für alle 800.000 Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe wird das Jugendamt greifbarer gemacht. Denn hier werden die Weichen für alle Handlungsfelder der Kinder- und Jugendhilfe gestellt. Auch alle 25.000 Kommunalpolitikerinnen und -politiker sollten wissen, wofür ihr Jugendamt alles verantwortlich ist und warum so viel Geld in die Kinder- und Jugendhilfe fließt. Außerdem sollen Journalistinnen und Journalisten hier leicht zugängliche Grundlagen für ihre fallbezogenen Recherchen finden können. Für diese Zielgruppen und eine interessierte Öffentlichkeit ist der Monitor gedacht. Schon wenn sich nur ein kleiner Teil der Zielgruppe mit ausgewählten Aspekten des Monitors beschäftigt und bei inhaltlichen Fragen zum Jugendamt darauf verwiesen werden kann, würden die Jugendämter gestärkt. Der Monitor zeigt, dass sich deutlich mehr hinter dem Begriff „Jugendamt“ verbirgt, als nur „Jugend“ oder „Kinderschutz“.

Der Monitor ist kostenlos abrufbar unter: www.unterstuetzung-die-ankommt.de/de/zahlen-und-fakten/

Aktuelle Situation von Kindern und Jugendlichen unter Corona-Bedingungen

Die BAG Landesjugendämter äußerte sich im Rahmen der Öffentlichkeitskampagne zum Jugendamts-Monitor auch zur Situation von Kindern und Jugendlichen in Corona-Zeiten.
Gegenstand dabei sind zentrale Befunde aktueller Studien sowie die Ergebnisse einer eigenen Umfrage unter Jugendämtern zu den Problemen und Fragestellungen, die sie bei den jungen Menschen wahrnehmen. Isolation, Einsamkeit, Angst und Langeweile waren häufig genannte Gefühlslagen, die den Alltag junger Menschen in den vergangenen Monaten bestimmten.
Eine Bewertung der Situation von Kindern und Jugendlichen in der Corona-Krise (PDF, 150 KB) hat die BAG Landesjugendämter in ihren 5 Thesen niedergelegt.

Vorschau lokale Aktionswochen

Die lokalen Aktionswochen, die bundesweit für die Arbeit der Jugendämter mobilisieren sollen, sind für April und Mai 2021 vorgesehen. Sie werden, das ist aufgrund der Pandemie heute schon absehbar, nur bedingt mit großen Veranstaltungen und viel Präsenz im öffentlichen Raum stattfinden können. Die AG Öffentlichkeitsarbeit der BAG Landesjugendämter strickt gemeinsam mit den beteiligten Agenturen an neuen Formen für die öffentliche Darstellung, für die schon viele kreative Ideen entwickelt wurden, die auch jenseits der aktuelle Offensive einsetzbar sein werden. Alle Jugendämter sind gemeinsam mit ihren Partnern herzlich eingeladen, sich an diesen Aktionswochen zu beteiligen. Der Abschluss der Aktionswochen ist für den 17. Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag geplant, der vom 18. bis 20. Mai in Essen stattfinden wird.

Mitarbeitende von Jugendämtern können den Newsletter zur Offensive per formloser Mail an [email protected] bestellen.
Weiterführende Informationen zur Kampagne sind zu finden unter: www.unterstuetzung-die-ankommt.de

Quelle: BAG Landesjugendämter

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