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Ein Leben ohne festen Wohnsitz – Impressionen einer Studentin vom Kölner Hauptbahnhof

Ein junger Obdachloser auf der Kölner Domplatte
Bild: Marco Dahmen

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Köln im Studiengang Pädagogik der Kindheit und Familienbildung entstanden und von Sylke Burger verfasst worden. Er wurde geringfügig redaktionell überarbeitet und gibt einen Einblick in die Forschungs- und Studienpraxis der Studierenden.

Copyright: Marco Dahmen

Das Überlebenszentrum Gulliver bietet obdachlosen und arbeitslosen Menschen von frühmorgens bis spät am Abend gegen einen kleinen Obolus neben dem Frühstück und Abendessen auch persönliche Beratung und eine Jobbörse an.

Sylke Burger, Studentin des Studiengangs Pädagogik der Kindheit & Familienbildung der Fachhochschule Köln, hat im Rahmen eines Seminars zum Thema Diversity Interviews geführt mit Menschen ohne festen Wohnsitz am Kölner Hauptbahnhof.

"Jenseits von Meldungen, die über den Erfrierungstod von Obdachlosen informieren, sind die Lebenswege und Lebensbedingungen von Menschen ohne festen Wohnsitz kaum bekannt. Eine Spurensuche am Kölner Hauptbahnhof.

Ein kalter Morgen.

Es ist ein kalter Tag im Mai. 7 Grad Celsius – Regen und Wind. Im warmen Bett überlege ich, ob ich heute wirklich die Gespräche mit den Obdachlosen auf der Straße durchführen oder doch lieber an einem wärmeren Tag gehen soll. In der nächsten Sekunde schäme ich mich für meine Gedanken: „Was für ein Luxusproblem! Ich kann es mir aussuchen, wann ich in die Kälte gehe. Die Menschen, die auf der Straße leben, haben keine Wahl. Ganz egal, ob es regnet oder schneit.“

Wie viele Menschen leben in Köln bzw. in Deutschland ohne festen Wohnsitz?

Die Bundesregierung führt selbst keine Statistik zur Zahl der wohnungslosen Menschen. Es gibt jedoch eine Reihe von Erhebungen auf Landes- und kommunaler Ebene. Nordrhein Westfalen veröffentlicht jährlich im Auftrag des Ministeriums für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein Westfalen eine Wohnungsnotfallberichterstattung.
Demnach waren im Jahr 2013 rund 20.000 Menschen in Nordrhein Westfalen ohne festen Wohnsitz und davon waren schätzungsweise 5.000 Menschen in Köln betroffen.

Deutschlandweit waren laut Angabe der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. (BAG) im Jahr 2012 schätzungsweise 284.000 Menschen ohne festen Wohnsitz, rund 35.000 mehr als im Jahr zuvor. Und dies in einem Industrieland, das zu den reichsten Ländern der Welt zählt. Nach Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. sind von diesen 284.000 obdachlosen Menschen 10 Prozent Kinder und minderjährige Jugendliche, 25 Prozent erwachsene Frauen. Den höchsten Anteil mit 75 Prozent haben männliche Erwachsene.

Gibt es einen klassischen Weg in die Obdachlosigkeit?

Nach Aussagen des Sozialdienstes Katholischer Männer e.V. geraten Menschen aus vielfältigen Gründen in die Obdachlosigkeit: persönliche Konflikte, psychische Probleme, finanzielle Schwierigkeiten, gesundheitliche Beeinträchtigungen sowie Wohnungs- und Arbeitsplatzverlust. Laut dem vierten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung wird in der Lebenslaufperspektive erkennbar, wie Wohnungslosigkeit durch „Friktionen sozialer Netzwerke“ bedingt sein kann, wenn z. B. Jugendliche wegen Konflikten das Elternhaus verlassen oder Personen in mittlerem  Lebensalter eine Familientrennung zu bewältigen haben. Wohnungslosigkeit stellt somit in der Regel kein isoliertes Problem in einer ansonsten unbelasteten Lebenslage dar, sondern kann in vielfältigen Varianten mit finanziellen, gesundheitlichen, familiären, gesellschaftlichen und anderen Belastungen verknüpft sein.

Drei Menschen – Drei Schicksale

Köln Hauptbahnhof. Die moderne Welt kommt hier zusammen. Geschäftsleute, Familien und Touristen bevölkern den Vorplatz des Hauptbahnhofes im Schatten des Kölner Doms und die zugige Domplatte. Mittendrin, doch im Grunde nicht dabei: die Obdachlosen.

Benjamin D., 24 Jahre alt, ist einer von ihnen, und sein „zu Hause“ sind die Straßen und Ecken rund um den Kölner Hauptbahnhof. Dort treffe ich ihn auf der zugigen Domplatte. Er hockt auf dem kalten Boden. Seine Arme umklammern die Beine. Seinen Kopf hat er auf den angewinkelten Knien abgelegt. Die Augen sind geschlossen. Ich werfe 50 Cent in seinen Plastikbecher. Sein Blick richtet sich auf und er bedankt sich. Ich frage ihn, ob ich ihm ein paar Fragen über sein Leben stellen darf. „Ja“, antwortet er müde. „Seit wann leben Sie auf der Straße?“ frage ich. „Mit einem Jahr Unterbrechung seit insgesamt drei Jahren“, antwortet Benjamin D. Seine Mutter hat die Familie verlassen, da war er sechs Jahre alt. Seit seinem sechsten Lebensjahr lebte Benjamin D. nach der Trennung seiner Eltern beim Vater. Als Besitzer eines Vier-Sterne-Restaurants in Köln war der Weg seines Sohnes auf die Straße keineswegs vorgezeichnet. Eher doch die Übernahme des Restaurants, denn Benjamin D. lernte im väterlichen Betrieb Koch. Mit 14 Jahren machte er sich mit seinem Vater auf eine langersehnte und geplante Reise in den Kongo. Der Vater bildete Polizisten im Kampfsport aus. Benjamin D. besuchte im Kongo die Schule und lernte von seinem Vater sich selbst zu verteidigen. Ihr vierjähriger Aufenthalt fand ein unerwartetes Ende, als Benjamin D. einen schweren Autounfall erlitt. Die Krankenhaus- und Arztkosten waren nicht mehr finanzierbar. Das Haus musste verkauft und die Rückkehr nach Deutschland organisiert werden.

Zurück in Deutschland gründeten Vater und Sohn eine Reinigungsfirma, doch zwei Jahre später verstarb der Vater und hinterließ einen verzweifelten Sohn, der nicht in der Lage war, den Verlust zu überwinden. Mit nur 20 Jahren landete er, wie er selbst sagt, „auf der Straße“. Als er sich nach einem Jahr in eine junge Frau verliebte, sah es zunächst für ihn so aus, als könne er wieder ein „normales Leben“ führen. Doch nur 12 Monate später war Schluss mit der Liebe und die Straße hatte ihn wieder. Seit zwei Jahren verbringt er die meiste Zeit rund um den Kölner Dom. Das Leben auf der Straße sei härter geworden, die Konkurrenz beim Betteln nicht ganz einfach. Benjamin D. will auf jeden Fall weg von der Straße. Er möchte eine eigene Wohnung. Und vor allem wieder in seinen Beruf einsteigen und als Koch arbeiten.

Der Sozialdienst Katholischer Männer e.V. Köln (SKM) hat Benjamin D. unterstützend einen Sozialarbeiter zur Seite gestellt. Er hilft Benjamin D. eine Wohnung zu finden und dann einen Job. Denn ohne festen Wohnsitz gibt es keine feste Berufseinstellung. Benjamins fester Wille, wieder ein Leben mit festen Wohnsitz und Beruf zu führen, ist beeindruckend. Auf die Frage, welche Situationen ihn auf der Straße kränken, sagt er spontan: „Eigentlich nichts mehr. Das, was gesagt wird, geht hier rein und da wieder raus.“ Auf nochmaliges Nachfragen verrät er, dass es ihn früher gestört habe, wenn Jugendliche zu ihm sagten: „Ey, bettel hier nicht so rum, such Dir mal einen Job!“ Oder andere sagten: „Nike Schuhe tragen, aber hier betteln!“ Benjamin D. sagt, dass diese Menschen vergessen, dass manche Menschen ihm auch ihre alten Schuhe oder Kleidungsstücke schenken. Außerdem hatte er auch ein Leben vor der Straße und da hatte er mal gutes Geld verdient. Benjamin D. wirkt müde und erschöpft. Der Wind hier auf der Domplatte weht erbarmungslos auf unsere Haut. Ich frage Benjamin D. noch, was er in seinen drei Taschen hat, die neben ihm liegen. In einer ist ein Schlafsack, in der zweiten zwei Hosen und zwei Pullis und ein T-Shirt, in der dritten Tasche etwas zu Essen von Passanten sowie Zahnbürste und Zahnpasta. Ich möchte wissen, wie sicher bzw. gefährlich es ist, hier auf der Straße am Kölner Hauptbahnhof zu leben? Benjamin D. erzählt mir, dass letzte Woche Jugendliche mit einem Messer einen Obdachlosen niedergestochen haben. Ohne Grund. Während des Schlafens. „Mir ist bisher nichts passiert!“, erklärt der junge Mann weiter. Während des halbstündigen Gesprächs ist mir bereits bitter kalt geworden. Es ist Frühling und die Vorstellung, dass Benjamin D. bis auf wenige Stunden in der Nacht, und das auch nur wenn er mit etwas Glück eine Notschlafstelle ergattert, hier sein Leben lebt, lässt mich schaudern.

Traum eines „normalen“ Lebens

Den Traum eines "normalen Lebens" teilt Benjamin D. mit der 51-Jährigen Maria K. Ich treffe Maria K. vor dem sogenannten „Überlebenszentrum für Obdachlose “Gulliver“, das sich seit über 10 Jahren in der Nähe des Kölner Hauptbahnhofes befindet. „Was gefällt Ihnen hier am Gulliver?“ frage ich Maria K. „Man kann gut essen und sich tagsüber gut aufhalten, wenn es draußen kalt ist oder regnet.“

Das Überlebenszentrum Gulliver bietet obdachlosen und arbeitslosen Menschen von frühmorgens bis spät am Abend gegen einen kleinen Obolus neben dem Frühstück und Abendessen auch persönliche Beratung und eine Jobbörse an. Ich frage die 51-jährige Frau: „Wie sah ihr Leben vor der Obdachlosigkeit aus und wie sind Sie in die Obdachlosigkeit gekommen?“ Maria K. kommt ursprünglich aus Bayern. Sie ist gelernte Bäckerei-Gehilfin und Schreinerin. Seit mehreren Jahren ist sie jedoch arbeitslos. Maria K. träumte noch vor einem Jahr davon, ein neues Leben mit Arbeit gemeinsam mit anderen Menschen in einer Wohn-und Arbeitsgemeinschaft in der Nähe von Köln zu beginnen. Dieses Zusammenleben und gemeinsame Arbeiten scheiterte. Da stand Maria K., immer noch ohne Job, und nun auch ohne Wohnung. Sechs Monate ist dies her. Aufgrund einer Recherche im Internet fand Maria K. eine Notschlafstelle in Köln: das „Comeback", eine Einrichtung der Caritas und dem Sozialdienst katholischer Frauen e.V. für obdachlose Mädchen und Frauen in Köln. Damit die weiblichen Obdachlosen nicht auf der Straße schlafen müssen, können sie im Notfall für einen Monat von abends um 20 Uhr bis 10 Uhr morgens übernachten. Nach dem Monat müssen die Obdachlosen pausieren und können danach wieder für einen Monat im Comeback schlafen.

Maria K. fand nach den ersten vier Wochen im „Comeback“ eine neue Unterkunft, das „Haus Rosalie“ in Köln-Nippes, für obdachlose Frauen. Hier lebt sie vorerst seit sechs Monaten mit sechs weiteren obdachlosen Frauen. Maria K. erklärt: „Die Mitarbeiterinnen kümmern sich sehr darum, dass ich wieder eine Wohnung finde und dass ich einen Wohnberechtigungsschein für Sozialwohnungen bekomme. Da wird echte Hilfe geleistet.“ Maria K. berichtet weiter: „Ich möchte aber nicht obdachlos bleiben. Ich mache verschiedene Versuche wieder eine feste Arbeitsstelle zu bekommen.“ Auf die Frage, welches ihr  schönstes Erlebnis in den letzten Monaten gewesen sei, antwortet die 51-jährige Frau mit einem Lächeln: „Da habe ich mehrere! Ein schönes Erlebnis ist, dass ich die Stadt Köln in und auswendig kenne!“ So erklärt Maria K.: „Als ich noch keinen Köln-Pass und keine Monatskarte für Bus und Straßenbahn hatte, musste ich zwangsläufig alle Strecken zu Fuß ablaufen. Auf diese Weise habe ich einen guten Überblick über Köln bekommen. Heute kenne ich fast jeden Stadtteil von Köln.“ Ihre Art, dieses Erlebnis positiv zu sehen, beeindruckt mich. Dann erzählt sie weiter: „In der Frauen-Notschlafstelle „Comeback“, da haben sich einige Freundschaften mit den Frauen entwickelt. Mit machen von ihnen treffe ich mich heute noch.“ Ich frage Maria K., ob sie auch kränkende Situationen während ihrer Obdachlosigkeit erfahren hat und darüber berichten möchte. „Da gibt es einiges! Aber da möchte ich nicht drüber reden“, antwortet Maria K. und blickt auf den Boden.

Welche Träume hat die 51-Jährige wohnungslose Frau? „Meine Träume?“ fragt sie. „Erst einmal möchte ich ein normales, gewöhnliches Leben. Mit Geld verdienen. Normales, „richtiges Geld“, keinen 1-Euro-Job mehr!“ Dafür möchte Maria K. ihre Talente und Fähigkeiten einsetzen und als Bäckerin, Köchin oder Gärtnerin arbeiten.

Trotz aller Härte

Aber es gibt auch Menschen, die trotz der Härten des Obdachlosenalltags, das Leben auf der Straße für sich vorziehen, wie der 65-Jährige Bernd H. Seit einem Jahr lebt der Kölner auf der Straße am Rheinufer in der Nähe des Hauptbahnhofes. Wie sah sein Leben vor der Obdachlosigkeit aus? Der 65-Jährige hat viele Jahre in einer Firma als Schlosser gearbeitet. Bereits einige Jahre vor seinem offiziellen Rentenalter hat er beschlossen, nicht mehr zu arbeiten. „Ich wollte einfach frei sein!“ sagt Bernd H. mit einem Strahlen in den Augen. Damals lebte er mit Ehefrau und 24-Jähriger Tochter in einer Kölner Wohnung. Vor genau einem Jahr ist es zu einem gewalttätigen Streit zwischen Vater, Mutter und Tochter gekommen. Das war nicht der erste Streit in der Familie. Bernd H. erklärt: „Immer waren alle, meine Frau und meine Tochter, gegen mich. Nach diesem Streit hatte ich die Schnauze richtig voll! Ich wollte nur noch meine Ruhe und meinen Frieden!“ An diesem Tag verließ Bernd H. wortlos die gemeinsame Wohnung und kehrte nie mehr zurück. Seit einem Jahr schläft der 65-Jährige Kölner nun unter der Hohenzollernbrücke in der Nähe des Kölner Hauptbahnhofes. Seine Frau und seine Tochter hat er nach dem Streit nie wieder gesehen. Bernd H. legt Wert darauf, dass er nicht bettelt, sondern dass er sein Geld mit dem Sammeln von Flaschen am Rheinufer verdient. Im Sommer, an einem „richtig guten Tag“, wenn viele Menschen am Rheinufer ihr Kölsch oder Cola trinken, nimmt er 20 bis 30 Euro an Pfandgeld ein. Ansonsten zwischen 5 und 10 Euro.

Seine Augen strahlen, wenn er von seinem Leben hier auf der Straße erzählt: „Es ist die frische Luft hier am Rhein, die mich glücklich macht. Und der Frieden. Kein Streit mehr mit meiner Frau und meiner Tochter.“ Ich frage Bernd H. wo er sich noch wohl fühlt? „Im Gulliver. Man kann da tagsüber Schlafen. In einem extra Raum stehen sechs Betten stehen zur Verfügung. Meistens ist da tagsüber immer ein Bett frei. Und für 1,80 Euro gibt es ein großes Frühstück mit Brötchen, Wurst und Kaffee.“ Seine Augen blitzen und er lächelt. „Außerdem gibt es im Gulliver Toiletten und Duschen und man kann seine Wäsche waschen und trocknen!“ erzählt er mit Begeisterung.

Die Angebote im Gulliver sind gemeinsam mit den Betroffenen entwickelt wurden. Denn die obdachlosen Menschen wissen am besten, was sie dringend brauchen, um ihren Alltag besser bewältigen zu können. Und wie stellt sich der 65-Jährige Obdachlose seine Zukunft vor? „Ich möchte so weiter leben. Flaschen sammeln. Frische Luft und keinen Streit“, lächelt die Kölner Frohnatur. Außerdem erhält er in ein paar Monaten seine Rente. Darauf freut er sich auch. Wichtiger ist dem 65-Jährigen jedoch, dass er weiterhin an der frischen Luft in Köln auf den Straßen leben kann und weiterhin sein Geld mit Flaschen sammeln verdient.

Wohnungslos zu werden oder zu sein, empfinden die Menschen so unterschiedlich sie sind. Dies sind nur drei Berichte, von schätzungsweise rund 280.000 Menschen (BAG 2012) ohne festen Wohnsitz in Deutschland. Und die Zahl ist laut Wohlfahrtsverbände jedes Jahr steigend.

Was kann die Politik tun, um Menschen vor der Obdachlosigkeit zu bewahren bzw. sie wieder in ein „normales“ Leben zu bringen?

Um die Wohnkostenbelastung als mögliche Ursache für Obdachlosigkeit zu minimieren, muss ein ausreichendes Angebot von bezahlbaren Sozialwohnungen geschaffen werden.
Verschiedene Verbände fordern des Weiteren seit Jahren: Schaffung einer  deutschlandweiten offiziellen Obdachlosen-Statistik, damit es überhaupt eine Übersicht gibt, wie viele Menschen in Deutschland obdachlos sind. Aufgrund dieser Zahlen könnten deutschlandweit entsprechende sozialpolitische Maßnahmen für wohnungslose Menschen bzw. von der Obdachlosigkeit bedrohte Menschen umgesetzt werden. Wie beispielsweise die Schaffung von ausreichenden Notschlafstellen und sozialen Einrichtungen für Obdachlose. Der Verdacht liegt nahe, dass sich Politik und Verwaltung durch die Nichterfassung von der Pflicht befreien, ausreichende Schlafstellen und Eingliederungshilfen zur Verfügung zu stellen.

Die Frage ist, wie können wir obdachlose Menschen unterstützen, denen wir begegnen?

Neben der physischen Unterstützung, einer Essens- oder Geldspende, sollten wir diese Menschen aus meiner Sicht vor allem psychisch stärken! Und wie? Durch Respekt und Anerkennung. Anerkennung ist das Wichtigste, was ein Mensch braucht. Es ist das größte Bedürfnis, neben Essen, Schlaf und einem sicheren zu Hause. Also warum schenken wir Obdachlosen, denen wir begegnen, nicht einfach mal unsere Aufmerksamkeit? Ein Versuch ist es wert. Wenn nur jeder 50. Passant auf der Domplatte mit einem Obdachlosen spricht oder ihm bzw. ihr ein Lächeln schenkt, wer weiß was dies schon an positiven Auswirkungen auf sein/ihr Selbstbewusstsein haben wird? Und wer weiß, vielleicht treffen auch in unserem Leben einmal „unglückliche Umstände“ ein und wir haben keine eigene Wohnung mehr. Wie wollen wir dann behandelt werden? Mit Ignoranz und Ausschluss? Oder mit Respekt und Wertschätzung?"

Sylke Burger

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Köln im Studiengang Pädagogik der Kindheit und Familienbildung entstanden.