Förderung der Erziehung in der Familie

Präsentation von Forschungsergebnissen zum Eltern-Kind-Programm (EKP®) bei Fachtag in München

Eine junge Frau trägt ein Kleinkind auf dem Arm.
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Am 2. Oktober fand an der Katholischen Stiftungsfachhochschule in Kooperation mit der Hauptabteilung „Außerschulische Bildung“ des Erzbischöflichen Ordinariats München und dem Eltern-Kind-Programm der Katholischen Erwachsenenbildung der Erzdiözese München und Freising (KEB) ein Fachtag zum Eltern-Kind-Programm EKP®: heute und morgen statt, in dessen Rahmen die Ergebnisse eines einjährigen Forschungsprojektes von Bachelor- und Masterstudierenden der Stiftungsfachhochschule präsentiert wurden.

Durch den Wandel von Gesellschaft und Familie haben sich die Rahmenbedingungen für das Eltern-Kind-Programm geändert. „Meine Studierenden haben über einen Zeitraum von zwei Semestern durch qualitative Interviews und Fragebögen wissenschaftliche Daten dazu erhoben, inwiefern sich das EKP® in den letzten Jahren verändert hat bzw. inwiefern sich die gesellschaftlichen Veränderungen auf das Programm auswirken. Wer sind die heutigen Teilnehmerinnen? Wie ist die Sicht der EKP®-Gruppenleiterinnen, was sagen Expertinnen zur veränderten Situation? Mit unserer Forschungsarbeit haben wir allerdings nicht nur den Status quo definiert, sondern unseren Blick – basierend auf den Ergebnissen der empirischen Sozialforschung – auch auf die Zukunft gerichtet, um gezielte Impulse für die künftige EKP®-Praxis und deren potenziellen Zielgruppen zu liefern“, erklärt Prof. Dr. Michaela Gross-Letzelter, Professorin für Soziologie an der KSFH und Leiterin des Forschungsprojektes. „Ich bin sehr begeistert von der guten Zusammenarbeit zwischen unserer Hochschule und den kooperierenden Praxiseinrichtungen. Für beide Seiten hat sich meines Erachtens eine klare Win-win-Situation ergeben.“

Veränderter Rahmen, veränderte Anforderungen

Die Nachfrage am Eltern-Kind-Programm stagniert derzeit – nicht nur in Bezug auf die Teilnehmerzahlen, sondern auch in der Neugewinnung von Gruppenleiterinnen. Die erforschten Gründe hierfür sind mannigfaltig. Im Zeitalter der Digitalisierung und des Internets haben die Eltern die Qual der Wahl: das abrufbare Angebot ist sehr viel größer geworden, zudem reichen oftmals ein paar Mausklicks, um eigenes Fachwissen zu erwerben. Die Vielfalt an Angeboten bedingt die fehlende Verbindlichkeit in der Zusage; immer wieder melden sich Eltern an und sagen dann kurzfristig ihre Teilnahme am EKP® ab. „Starke Einflüsse auf das Teilnahmeverhalten wird der seit August 2013 geltende Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz haben, da die Mütter – als Hauptzielgruppe des EKP® – nun in der Lage sind, wieder sehr viel früher in ihr Berufsleben einzusteigen. Die Verweildauer verkürzt sich dadurch, die Fluktuation wird größer“, so die Worte von Professorin Gross-Letzelter. Bei der Neugewinnung von Gruppenleiterinnen sieht sich das EKP® zunehmend vor der Herausforderung eines starken Arbeitsmarktes.

„Verändern, um zu bewahren“

In den beiden Arbeitsgruppen wurde intensiv darüber diskutiert, inwiefern sich das EKP verändern muss, um in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Ergebnisse, die unter dem Leitmotiv „Verändern, um zu bewahren“ standen, wurden am Nachmittag im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit Dr. Anneliese Mayer, Ordinariatsrätin und Leiterin der Hauptabteilung Außerschulische Bildung, Katharina Bäcker-Braun, Diözesanen-Fachreferentin Familienbildung, Clemens Knoll, KEB-Geschäftsführer und Prof. Dr. Michaela Gross-Letzelter unter der Moderation von Prof. Dr. Cornelia Behnke, Professorin für Soziologie in der Sozialen Arbeit an der KSFH, vorgestellt. Verändern, darin waren sich die Fachtags-Teilnehmer einig, müssen sich nicht die Inhalte, sondern die Strukturen. Die Inhalte, so der Konsens, sind bereits stark. „Der Markenkern des EKP® ist es, den Eltern unter fachlicher Anleitung eine Qualitätszeit mit ihren Kindern zu bieten – dieses Alleinstellungsmerkmal des Erwachsenenbildungsprogramms sollte zwingend bewahrt und erhalten bleiben. Im Kontext der sich verändernden Familienstrukturen und Zeitressourcen müssen wir allerdings über neue Formate, wie etwa einem Großeltern-EKP® oder einem EKP® nachdenken, dass zum Beispiel nur an Wochenenden oder in den Wintermonaten stattfindet. Auch werden sich die Schwerpunkte noch stärker als bisher auf eine frühpädagogische Förderung verlagern“, sagt dazu Dr. Anneliese Mayer. In der Außendarstellung plädierten die Teilnehmer dafür, stärker als bisher auf die inhaltlichen Kompetenzen zu setzen. Der KSFH-Masterstudent Florian Spensberger hob hervor: „Unsere Forschung hat gezeigt, dass Eltern immer stärker nach Entschleunigung suchen bzw. nach einer Zeit, die sie gemeinsam mit ihrem Kind verbringen können – das EKP® sollte sein bestehendes, inhaltliches Profil in der Öffentlichkeit dementsprechend schärfen.“

Eltern-Kind-Programm (EKP®)

Ausführliche Informationen zum Eltern-Kind-Programm finden Sie unter www.eltern-kind-programm.info.

Quelle: Katholische Stiftungsfachhochschule München