Kinder- und Jugendhilfetag / Europa

Erfolg bei Freiwilligenarbeit ist planbar

Frank Peil
Bild: Maria Reimer Frank Peil

Frank Peil auf dem Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag für ein Gespräch zu fassen zu bekommen, ist eine der schwierigeren Übungen. Als Verantwortlicher der Öffentlichkeitsarbeit von JUGEND für Europa hat er auf dem "Marktplatz Europa" alle Hände voll zu tun. Als das Interview zustande kommt, klärt sich alles auf: Peil nimmt sich Zeit für jeden, der mit ihm spricht.

Von Maria Reimer

Frank Peil ist für die Öffentlichkeitsarbeit bei JUGEND für Europa zuständig. Jugend für Europa ist die Nationalagentur für die Umsetzung des Bildungsprogramms "Jugend in Aktion Erasmus+". JUGEND für Europa gibt die Mittel aus dem Programm zum Beispiel an Jugendorganisationen weiter, die konkrete Projekte mit europäischer Perspektive durchführen. Von 2007 bis 2013 hat JUGEND für Europa das EU-Programm "Jugend in Aktion" in Deutschland umgesetzt. Seit 2014 gibt es nun mit Erasmus+ das neue Programm auf europäischer Ebene, das sich um die Jugend und ihre Nähe zu Europa kümmert. Innerhalb von Erasmus+ gibt es vier Nationalagenturen in Deutschland, die jeweils für eine Zielgruppe zuständig sind. Der PAD kümmert sich um deutsche Schülerinnen und Schüler, die Erfahrungen im europäischen Ausland sammeln möchten. Der DAAD organisiert die universitären Austauschprogramme. Das BIBB widmet sich den Auszubildenen mit Fernweh. Und JUGEND für Europa? Fördert diejenigen Jugendlichen, die – zusätzlich zu Schule oder Ausbildung – noch außerschulisch organisiert, also beispielsweise in Jugendverbänden oder anderen Initiativen aktiv sind.

Während Frank Peil erzählt, wer auf welcher Ebene für die Förderung und Durchführung von europäischen Jugendprojekten verantwortlich ist, frage ich mich: Warum ist das alles so kompliziert? Ich frage ihn, und Peil antwortet: „Weil man nie wieder eine Hitlerjugend, eine Staatsjugend möchte. Die Dezentralität ermöglicht Vielfältigkeit im Jugendbereich – genau das, was die Verantwortlichen in Europa nach dem Ende des 2. Weltkrieges für Deutschland wollten.“ Darüber hinaus, erklärt Peil, regelt das Kinder- und Jugendhilfegesetz, wie Aktivitäten im Jugendbereich umzusetzen sind. Dort ist das Subsidiaritätsprinzip festgesetzt. Das bedeutet: Die kleinstmögliche Einheit sollte für die Durchführung zuständig sein.

Und wie viel Geld hat Jugend für Europa zur Verfügung? Peil seufzt. Durch das neue Programm Erasmus+ wächst das Budget seiner Agentur von 15 Millionen Euro auf 30 Millionen Euro im Jahr 2018 an. Aber ist das nicht großartig? Peil bleibt zurückhaltend: „Durch die Aufstockung droht, dass Haushaltsmittel für Jugendliche auf nationaler und regionaler Ebene zurückgefahren werden. Wenn Bund und Länder sagen: Dafür gibt es doch Geld von der EU! - dann stehen wir vor einem Problem. Denn wir fördern Projekte, keine Strukturen. JUGEND für Europa kann aber nur leben, wenn Strukturen vorhanden sind.“ Was, frage ich, ist denn das Beste, was passieren kann? „Dass Träger der Jugendarbeit Projekte einreichen, die den Alltag der Jugendlichen in Deutschland systematisch mit Europa verzahnen. Dass Fachkräfte eine europäische Ausbildung bekommen. Dass eine Willkommenskultur für Freiwillige in Deutschland etabliert wird, die uns weg vom Zufallsprinzip führt. Wenn eine italienische Freiwillige ein Jahr lang in einer Einrichtung in Dortmund aushilft, und diese Freiwillige ist spitze, dann sagen die Verantwortlichen: Ja, das war ja jetzt toll. Aber dieser Erfolg ist planbar. Ein tolle Freiwilligenarbeit muss kein Zufall sein.“

Sorgen macht Peil die negative Berichterstattung über Europa. „Wir können machen, was wir wollen: Wenn ein europakritischer Artikel in der FAZ auftaucht, dann sind die 15.000 Jugendlichen, die die durchführenden Organisationen gerade in europäische Projekte involviert haben, ein Tropfen auf dem heißen Stein.“

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