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Soziale Integration durch Bildung und Weiterbildung

Bildungsförderung

Zielgruppen

Zu den Zielgruppen, die mit bildungsfördernden Maßnahmen angesprochen werden, gehören insbesondere Jugendliche mit Migrationshintergrund, junge Geflüchtete, Jugendliche mit körperlichen und geistigen Einschränkungen, sozial benachteiligte Jugendliche, NEETs.

Politik im formalen Bildungsbereich

Bildungspolitik ist in Deutschland aufgrund der föderalen Struktur vor allem Sache der Bundesländer. Das Bundesbildungsministerium (BMBF) engagiert sich auf nationaler Ebene in übergreifenden Fragen des Bildungssystems, wie zum Beispiel dem Aufbau von Ganztagsschulen.

Laut Bildungsbericht 2016 ist die Frage nach dem Verhältnis von gemeinsamer Förderung von Schüler(inne)n und die Differenzierung nach Befähigung und Leistung ein Dauerthema in der Diskussion des deutschen Schulwesens. Tendenziell nehmen Schulangebote zu, die ein längeres gemeinsames Lernen ermöglichen und mehrere Abschlussoptionen eröffnen.

Ganztagsschulen bieten zum Beispiel die Rahmenbedingungen für unterrichtliches und außerunterrichtliches gemeinsames Lernen. Die zusätzlichen sportlichen, kulturellen und anderen Bildungsangebote stehen allen Kindern und Jugendlichen offen. Bund und Länder haben mit insgesamt vier Milliarden Euro im Investitionsprogramm 'Zukunft Bildung und Betreuung' (IZBB) den Auf- und Ausbau von Ganztagsschulen in Deutschland unterstützt. Kommunen und weitere Schulträger haben mindestens zehn Prozent der Investitionssumme getragen. Mit Bundesmitteln wurden 8262 Ganztagsschulen in Deutschland gefördert. Im Rahmen des föderalen Systems haben die Bundesländer die Entscheidungsgewalt über den Bereich Ganztagsschulen. Sie haben jeweils eigene Regelungen zum Thema Ganztagschule. Das sind einerseits Rahmenvereinbarungen zwischen dem für Bildung zuständigen Ressort mit verschiedenen Dachverbänden und -organisationen. Diese bilden den organisatorischen und finanziellen Rahmen für die Zusammenarbeit von Schulen mit Verbänden, Vereinen und Institutionen bei der Durchführung von Betreuungs- und Ganztagsangeboten. Andererseits können Schulen auch selbst Kooperationsverträge mit lokalen oder regionalen außerschulischen Kooperationspartnern abschließen (PDF, 1 MB), z.B. den Landessportverbänden/-sportbünden, den Landesvereinigungen kultureller Jugendbildung, Landesjugendringen oder Landesfeuerwehrverbänden.

Instrumente und Maßnahmen der Bildungsförderung

Es gibt in Deutschland vielfältige Instrumente der Bildungsförderung, die den Zugang zu Bildung für alle, insbesondere auch für (junge) Menschen aus Familien mit geringem Einkommen, ermöglichen sollen. Hier greifen z.B. die Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG). Schülerinnen und Schüler erhalten die BAföG-Leistung als – nicht zurückzuzahlenden – Zuschuss. Studierende erhalten die BAföG-Leistungen demgegenüber im Regelfall zur Hälfte als Zuschuss und zur Hälfte als zinsloses staatliches Darlehen. Im Rahmen des Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes (AFBG) werden Berufsqualifizierte, insbesondere Nachwuchskräfte, gefördert, um ihnen zu helfen, ihre Weiterbildung für einen Fortbildungsabschluss zu finanzieren, der einen beruflichen Aufstieg ermöglicht.

Über das so genannte Bildungspaket der Bundesregierung werden Kinder und Jugendliche bis zur Vollendung des 18. beziehungsweise 25. Lebensjahres aus Familien gefördert, die Arbeitslosengeld II/Sozialgeld (Sozialgesetzbuch II), Sozialhilfe (Sozialgesetzbuch XII), Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, Kinderzuschlag nach dem Bundeskindergeldgesetz oder Wohngeld nach dem Wohngeldgesetz beziehen. Es umfasst unter anderem finanzielle Mittel für:

  • die Lernförderung (Nachhilfe, je Schuljahr in der Regel nicht mehr als 35 Zeitstunden),
  • Schulbedarf (Geldleistung, für Schulmittel wie Stifte, Zirkel, Turnzeug, Atlas usw.) sowie
  • die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben (z. B. Unterricht in künstlerischen Fächern, Mitgliedschaft in Vereinen, Teilnahme an Freizeiten).  

Junge Geflüchtete werden mit einer ergänzenden Sprachförderung unterstützt oder lernen in Sprachfördergruppen (auch Willkommens-, Vorbereitungs- oder Sprachlernklassen genannt) in der Schule oder in speziellen berufsvorbereitenden Klassen der beruflichen Bildung. Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden vorwiegend in Förderschulen unterrichtet, zunehmend aber auch inklusiv an sonstigen allgemeinen Schulen: In allen Bundesländern ist der Anteil dieser Schulen weiter gestiegen. Zum Beispiel kommen an Schulen in Sachsen Inklusionsassistenten an sächsischen Schulen zum Einsatz. Sie sollen Inklusionsprozesse nachhaltig unterstützten und die gleichberechtigte Teilhabe von Kindern und Jugendlichen am Bildungssystem stärken (PDF, 951 KB).

Für den Einstieg von jungen Geflüchteten in die berufliche Bildung geht es zunächst um die Orientierung im deutschen Berufs­ und Berufsbildungssystem sowie den Erwerb von Basiskompetenzen (deutsche Sprachkenntnisse, Umgangsformen etc.) zur Vorbereitung auf eine Ausbildung. Hier gibt es eine Vielzahl an Förderangeboten und Maßnahmen von der Berufsorientierung bis hin zur Vermittlung und Begleitung in Ausbildung (PDF, 12,9 MB).

Mehr Informationen gibt es auch unter:

oder bei Eurydice: Germany

Weitere Maßnahmen der Bundesländer

  • Hamburg: Förderprogramm für Schulen in sozial benachteiligten Stadtteilen

    Seit Mai 2013 unterstützt die Schulbehörde Hamburg elf Grundschulen, neun Stadtteilschulen und drei Gymnasien in sozial besonders benachteiligten Stadtteilen. Die Unterstützung im Rahmen des Programms '23+ starke Schulen' umfasst unter anderem zusätzliche Lehrkräfte, Beratung und Unterstützung durch Experten und Stiftungen sowie die Aktivierung von Eltern- und Schülerschaft. Im Mittelpunkt steht die Schul- und Unterrichtsentwicklung. Das Projekt wird nach dem Sommer 2017 auf über 30 Schulen ausgeweitet. Neben vielen anderen Unterstützungsmaßnahmen bekommen die teilnehmenden Schulen dafür jedes Jahr bis zu 42 zusätzliche Lehrerstellen. Ein Schwerpunkt des Programms liegt künftig darin, am Nachmittag im Rahmen des Ganztags zusätzliche Lern- und Bildungsangebote zu entwickeln und umzusetzen. Förderung: Stadt Hamburg.

    Teilprojekt: Schulmentoren

    Im Projekt 'Schulmentoren – Hand in Hand für starke Schulen' (2014-2017) übernehmen Eltern als Mentor(inn)en Aufgaben im Rahmen der schulischen Elternarbeit. Schüler/-innen und externe, ehrenamtliche Mentor(inn)en arbeiten direkt mit ausgewählten Schüler(inne)n zusammen. Die Aufgaben der Mentor(inn)en werden von den Schulen festgelegt. Dazu gehören je nach Gruppe der Mentor(inn)en die Beratung von Eltern, die Unterstützung von Schüler(inne)n im schulischen Alltag oder Leseförderung, Hilfe bei der Berufsorientierung oder auch gemeinsame Freizeitaktivitäten. Die Mentor(inn)en erhalten eine spezielle Qualifizierung. Förderung des Projekts: Stadt Hamburg, ESF.

  • Bayern: Bildungspaket 'Für Bildung begeistern! Fördern, Fordern, Forschen'

    Das bayerische Bildungspaket sieht unter anderem Folgendes vor:

    • die Stärkung der Förderschulen und den Ausbau der Inklusion. Die Arbeit der Förderschulen wird durch zusätzliche Stellen unterstützt (2018: 50 Stellen, 2019/20: je 100 weitere Lehrerstellen). Die Inklusion wird weiter ausgebaut (je 100 Lehrerstellen zusätzlich in den Jahren 2019 und 2020). Die Kapazitäten der bayerischen Universitäten zur Ausbildung von Lehrkräften für Sonderpädagogik werden durch fünf neue Lehrstühle erhöht.
    • die Stärkung der beruflichen Bildung mit der Zukunftsinitiative 'Berufliche Bildung'. Hier werden 2019 und 2020 100 zusätzliche Stellen für Berufsschulen sowie Fachober- und Berufsoberschulen geschaffen. Der Meisterbonus wird auf durchschnittlich 1500€ (Gesamtkosten jährlich rund 17 Millionen Euro) erhöht. Zusätzlich werden 2018 10 Millionen Euro zur Förderung von Investitionen in Aus- und Weiterbildungseinrichtungen und 5 Millionen Euro für Exzellenzzentren der beruflichen Bildung im Bereich 'Industrie 4.0' eingesetzt.
    • den Ausbau der Lehrerreserve für die Schulen (150 zusätzliche Stellen in 2018 und 2019 an verschiedenen Schultypen).
    • eine stärkere Unterstützung der Schulleitungen an Grund- und Mittelschulen, Realschulen und beruflichen Schulen. 150 Stellen werden 2018 bereitgestellt, um den Schulleitungen mehr Leitungszeit zu ermöglichen. Ferner wird 2018 die Anzahl der Stellen für Verwaltungsangestellte um 150 erhöht.
    • eine Stärkung der Begabtenförderung unter dem Motto 'Fit für die Zukunft: Fördern und Forschen'.
    • Förderung: aus Mitteln des Landes Bayern.
  • Bayern: Berufsorientierungsmaßnahmen 'Berufsorientierungs-Modul Integration'

    Mit den Berufsorientierungsmaßnahmen „Berufsorientierungs-Modul Integration“ werden über 1300 Schüler/-innen an Mittelschulen (Jahrgangsstufen 7-9) mit Fluchthintergrund und hohem Bleiberecht durch ca. 60 Unterrichtseinheiten kontinuierlich unterstützt. Es gibt verbindliche Inhalte (berufswahlbezogene Sprachförderung, Bildungswege, Unterstützungsangebote vor und während der Ausbildung) und wählbare Bausteine (Neigungen/Interessen, grundlegende Kompetenzen, Zielberufe, berufliche Anforderungen einzelner Berufe, Bewerbung). Ziele sind das Kennenlernen der schulischen und beruflichen Bildung (insbesondere der dualen Ausbildung) und der Erwerb von Sprach- (insbesondere Fachsprach-), Informations- und Berufswahlkompetenz sowie die Entwicklung von Strategien, um einen Ausbildungsplatz zu finden. Förderung: aus Mitteln des Landes Bayern.

  • Baden-Württemberg: Schülermentorenprogramme, Schwerpunkt 'Soziale Verantwortung lernen'

    In Baden-Württemberg gibt es verschiedene Schülermentorenprogramme (SMP) mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten. Im Kontext von sozialer Verantwortung bietet das SMP 'Soziale Verantwortung lernen' werden Schüler/-innen zu Mentor(inn)en ausgebildet. Das Programm wird in Zusammenarbeit mit Trägern der Jugendarbeit umgesetzt. Die ausgebildeten Mentor(inn)en engagieren sich dann in freiwilligen Angeboten in der Schule, Gesellschaft oder in der kirchlichen Jugendarbeit. Förderung der Ausbildung: Kultusministerium Baden-Württemberg.

  • Baden-Württemberg: Modellprojekte zur Vorbereitung von wesentlich behinderten jungen Menschen auf den regulären Arbeitsmarkt

    Baden-Württemberg hat zwei Modellprojekte (Berufsvorbereitende Einrichtung, Maßnahme zur kooperativen Berufsvorbereitung) zur Vorbereitung von wesentlich behinderten jungen Menschen (vornehmlich Förderschwerpunkt geistige Entwicklung) auf den regulären Arbeitsmarkt entwickelt. Dies basiert auf einer Kooperationsvereinbarung zwischen dem Kultusministerium, der Regionaldirektion Stuttgart, der Bundesagentur für Arbeit und dem Kommunalverband für Jugend und Soziales. Für eine Überführung in die Regelform wurden mittlerweile im Schulgesetz die Voraussetzungen geschaffen. Die Maßnahmen stehen flächendeckend zur Verfügung. Elemente (z.B. Berufswegekonferenzen, begleitete Praktika) dieser Modellprojekte wurden im Rahmen der Bundesinitiative Inklusion auf Schüler/-innen aller sonderpädagogischen Förderschwerpunkte sowie auf Schüler/-innen mit Autismus und Epilepsie ausgedehnt. Förderung: Land Baden-Württemberg.

  • Mecklenburg-Vorpommern: Maßnahme 'Ergänzungs-/Teilungsstunden und Coaching'

    Seit August 2015 (Laufzeit bis Ende Juli 2022) werden an 34 Schulen und in 175 Klassen Schüler/-innen der Jahrgangsstufen 5 bis 9 durch eine gezielte Förderung über zusätzliche Stunden beim Erwerb des für sie bestmöglichen Schulabschlusses unterstützt. Jeder Klasse stehen insgesamt drei Wochenstunden für Unterricht in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Englisch sowie für Coaching von Lehrkräften zur Verfügung. Förderung: Land Mecklenburg-Vorpommern, ESF.

  • Nordrhein-Westfalen: Zukunftsschulen NRW – Netzwerk Lernkultur Individuelle Förderung

    Die Initiative 'Zukunftsschulen NRW – Netzwerk Lernkultur Individuelle Förderung' des nordrhein-westfälischen Ministeriums für Schule und Bildung unterstützt Schulen, die ihre Unterrichts- und Schulentwicklung in Netzwerken und in Zusammenarbeit mit Referenzschulen am Leitbild der individuellen Förderung ausrichten wollen. Förderung: Land Nordrhein-Westfalen (Ministerium für Schule und Bildung).

    Weitere Informationen zu Maßnahmen und Angeboten der Bundesländer zur Verbesserung des Bildungsniveaus im Nationalen Reformprogramm 2017 (PDF, 1,3 MB).

    Weitere Informationen zu Projekten und Maßnahmen der Bundesländer zur Leseförderung auf der Website ‚Lesen in Deutschland‘.

Programme, Projekte und Initiativen (non-formales Lernen, informelles Lernen und Jugendarbeit)

Die Angebote der Jugendverbandsarbeit (z. B. Gruppenstunden, Freizeiten etc.) sind durch ihre Struktur darauf angelegt, non-formale bzw. informelle Bildung zu fördern und möglichst alle Jugendlichen einzubeziehen und zu unterstützen. Die Jugendleiter/-innen-Ausbildung Juleica wird auch genutzt, um allgemeingültige Standards hinsichtlich Bildungsförderung und sozialen Zusammenhalt und Chancengleichheit zu fördern.

Ein zentrales Feld, z.B. für die Förderung von Lesekompetenz, ist die kulturelle Jugendbildung. In diesem Themenfeld ist auch das Programm 'Kultur macht stark – Bündnisse für Bildung' verortet.

  • Gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung.
  • Zeitrahmen: 2015 bis 2017. Fortführung 2018 bis 2022 geplant. Ziel: außerschulische kulturelle Projekte zu fördern.
  • Maßnahmen: Lokale Akteure in ganz Deutschland schließen sich zu Bündnissen für Bildung zusammen und setzen Projekte um, die sich an Kinder und Jugendliche richten, die kaum oder keinen Zugang zu kultureller Bildung haben. Dazu gehören Mentorenprogramme, Leseprogramme, Feriencamps sowie Musik-, Tanz-, Theater- und Zirkusprojekte. Das Bundesprogramm wird derzeit von 32 Verbänden und Initiativen umgesetzt, die als Bündnispartner agieren.

Öffentliche Bibliotheken bieten ebenfalls einen freien Zugang zu Bildung, Information und Literatur, gerade auch für Kinder aus benachteiligten Familien. Sie bieten verschiedene Initiativen und Projekte an, um Kinder und Jugendliche für das Lesen zu begeistern, z.B. Lesestart-Initiativen, Sommerlese-Clubs, den Erwerb eines 'Bibliotheksführerscheins', Bibliotheksübernachtungen, Vorlese-Aktionen oder Quiz-Spiele.

Jugendsozialarbeit bietet insbesondere innerhalb der Schulsozialarbeit und der Jugendberufshilfe Bildungsangebote, z.B. durch Arbeitsgruppen und Projekte an Schulen. Informationen gibt es auch im Youth-Wiki-Kapitel „Soziale Inklusion – Inklusive Programme für Jugendliche – Programme für schutzbedürftige Jugendliche – Spezielle Programme für die soziale Integration von Jugendlichen – Förderung der Jugendsozialarbeit“.

Jugendinformationszentren bieten Material und Informationen zu den Möglichkeiten für Jugendliche, an Angeboten der Jugendarbeit teilzuhaben.

Informationen und Materialien für Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe bietet das Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe, das unter anderem auch bestimmte Bereiche in den Fokus nimmt, wie z. B. Inklusion, Ganztagsbildung und Junge Flüchtlinge.

Siehe auch Youth Wiki: Soziale Inklusion

Öffentliche Förderung

Die Bildungsausgaben sowie die Ausgaben für Forschung und Wissenschaft sind im Budget für Bildung, Forschung und Wissenschaft zusammengefasst und nach Teilbudgets gegliedert. In Deutschland wurden 2013 257, 4 Milliarden Euro für Bildung, Forschung und Wissenschaft ausgegeben (9,1 % des BIP), 2014 lagen sie geschätzt auf 265,5 Milliarden Euro (9,1 % des BIP). Den höchsten Anteil bei den Bildungsausgaben nach Bildungsbereichen haben der Schul- bzw. der schulnahe Bereich. Der Anteil lag 2013 bei 47 % (2005: 52,6). Rund vier Fünftel der gesamten Bildungsausgaben wurden 2013 von Bund, Bundesländern und Gemeinden aufgebracht, das restliche Fünftel von Privathaushalten, Organisationen ohne Erwerbszweck und Unternehmen sowie vom Ausland. Der Bund finanzierte, verteilt über alle Bildungsbereiche, 10 % der Bildungsausgaben, die Bundesländer 53 % und die Gemeinden 16 %. Im Elementarbereich, in der beruflichen Bildung und in der Weiterbildung sind private Haushalte, Organisationen ohne Erwerbszweck und Unternehmen traditionell stärker an der Finanzierung beteiligt, während Schul- und Hochschulbereich überwiegend öffentlich finanziert ist. Vor allem im Elementarbereich spielt die Finanzierung der Gemeinden mit 49 % eine große Rolle. Ausgaben der Schulen und Hochschulen werden vor allem von den Bundesländern getragen. Berufliche Bildungsgänge sowie die Weiterbildung sind in wesentlichen Teilen privat finanziert.

Für BAföG-Leistungen wendeten Bund und Länder 2014 3,14 Milliarden € auf. Fast zwei Drittel davon wurden als Zuschüsse gewährt, der Rest als Darlehen. Seit Jahresbeginn 2015 hat der Bund die volle finanzielle Förderung nach BAföG übernommen.

Der Kinder- und Jugendplan des Bundes (KJP) (PDF, 528 KB) ist das zentrale Förderinstrument für den Bereich der Kinder- und Jugendhilfe, unter anderem auch von Jugendarbeit, auf Bundesebene. Er ist Teil des vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) verwalteten Haushalts. Die vom KJP abgedeckten Bereiche der Kinder- und Jugendhilfe fördern unter anderem auch die soziale Integration aller Kinder und Jugendlichen.

Kinder- und Jugendhilfeangebote gemäß SGB VIII werden zudem durch die Bundesländer und auf kommunaler Ebene gefördert.

Sozialer Zusammenhalt und Chancengleichheit

Politik im formalen Bildungsbereich

Wichtige Ansätze zur Förderung von sozialem Zusammenhalt und Chancengleichheit in der formalen Bildung findet man in den Leitlinien und Beschlüssen der Kultusministerkonferenz der Länder sowie in den verschiedenen Lehr- und Bildungsplänen der Bundesländer.

In den Leitlinien zur Sicherung der Chancengleichheit durch geschlechtersensible schulische Bildung und Erziehung (PDF, 268 KB) werden Handlungsfelder formuliert, die im Kontext geltender Beschlüsse und Empfehlungen der Kultusministerkonferenz stehen. Sie benennen zentrale Ansatzpunkte für eine Konkretisierung des Bildungsauftrags der Schule mit dem Ziel, benachteiligende Geschlechterstereotypien zu vermeiden und abzubauen. Das betrifft Unterrichtsvorgaben, Prüfungsaufgaben, Lehr- und Lernmittel, die Lehramtsausbildung und -fortbildung, Strukturen (Entscheidungsprozesse, fachlich-pädagogisches Profil der Schule, Qualitätsprüfung, Statistiken), die Personalentwicklung, die Ausstattung der Räumlichkeiten.  

Der Beschluss der Kultusministerkonferenz zur Stärkung der Demokratieerziehung (PDF, 151 KB) formuliert, wie Schulen Maßnahmen ergreifen können, um Kinder und Jugendlichen demokratische Grundwerte und Toleranz und Respekt gegenüber anderen Menschen zu vermitteln. Unterrichtsfächer, in denen diese Themen eine Rolle spielen, sind Geschichte, Politik und Sozialwissenschaften, Ethik sowie Fremdsprachen.

Auch der Beschluss der Kultusministerkonferenz zur Interkulturellen Bildung und Erziehung in der Schule (PDF, 234 KB) formuliert Ziele und Grundsätze für eine Schule der Vielfalt. Diese soll frei sein von offener und versteckter Diskriminierung und sich bewusst auf die soziale, kulturelle und sprachliche Heterogenität der Schülerschaft ausrichten.

Im Zusammenhang mit der verstärkten Zuwanderung nach Deutschland haben insbesondere die Kultusministerien der Länder daran gearbeitet, die Rahmenbedingungen so anzupassen, dass jungen Geflüchteten schnellstmöglich der Schulbesuch und damit Teilhabe an Bildung und Chancen ermöglicht wird. Lehr- und Bildungspläne wurden angepasst und weiterentwickelt. Sprachbildung wurde als durchgängige Aufgabe des Unterrichts für alle Schulformen und -stufen verankert. Zudem wurden die Qualifizierungsmaßnahmen der Lehreraus- und -fortbildung für die Sprachbildung, insbesondere Deutsch als Zweitsprache, stark ausgebaut. In einigen Bundesländern sind diese Bereiche verpflichtende Bestandteile in der Erstausbildung von Lehrkräften. Der Erwerb interkultureller Kompetenzen im Unterricht und durch außerunterrichtliche Aktivitäten ist inzwischen in den meisten Lehrplänen verankert. Einige Bundesländer bieten Maßnahmen zur systematischen interkulturellen Schulentwicklung an. Die Gestaltung von Bildungs-und Erziehungspartnerschaften geschieht vielerorts noch nicht strukturiert und flächendeckend. In vielen Bundesländern bestehen im Themenfeld Integration Ansätze zur Zusammenarbeit von Schule mit außerschulischen Partnern. Diese Bestrebungen gilt es zukünftig zu intensivieren und die entsprechenden Maßnahmen noch stärker zu verzahnen.

Aufgrund des föderalen Systems obliegt es den Bundesländern, eigene Programme und Initiativen zu fördern, z.B.:

  • Rheinland-Pfalz: 'Gendersensible Berufsorientierung – Training und Coaching für Fachkräfte in der Berufsorientierung'
    Ziel des Projekts (01. November 2015 bis 31. Dezember 2016) war die Sensibilisierung und Erweiterung der Beratungskompetenz der am Berufsfindungsprozess junger Menschen beteiligten Personengruppen für Geschlechterunterschiede in der Berufsorientierung. Förderung: Ministerium für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen, Bundesagentur für Arbeit - Reginaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland, Handwerkskammer Rheinhessen.

Zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts und der Verhinderung von Ausgrenzung tragen an den Schulen unter anderem auch Beratungslehrkräfte, Schulsozialarbeiter/-innen, Mediator(inn)en und Schulpsycholog(inn)en bei. So gab es im Mai 2017 in Nordrhein-Westfalen einen Erlass zum Einsatz von Beratungslehrkräften an Schulen im Land. In vielen Bundesländern gibt es landesweite Schulsozialarbeitsprogramme (Baden-Württemberg, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Thüringen), der Fokus liegt meist auf sozialen Themen wie Konfliktbewältigung und Gewaltprävention.

Weitere Informationen zu den Angeboten der Gewaltprävention in Schulen in den Bundesländern bietet der Bildungsserver.

Materialien für die Lehrerfortbildung zu den Themen Integration und Gewaltprävention findet man auf der Website der bundesweiten Aktion 'Gewalt verhindern – Integration fördern' (PDF, 1,9 MB).

Projekte und Initiativen

Die Initiative ‚Nationale Kooperationen zur Berufs- und Studienwahl frei von Geschlechterklischees‘ setzt sich für eine klischeefreie Berufsorientierung ein. Der Initiative gehören verschiedene Bundes- und Landesministerien, Bundesbehörden sowie Partner aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft an. Förderung: Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Die am Schulnetzwerk ‚Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage‘ teilnehmenden Schulen verpflichten sich, sich bewusst gegen jede Form von Diskriminierung, Mobbing und Gewalt zu wenden. Die Schulen arbeiten mit vielen Initiativen, staatlichen Einrichtungen und Nicht-Regierungs-Organisationen zusammen, die ihre Angebote in die Schulen tragen. Auf der Website des Netzwerks sind Handbücher und Materialien zu finden. Förderung: aus Mitteln des Bundes und der Länder.

‚Schule der Vielfalt‘ ist ein bundesweites aktives Antidiskriminierungsprojekt, das durch Aufklärung Diskriminierungen von Schwulen, Lesben, Bi- und Trans*Menschen abzubauen versucht. Es setzt sich dafür ein, dass an Schulen mehr gegen Homo- und Transphobie und mehr für die Akzeptanz von unterschiedlichen Lebensweisen getan wird. Förderung: aus Mitteln der Länder (Berlin, Nordrhein-Westfalen).

Ein an deutschen Schulen eingesetztes Programm, zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen und in Baden-Württemberg, ist ein 'Anti-Bullying-Programm' zur Gewaltprävention unter dem Motto 'Keine Chance mehr für Bullies', das dem Präventions-Ansatz von Dan Olweus folgt. Hier arbeitet zum Beispiel auch die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes mit Schulen zusammen.

Informationen gibt es auch im Eurydice-Bericht zur Bürgererziehung an den Schulen 2017.

Programme, Projekte und Initiativen (Teilhabe am non-formalen, informellen Lernen und Jugendarbeit)

Die Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit der Städte und Gemeinde sind für alle Kinder und Jugendliche in Deutschland frei zugänglich und sind so Orte der Teilhabe. Dazu gehören Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, Freizeitangebote, Räume zur kreativen Entfaltung und Projekte zur Stärkung der Potenziale junger Menschen wie Jugendklubs, Proberäume oder Theaterprojekte.

Lernmaterialien und Fortbildung

Die Institute und Akademien für Lehrerfortbildung und Schulentwicklung in den Bundesländern bieten zudem Fortbildungsangebote für Lehrkräfte zu den unterschiedlichsten Themenfeldern.

Mit der Jugendleiter/-innen-Ausbildung Juleica im außerschulischen Bereich werden ehrenamtliche Mitarbeiter/-innen unter bestimmten einheitlichen Qualitätsstandards geschult, um Gruppenstunden oder Freizeiten zu leiten. Unter anderem geht es hier auch um den Umgang mit Vorurteilen in Gruppen und das Vermitteln eines inklusiven Miteinanders.

Handreichungen im Kontext von sozialem Zusammenhalt und Chancengleichheit:

Das Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe bietet Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe Informationen und Materialien zu bestimmten Bereichen, wie z. B. Inklusion, Ganztagsbildung und Junge Flüchtlinge.

Mehr Informationen gibt es in den Youth-Wiki-Kapiteln: Soziale Inklusion
•    Inklusive Programme für Jugendliche
•    Initiativen zur Förderung der sozialen Inklusion und Bewusstseinsstärkung
•    Programme der Jugendarbeit zur Förderung sozialer Inklusion

Öffentliche Förderung

Bildungspolitik ist in Deutschland aufgrund der föderalen Struktur Sache der Bundesländer. Eine Förderung durch den Bund ist in übergreifenden Fragen des Bildungssystems möglich. Ansonsten ist es die Zuständigkeit der Bundesländer, Programme und Initiativen zu fördern. Informationen zu diesem Thema gibt es zu Beginn dieses Kapitels unter 'Bildungsförderung'.

Der Kinder- und Jugendplan des Bundes (KJP) (PDF, 528 KB) ist das zentrale Förderinstrument für den Bereich der Kinder- und Jugendhilfe, unter anderem auch von Jugendarbeit, auf Bundesebene. Er ist Teil des vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) verwalteten Haushalts. Die vom KJP abgedeckten Bereiche der Kinder- und Jugendhilfe fördern unter anderem auch die soziale Integration aller Kinder und Jugendlichen.
Kinder- und Jugendhilfeangebote gemäß SGB VIII werden zudem durch die Bundesländer und auf kommunaler Ebene gefördert.

 

Dieser Artikel wurde auf www.youthwiki.eu in englischer Sprache erstveröffentlicht. Wir danken für die freundliche Genehmigung der Übernahme.

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